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Heimatgeschichte: Fuhrmannsleute lassen Oschatz aufblühen

Heimatgeschichte: Fuhrmannsleute lassen Oschatz aufblühen

Nach Einführung der Reformation in Sachsen überprüfte 1540 eine Kommission die Kirchen- und Schulzustände in Oschatz und verfasste dazu ein Visitationsprotokoll.

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Durchgehende Pferde - von der neuen Dampfeisenbahn verängstigt - mit Restfuhrwerk und am Boden liegendem Fuhrmann. Das geräuschvolle neue Verkehrsmittel verursachte des Öfteren ähnliche Vorkommnisse.Repro: Siegfried Nowak (Archiv)

Region. Die Stadt wird darin mit den schmeichelhaften Worten "Ein Erliche volckreiche Comun, daselbst Ein feyn volck ist!" beschrieben. Mit ihren damals 3500 Bewohnern gehörte Oschatz zu den größeren sächsischen Gemeinden. Bereits im Mittelalter entwickelte sich in der Stadt ein blühendes gewerbliches und geistiges Leben. Dies war eng verbunden mit der Lage an der alten Handelsstraße, die von Osten nach Westen führte.

Sie verlief von Russland (Nowgorod) über Riga, Königsberg Thorn, Breslau, Görlitz, Bautzen, Hain (Großenhain), die uralte Elbfuhrt bei Merschwitz weiter über Seerhausen zum Hospitaltor hinein nach Oschatz. Durchs Brüdertor hinaus führte sie über Grimma oder Wurzen nach Leipzig als bereits damals bedeutende Messe- und Handelszentrale und von hier weiter nach Erfurt, Eisenach und Frankfurt bis nach Paris. Die alte Handelsstraße hieß einst via Regia. Da sie eine bevorzugte und mit Privilegien behaftete Straße war, wurde sie auch als "Hohe Straße" bezeichnet. Sie stand unter landesherrschaftlicher Aufsicht.

Bereits in der Straßen- und Zollordnung von 1462 wurde bestimmt, dass Wagen, die nach Thüringen gingen, über Königsbrück-Großenhain-Oschatz -Grimma oder Eilenburg fahren mussten. Großenhain war die Hauptzollstelle rechts der Elbe. Als Fährort wurde Merschwitz bestimmt, weshalb die alte Elbfurt der Salzstraße bei Strehla sehr an Bedeutung verlor, zum Leidwesen der Herren von Pflug und auf Schloss Strehla, die dort das Übergangsgeld einzogen.

Der Rat der Stadt Oschatz besaß mit dem ihm vom Markgraf Wilhelm I. gestatteten Pflastergeleit eine recht ersprießliche Einnahmequelle. Er durfte von jedem durchfahrenden Wagen und Karren ein Wegegeld kassieren. Alle, die mit Waren und Kaufmannsgut oder auch ledig reisen, treiben und fahren, waren unter Strafandrohung angewiesen, nicht von der durch Oschatz führenden Hohen Straße abzuweichen. Bei Zuwiderhandlung musste man mit zehn Thalern Strafe für jedes Pferd rechnen und im Wiederholungsfalle sogar mit Wegnahme des Gutes. Der Stadtchronist Hoffmann berichtet 1638 von einem Johann Kulo aus Duwlau, der mit 14 Schock oder 25 Talern Strafe belegt wurde, weil er das Stadtgebiet mit 270 Ochsen umtrieben hatte.

Die alte Handelsstraße war für Oschatz die Lebensader. Die Torwärter hatten die Aufgabe, die Geleitzeichen der Fuhrleute zu prüfen. Die Betroffenen mussten ihre Wagen deshalb in Reihen auf dem alten oder neuen Markte aufstellen, wo sie durch Spießknechte bewacht wurden. Im "Goldenen Stern" (Neumarkt), im "Weißen Schwan", im "Weißen Roß" und im "Schwarzen Adler"(Thomas- Müntzer-Haus, Altmarkt) spannten die Fuhrknechte in den einst geräumigen Stallanlagen aus. Sie waren gute Konsumenten des "Oschitzer" Bieres und gaben, davon beflügelt, am Abend wohl so manche Schauergeschichte und Fuhrmannsschnurre zum Besten.

Gute Verdienste brachte der Durchgangsverkehr auch den Handwerkern der Stadt, insbesondere den Schmieden, Sattlern und Wagnern. Oschatzer Fuhrleute fuhren mit eigenen Wagen nach Polen und Ungarn, nach Süddeutschland und Brandenburg, nach Frankfurt am Main und Frankfurt an der Oder. Auf eigene Rechnung ließ der Rat unter anderem Salz aus Halle und Artern holen. Der "Salzherr" - ein Ratsmitglied - verkaufte dann dieses älteste Handelsgut im Rathaus.

