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Oschatz Heimatgeschichte: Kursbuch des Verkehrswesens
Region Oschatz Heimatgeschichte: Kursbuch des Verkehrswesens
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15:42 30.09.2013

Dieses Kursbuch ist wie ein kleines Stück örtlicher Geschichte und Zeitgeschichte. Es war das Jahr 1961, in dem am 13. August die Mauer errichtet und die Grenzen zwischen der DDR und der BRD, zwischen Ost- und Westberlin dicht gemacht wurden. Das Kursbuch 1960/1961 enthielt außer dem Fernverkehr zwischen der DDR und der BRD auch noch den gesamten S-Bahn-Verkehr in und um Berlin. Der Grund: Im Potsdamer Abkommen war festgelegt, dass der Deutschen Reichsbahn in ganz Berlin die Betriebsrechte für den Eisenbahn-Verkehr und damit auch für den S-Bahn gehörten.

Außerdem sind in diesem Kursbuch die von Lufthansa der DDR betriebenen Fluglinien im Bereich der DDR enthalten. Das waren die Verbindungen Berlin-Leipzig, Berlin-Dresden, Berlin-Eisenach, Berlin-Barth und Eisenach-Dresden. Mich interessiert in erster Linie der damalige Altkreis Oschatz. Altkreis deshalb, weil im Sommer 1952 die Länder in der DDR aufgelöst und Bezirke mit neu zugeschnittenen Kreisen gebildet worden waren. Seit dieser Zeit gehörten die in Sachsen im Jahre 1873 geschaffenen Amtshauptmannschaften (seit 1939: Landkreise) der Geschichte an.

Wie war unser Kreis Oschatz in jener Zeit mit der Bahn verbunden? Sehen wir uns mal die Zug-Verbindung Oschatz-Leipzig genauer an. Von Oschatz nach Leipzig verkehrten Personenzüge: ab Oschatz 4.23 (Ankunft in Leipzig-Hbf. 6.20) und ab Oschatz 7.04 (Ankunft Leipzig Hbf. 8.43). Wer von Leipzig nach Oschatz wollte, konnte nachmittags mit dem Personenzug ab Leipzig-Hbf. entweder 14.22 (Ankunft in Oschatz 16.24) oder 16.50 (Ankunft in Oschatz 18.28) reisen.

Und wer nachmittags mit dem D-Zug die 53,0 km von Leipzig nach Oschatz mit Halt in Wurzen fahren wollte, fuhr 17.54 in Leipzig ab und war 18.52 in Oschatz. Weil ja damals der Wilde Robert nach Mügeln noch verkehrte, bestanden von den drei genannten Ankunftszeiten in Oschatz zumindest an den Werktagen immer noch Anschlüsse nach Mügeln und Strehla. Für die 11,4 km lange Strecke Oschatz-Mügeln brauchte der Wilde Robert fast eine ganze Stunde. Wer mit der Kleinbahn von Oschatz nach Strehla fahren wollte, war von Oschatz mit Halt in Schmorkau, Zaußwitz, Kleinrügeln und Endstation Strehla auf der Strecke die 11,3 km ungefähr eine Dreiviertelstunde unterwegs. Während die Kleinbahn nach Strehla dort endete, bestand in Mügeln damals noch die Bahn-Verbindung nach Wermsdorf mit Halt in Altmügeln, Nebitzschen, Glossen, Gröppendorf und Mahlis und von Wermsdorf aus der Anschluss nach Neichen. Von Oschatz nach Mügeln fuhr die Kleinbahn ungefähr eine Dreiviertelstunde, von Mügeln nach Wermsdorf ungefähr 40 Minuten.

Um von Oschatz nach Neichen zu fahren, musste man für die 35,3 km lange Strecke beim Zug Nr. 1434 ungefähr 3¼ Stunde Fahrzeit einplanen; dieser Zug 13.49 ab Oschatz war auf dieser Strecke einer der wenigen mit durchgängigem Anschluss in Mügeln und in Wermsdorf. Diese Fahrzeiten sind nur ungefähre Werte, weil die Züge auf den Stationen unterschiedlich lange hielten.

Ergänzend sei hier hinzugefügt, dass damals die Strecke Leipzig- Dresden, die älteste deutsche Ferneisenbahnlinie, weder zweigleisig noch elektrifiziert war. Diese Folgen des 2. Weltkrieges wurden erst später überwunden. Einen Busbahnhof hatte Oschatz damals noch nicht. Wer mit dem Bus fahren wollte, hatte vor 53 Jahren nur wenige Möglichkeiten. So gab es im Kreis Oschatz nur folgende Busverbindungen. S 181 Dahlen-Wermsdorf-Grimma-Bad Lausick, S 801 Oschatz-Wermsdorf, S 917 Oschatz-Mügeln- Leisnig-Waldheim, S 966 Oschatz- Lampertswalde-Laas, S 981 Torgau- Sitzenroda-Schmannewitz-Dahlen-Oschatz und R 330 Dresden-Meißen- Oschatz-Wurzen-Leipzig.

