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Heimatgeschichte: Grenzstein erinnert an fest umrissenes Jagdgebiet

Heimatgeschichte: Grenzstein erinnert an fest umrissenes Jagdgebiet

An der Straße zwischen den Orten Treptitz und Wohlau am Südost-Ende der Dahlener Heide steht am Waldesrand ein Grenzstein, daneben eine Schrifttafel. Auf der einen Seite des Grenzsteines ist ein KS eingemeißelt, auf der Rückseite ein KP.

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Das Königreich Sachsen (1880) entnommen der Sachsenkarte. Grüne Linie ist die Grenze Sachsens. Repro: Werner Breitenborn

Quelle: Privat

Auf der Tafel ist zu lesen: "1818 wurde diese Grenze zwischen dem Königreich Sachsen und dem Königreich Preußen festgelegt. Sie war ein Ergebnis des Wiener Kongresses 1815 und des Sieges über Napoleon. Preußen erhielt als Mitglied der Siegermächte große sächsische Gebiete. Die neue Grenze teilte die Dahlener Heide fast 140 Jahre. Erst 1952 mit der Auflösung der Länder hatte die Grenze endgültig ihre Bedeutung verloren." Den Text auf dieser Tafel hat der bekannte Heimatforscher Siegfried Heidler vor 20 Jahren verfasst.

 

Hier sind wir an einer Stelle, an der uns die Heimat-Geschichte lebendig anspricht. Hier an dieser ehemaligen Grenze ohne Mauer und Stacheldraht widerspiegelt sich am Waldrand zwischen den beiden Orten ein klitzekleines Stück deutscher und sogar europäischer Geschichte. Diese Grenze durch die Heide trennte für eine lange Zeit zwei Staaten voneinander: Sachsen (auf dem Grenzstein KS für Königreich Sachsen) und Preußen (auf dem Grenzstein KP für Königreich Preußen).

 

Wie kam es zu dieser Grenzziehung und schließlich zu ihrer Aufhebung? Vor 500 Jahren - um 1500 - war das ganze Gebiet, das heute den Kreis Nordsachsen bildet, fester Besitz der Wettinischen Herrscher. Dabei hatten sie bald erkannt, dass sich die Heide südlich von Torgau ebenso wie der Wermsdorfer Wald hervorragend als Jagdreviere eigneten. Beide Waldungen wurden unter dem Kurfürsten August I (er regierte von 1553 bis 1586) bestens zur Jagd hergerichtet. Dörfer und Siedlungen in der Heide südlich von Torgau wurden plattgemacht, die Bevölkerung der Orte umgesiedelt. Es entstand ein fest umrissenes Jagdgebiet; Dörfer gab es nur noch am Rande. Untertanen wurden streng bestraft, wenn sie gegen die Gebote und Verbote der Jagd-Herren verstießen. August der Starke jagte hier, ebenso wie Sachsens letzter Kurfürst und erster sächsischer König Friedrich August der Gerechte. Wie schon mal auf der Heimatseite ausführlich beschrieben, ließ es sich August der Starke nicht nehmen, am 2. Weihnachtsfeiertag nach der kurzen sogenannten Sitzenrodaer Messe in der Dresdener Hofkirche sofort seinen Schlitten oder seine Kutsche zu besteigen, damit er ja rechtzeitig noch nach Sitzenroda kam, um dann endlich dort noch am selben Tag zu jagen.

 

An die großen Zeiten der Jagd in der Heide erinnert heute noch die Jägereiche im Zentrum der Heide an einer Sechs-Wege-Spinne. Dort trafen sich einst die fürstlichen und andere Weidmänner vor und nach der Jagd. Das Denkmal, das dort heute steht, wurde von dem Oschatzer Bildhauer Werner Plath geschaffen und ist bereits die zweite Nachbildung. Die allererste Jägereiche wurde im Jahre 1763 zur Erinnerung an die letzte Hofjagd des sächsischen Kurfürsten von Sachsen und König von Polen, August III. - Sohn des legendären August des Starken und damit auch Chef von Schloss Hubertusburg - ebenfalls aus einem Eichenstamm angefertigt.

 

Während die Heide und der größte Teil der zuständigen Ämter Oschatz und Torgau ziemlich einheitliche Gebiete waren, sah es im Elbe-Bereich der Ämter und anderer Administrationen ganz anders aus. Das Gebiet links der Elbe zwischen Belgern (Amt Torgau), Strehla (Amt Oschatz) und Riesa (Kreisamt Meißen) war um 1790 ein einziger Flickenteppich politischer und verwaltungsmäßiger Zugehörigkeiten.

 

Heinrich Heine spottete in seinem "Deutschland ein Wintermärchen" über das in große, kleine und ganz kleine Staaten zersplitterte Deutschland: "Das halbe Fürstentum Bückeburg/ blieb mir an den Stiefeln kleben;/ so lehmichte Wege habe ich wohl/ noch nie gesehen in meinem Leben." Wie wahr - auch für unsere geschichtsträchtige Ecke des Sachsenlandes hat das gegolten!

 

Hier hatten um 1790 auf engem Raum mehrere größere und kleinere Ämter das Sagen. Dafür einige Beispiele aus dem linkselbischen Raum südlich von Torgau: Ammelgoßwitz, Liebersee, Dröschkau, Olganitz, Klingenhain, Bockwitz, Treptitz und Seydewitz gehörten zum Stiftsamt Wurzen, waren also kirchlicher Besitz. Das Amt Mühlberg regierte in Staritz, Plotha, Oelzschau, Wohlau, Kaysa, Puschwitz, Lausa, Außig, Schöna und Cavertitz. Torgau bestimmte über Belgern, Neußen, Taura, Sitzenroda. Das Amt Großenhain besaß in unserer Gegend Paußnitz und Lößnig. Zum Stiftsamt Meißen gehörte unter anderem Schirmenitz, dem Kreisamt Meißen unterstanden unter anderem Riesa, Weida, Salbitz, Stennschütz, Schlanzschwitz und Schweta. Das Amt Oschatz verfügte damals in dieser Gegend unter anderem über Strehla, Görzig, Oppitzsch, Forberge, Gohlis, Merzdorf, Unter- und Oberreußen, Pochra, Canitz, Zaußwitz sowie Groß- und Kleinrügeln. Sahlassan unterstand dem Prokuratoramt (etwa "Verwaltungsamt") Meißen. Die meisten hier aufgeführten Orte gehören heute zum Landkreis Nordsachsen, einige zu Riesa (jetzt Landkreis Meißen). Eine ähnlich stark zersplitterte Struktur finden wir in der Nähe um 1790 auch im Raum Mügeln - Lommatzsch - Meißen. Werner Breitenborn

 

Fortsetzung folgt

Werner Breitenborn

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Landkreis: Nordsachsen

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