Nach Gründung des Zollvereines im Jahre 1833 kam es zu einem großen Aufschwung im Wirtschaftsleben, verbunden mit einem rasch ansteigenden Frachtverkehr. Der wurde allerdings durch die schlechten Straßen behindert. Insbesondere im Frühjahr, nach Frostaustritt, wurden bei der Straßennutzung Mensch und Tier arg in Mitleidenschaft gezogen. Mit staatlichen Gesetzen bezüglich der Wagenlasten sowie hinsichtlich Radfelgenbreiten versuchte man, die missliche Situation zu verbessern, was jedoch nur einen mäßigen Erfolg brachte.

Die Hohe Straße behauptete ihre führende Stellung gegenüber der weit älteren Niederen Straße (Salzstraße) bis zur Errichtung der Fernbahnstrecke Dresden-Leipzig. Als 1839 erstmals die Eisenbahn durch die hiesige Gegend dampfte, bekam diese in der Oschatzer Zeitung zunächst seitens der Fuhrunternehmer viel Spott und Hohn zu spüren. Interessant ist, dass man bei den Verhandlungen über den Ausbau der Bahnhofstraße vorsichtigerweise sogar das Wiedereingehen des Dampfwagenverkehrs einkalkulierte. Das neue Verkehrsmittel brach sich aber im wahrsten Wortsinne Bahn. Die Dampfwagen beförderten die Frachten bedeutend schneller und billiger. Der Niedergang des einst unentbehrlichen, hoch geachteten und sehr volkstümlichen Standes der Fuhrunternehmer war nicht mehr aufzuhalten.

Nur in Museen und alten Fuhrmannsgasthöfen erinnern noch bunte Fuhrmannsbilder mit ihren Sprüchen an deren Blütezeit. Johann Samuel Erler aus Colnitz bei Freiberg stellte eine Vielzahl dieser sich ähnelnden Fuhrmannsbilder her. Man erblickt auf ihnen schwere wohlgenährte Arbeitspferde, die zwei-, drei- oder gar vierspännig hochbeladene Wagen ziehen. Die abgebildeten Geschirre sind ein Kunstwerk für sich und zeigen, dass der Fuhrunternehmer sehr wohlhabend war. Fein gearbeitete Messingrosen mit den Initialen des Besitzers und blitzende Messinggehänge schmücken die Wagen. Von den Wagen hängen rote Tücher als Zierde.

In Anbetracht des schlechten Straßenzustandes mussten die Wagen sehr stabil gebaut sein. Sie besaßen meist einen blauen Anstrich und waren von einer großen Plane überdeckt. So war die Ladung bei Schlechtwetter gut geschützt. Zwischen den Hinterrädern hing ein Hemmschuh und die Winde. Unter dem Wagen befand sich in der Regel ein langer Kasten - das sogen. "Schiff" - in dem Stricke, Winden und anderes erforderliche Handwerkszeuge verstaut waren. An der Seite, bzw. unter der Wagendeichsel, baumelten die Laterne und das Futtersieb.

Die Fuhrleute trugen einen fast knielangen Kittel, feste Lederhosen und Langstiefel sowie ein buntes Halstuch und einen hohen Hut. Sie schmauchen auf dem Bild ihre Tabakspfeife und schwingen mit der Rechten die Fuhrmannspeitsche. Meist trollt noch ein Hund neben dem Wagen her. Gekrönt wird das ganze Bild noch von einem Spruch. Überliefert ist, dass in Oschatz, um in den Vorbeireisenden fromme Gedanken zu wecken, vor dem Brüder- und Hospitaltore zunächst drei Kreuze mit den Bildern des Erlösers und den beiden Missetätern aufgestellt wurden, in späterer Zeit ohne die bildlichen Darstellungen. Bis in die 70er Jahre standen an der Dresdener Straße noch die drei Kreuze.

Die nahe Gaststätte hieß "Zu den 3 Kreuzen", später "Schweizerhaus". Ein sehr bekannter und wohlhabender Oschatzer Fuhrwerksbesitzer war Herr Buchmann, der um 1870 auf dem Grundstück Miltitzplatz 2 wohnte. Er besaß sechs Fuhrknechte und hatte, trotz der vorhandenen Bahnlinie Leipzig-Dresden, sein Auskommen. Er holte unter anderem aus der Leisniger Pflege Braunkohle und transportierte in die Grimmaer Gegend Getreide.

Viel sprachliches Gut ist aus dem Leben der Fuhrleute überliefert und bis heute erhalten geblieben. So bezeichnen wir gelegentlich eine Person als "hochfahrend" oder betiteln sie als "großspuriges Wesen". Auch die sehr bekannte Redewendung, dass "die Karre richtig im Dreck sitzt", hat ihre Wurzeln im früheren Fuhrmannsleben. Wir sprechen, in Anlehnung daran, von Personen, die sich "tüchtig ins Zeug legen", von einer Sache, die ins "richtige Gleis" gekommen" ist und von jemandem, der manchmal "über die Stränge schlägt" und fühlen uns zuweilen "angespannt".

(Quelle:

)

Beitrag des Heimatfreundes Walter Käseberg im Rundblick 1960

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Oschatz in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Nordsachsen

Fläche: 55,44km²

Einwohner: 14.734 Einwohner (Dezember 2015)

Bevölkerungsdichte: 266 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04758

Ortsvorwahlen: 03435

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