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Oschatz Heimatgeschichte: Eine neue Zeit brach an
Region Oschatz Heimatgeschichte: Eine neue Zeit brach an
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15:46 05.05.2014
Hinweistafel in der Dahlener Heide. Quelle: Werner Breitenborn

Und das geschah dann auch. Sachsen verblieben nur noch wenige Jahre, sich in seiner einstigen Größe und seinem einstigen Glanz zu sonnen. Das war die Zeit zwischen 1806 und 1814. In seiner größten Ausdehnung (das war so vor 205 Jahren, um 1810) erstreckte sich das von Napoleon nun in den Rang eines Königreiches erhobene Sachsen (bisher "Kurfürstentum") vom Thüringer Wald bis an den Queis im heutigen Polen sowie vom Erzgebirge bis zum Harz und kurz vor die Tore Berlins. Es war also fast so groß wie das heutige Bundesland Niedersachsen. Sonneberg, Suhl und Coburg in Thüringen gehörten damals ebenso zu Sachsen wie Cottbus mit Umgebung (das erhielt Sachsen von Napoleon als Geschenk bei seiner Erhebung vom Kurfürstentum in ein Königreich), Doberlug-Kirchhain, Guben, Sangerhausen, Langensalza, Belzig und Quedlinburg, um nur einige Städte zu nennen, die weit entfernt vom Kernland um Dresden lagen.

Dann aber änderten sich die Zeiten und die Verhältnisse. Der Sieg der Verbündeten über Napoleon mit der entscheidenden Völkerschlacht 1813 bei Leipzig brachte eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse ebenso mit sich wie Grenz-Korrekturen auf der Landkarte Europas.

In Wien auf dem Kongress der Siegermächte in den Jahren 1814/15 wurde die Landkarte Europas neu gezeichnet. Um Sachsen wurde mächtig geschachert.

Wäre es nach dem Wunsch der Mit-Siegermacht Preußen gegangen, dann hätte sich dieser große Nachbar ganz Sachsen einkassiert.

Das verhinderten jedoch andere Siegermächte. Sie fürchteten ein starkes Preußen. Österreich wollte Sachsen als Pufferstaat zwischen Böhmen und Preußen unbedingt erhalten. Unterstützung erhielt Österreich dabei von England, besonders von Frankreich, aber ebenso von Bayern und anderen kleineren Staaten.

Schon der Alte Fritz ("Friedrich der Große") wollte 50 Jahre früher ganz Sachsen haben. Aber das klappte nicht. Auch im Frieden von Hubertusburg nach Ende des Siebenjährigen Krieges im Jahre 1763 verlor Sachsen keine Gebiete, fiel jedoch fast in die politische Bedeutungslosigkeit.

Nebenbei bemerkt: Preußens Wunsch, sich Sachsen einzugliedern, erledigte sich erst endgültig mit der Bildung des Deutschen Kaiserreiches im Jahre 1871.

Aber zurück zum Wiener Kongress! Dem sächsischen König (den Titel hatte er mit der Grenzziehung nach 1815 behalten dürfen) blieb nichts anderes übrig, als nach dem Ende seiner preußischen Gefangenschaft im Jahre 1815 das Dokument über den Verlust großer Teile seines früheren Herrschaftsbereiches zu unterschreiben. Fast zwei Drittel seiner Fläche und fast die Hälfte der Bevölkerung musste Sachsen abtreten, das meiste an Preußen. Es verlor Gebiete in drei Himmelsrichtungen. Nur der Süden mit der Erzgebirgs-Grenze (die übrigens seit dem Jahre 1459 besteht und damit die älteste noch heute bestehende Grenze Deutschlands und sogar eine der ältesten noch bestehenden Grenzen Europas ist) blieb davon verschont.

Zu den Gebieten, die nach dem Wiener Kongress nicht mehr zu Sachsen gehörten, zählten die gesamte Niederlausitz, große Teile der östlichen Oberlausitz mit Görlitz und Lauban, Thüringen, Weißenfels, Naumburg sowie weitere Orte westlich und nördlich von Leipzig und der Kurkreis um Wittenberg.

Görlitz zum Beispiel, das gemeinsam mit der gesamten Oberlausitz seit 1635 zu Kursachsen gehört hatte, gliederte Preußen in seine Provinz Niederschlesien ein. Deshalb ist die heutige Bezeichnung "Görlitz in Niederschlesien" meiner Auffassung etwas widersinnig, denn Görlitz gehörte 180 Jahre zu Sachsen, aber dann nur 130 Jahre zu Preußen.

Bei der Festlegung der neuen Grenzen hatte aber unser Sachsen noch mal Glück: Preußen erhielt im Ergebnis des Kongresses nur einen Teil von Sachsen, wenn auch den größten. Preußen wollte sich unbedingt auch Leipzig in sein Königreich einverleiben. Da machten jedoch die anderen Sieger nicht mit; Preußen bekam als Ersatz für Leipzig das Gebiet um Posen und Danzig.

Festgelegt ist im Vertrag von 1815 auch, dass Enklaven und Exklaven (eigene Gebiete in einem anderen Kreis beziehungsweise fremde Gebiete im eigenen Kreis) beseitigt werden. Damit wurde zugleich in den verbleibenden sächsischen als auch in den neuen ehemals sächsischen Herrschaftsbereichen der Zwerg-Staaterei ein Ende gesetzt (im Nordwesten Deutschlands blieb die noch Jahrzehnte bestehen - siehe Heines "Wintermärchen", das er 30 Jahre nach dem Wiener Kongress schrieb). Ein Beispiel aus unserer Gegend: Die weit in die Ämter Wurzen und Oschatz hineinragenden Orte Heyda, Dornreichenbach und Meltewitz des Amtes Torgau blieben nach 1815 endgültig bei Sachsen, obwohl insgesamt der Kreis Torgau preußisch wurde. Fortsetzung folgt

Werner Breitenborn

Werner Breitenborn

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