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Oschatz Heimatgeschichte: Kompanie kommt mit hundert Mann zum Baden
Region Oschatz Heimatgeschichte: Kompanie kommt mit hundert Mann zum Baden
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16:11 13.02.2012
Der Eingang zum städtischen Warmbad in der Lichtstraße. Quelle: Sammlung Hentschel
Oschatz

Zusätzliche Badende kamen durch russische Kompaniegruppen von bis zu hundert Mann aus dem Kasernenbereich.

In deren Folge beantragten die langjährigen Badefrauen Arnold und Reschke einen männlichen Betreuer, um sich vor den Zudringlichkeiten der Armeenutzer zu schützen. Diese Betreuer, zu deren Aufgabe auch gehörte, Diebstähle zu verhindern, stellte das E-Werk. Auch die in der Freiherr-vom-Stein-Promenade ansässige Kreiskommandantur nutzte wöchentlich mit zwölf bis 20 Personen das Bad.

1952 verhandelten Betriebssportgemeinschaften mit den Stadtoberen, um künftig - ebenfalls geordnet - die Brauseeinrichtungen nutzen zu können. Im gleichen Jahr erbrachte das öffentliche Bad einen Gewinn von 193 Mark. Das erscheint wenig, ist aber dem niedrigen Eintritt geschuldet. 1955 gab es von Seiten der Stadtverwaltung einen ersten Entwurf zur Erweiterung des Bades. Vor allem auf Druck von Ärzten hin, die bemängelten, warum dem Bad nicht eine medizinische Abteilung angeschlossen werden kann.

1956 benutzten 34 000 Personen die Einrichtung. Diese Überbelastung führte zu großen Missständen mit kritischen Einwänden.

So standen zunächst technische Leitungsschäden in der Kritik, funktionierten Brausen nicht, fehlten durch Diebstahl Einrichtungen, die wertvolles Volkseigentum darstellten. Obwohl die diensthabenden Badefrauen der 1950er Jahre (Richter und Grohnert) versuchten, den Badebetrieb flott und gewissenhaft durchzuführen, waren sie zu jener Zeit damit oft überfordert.

Es kam gehäuft vor, dass Wartende zur Selbsthilfe griffen und Zeitüberschreitende regelrecht aus ihren Zellen herausklopften.

Welch Bild sich nach einer Badenutzung der Frauen bot, schien kaum glaubhaft, denn trotz vorhandener Toiletten, wurden wiederholt Zellen und Wannen verunreinigt. Überhaupt die Badefrauen: Sie hatten nicht nur zu reinigen, sondern den Badeablauf zu gestalten und zu überprüfen. Auch für die Kassierung und Abrechnung waren sie verantwortlich. Zur Seele des Bades wurde von der Öffentlichkeit die jahrzehntelang hier tätige Mariechen Richter gekürt. Sie war redegewandt, fleißig und besaß ein Maß an Fürsorglichkeit.

Hin und wieder gab es dafür eine Art Bückware-Anerkennung. Wie bereits zu früherer Zeit, bildete sich auch in der 1960er und 1970er Jahren ein Benutzerstamm heraus, der zu 70 Prozent aus Familien, Rentnern und Schülern bestand. Anstelle von Kasernen- und Schülergruppen waren nun Sportler angetreten, welche nach ihren Trainingszeiten und Sportereignissen mit Begeisterung dem Bade zustrebten.

Die Badegebühren waren für alle erschwinglich. So kostete ein 30-minütiges Wannenbad 0,30 Deutsche Mark und eine 20-minütige Brause 0,20 Deutsche Mark. Zu jeder Zeit war bei Familien und älteren Besuchern eine Wanne begehrter als eine Brause, die weitgehend von Schülern und Sportlern genutzt wurde.

In den 1980er Jahren mussten erste Einrichtungs- und Öffnungsreduzierungen hingenommen werden. Ursache war sowohl im Abnutzungsverschleiß, jedoch auch in einer bereits rückläufigen Nutzung zu suchen. Bereits 1990 sollte das Bad geschlossen werden, doch bei einer Stadtratssitzung waren die Befürworter für einen weiteren Erhalt des Bades in der Mehrzahl. Nachdem bisherige Verwaltungsrichtlinien nicht mehr griffen, wurde von der Stadtverwaltung ein neuer Betreiber gesucht, der im Mai 1991 mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) gefunden wurde.

Ein direkter Weiterbetrieb war jedoch unter neuen Voraussetzungen nicht gegeben, weil die Dampfversorgung durch die Filzfabrik vom E-Werk her nicht mehr gegeben und die bisher arg verschlissenen Einrichtungen dem künftigen Nutzer nicht mehr zumutbar gewesen wären. So wurde das Bad 1991 vorübergehend geschlossen. Von einem letzten Neubeginn ist im letzten Teil der Abhandlung zu erfahren.

Fortsetzung folgt

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