Einiges zu den einzelnen Bus-Verbindungen vor 53 Jahren im Kreis Oschatz: S 181 Dahlen-Wermsdorf-Grimma-Bad Lausick. Der Bus hatte in Dahlen die Haltestellen Markt, Bergschlösschen und Bahnhof. In Luppa hielt er an der Poststelle und am Gasthof Raute. In Wermsdorf fuhr er die Haltestellen Hirschplatz und Bahnhof an. Hier, am Bahnhof, bestand dann die Möglichkeit, mit der Kleinbahn in Richtung Mügeln-Oschatz oder Neichen zu fahren.

S 801 Oschatz-Wermsdorf Die Linie begann am Oschatzer Hauptbahnhof und verkehrte nach Halt am Oschatzer Markt, am Gasthof Grüne Tanne (Ecke Wermsdorfer Straße/Wettiner Straße; abgerissen) und am Flugplatz, in Lampersdorf und in Mahlis (Gasthof sowie Waldweg), in Wermsdorf am Fasanenholz und am Hirschplatz. Die Strecke Oschatz - Wermsdorf wies in dieser Zeit den meisten Bus-Verkehr des Altkreises auf, denn hier verkehrten einige Busse auch am Wochenende beziehungsweise an Feiertagen.

S 917 Oschatz-Mügeln-Leisnig-Waldheim Eine gesonderte Bus-Linie Oschatz-Mügeln gab es damals noch nicht. Der Busverkehr mit Mügeln war eine Teilstrecke der Linie Oschatz-Waldheim. Diese Linie hatte in Oschatz vier Haltestellen: Bahnhof, Markt, HO-Café und Großtankstelle Kählert. Nächster Halt war Lonnewitz. Dort hielt der Bus an der Alten Schule, am Alten Zollhaus und an den Tonwerken. Nachdem der Bus in Naundorf die Haltestelle "Grauer Wolf" hinter sich gelassen hatte, hielt er in Schweta am Gasthof und am Bahnhof. In Mügeln gab es für diese Linie vier Haltestellen: Bahnhof, Markt, Wermsdorfer Straße und die bekannte Fabrik Lipsia. Dann fuhr der Bus im Kreis Oschatz weiter zu den Haltestellen Abzweigung Kemmlitz und Neusornzig und dann im Kreis Döbeln über Leisnig und Hartha nach Waldheim .Sonntags wurde die Strecke Oschatz-Mügeln nur einmal befahren, und zwar von dem 21 Uhr-Bus ab Oschatz, der jeden Tag verkehrte.

S 966 Oschatz-Lampertswalde-Laas Die Busfahrt begann am Rathaus. Der Bus fuhr dann die Stationen Bahnhof und Oschatz sowie Merkwitz Gasthof an und über Wellerswalde, Wellerswalde-Leisnitz, Lampertswalde Gasthof, Sörnewitz, Schöna und Cavertitz nach Laas, Abzweig nach Strehla. Sonntags verkehrte auf dieser Strecke kein Bus.

S 981 Torgau-Sitzenroda-Schmannewitz-Dahlen-Oschatz Die Linie Torgau-Oschatz (Markt) verkehrte damals bei den meisten Touren über Schildau. Lange Wege hatten die Einwohner von Ochsensaal beziehungsweise die Camper am Dammühlenteich. Da der Bus die Gemeinde noch nicht anfuhr, mussten die Einwohner und Urlauber etwa zwei Kilometer bis an die Haltestelle "Abzweig Ochsensaal" an der Straße Schmannewitz-Sitzenroda laufen. Werktags wurde die Strecke Torgau-Oschatz in jeder Richtung dreimal gefahren, sonntags einmal.

R 330 Dresden-Meißen-Oschatz- Wurzen-Leipzig. Die Bus-Linie Leipzig-Dresden verkehrte damals in jeder Richtung viermal täglich als KOM-Eilwagenverkehr. Das bedeutete, dass die Busse nicht an allen Haltestellen hielten. Haltestellen dieser Linie in unserem Kreis waren Wermsdorfer Forst, Luppa, Calbitz, Oschatz-HO-Cafe, Lonnewitz und die Wartehalle Reppen-Ganzig. Für die 56 km lange Strecke Oschatz-Leipzig Hbf. benötigte der Bus eineinhalb Stunden, für die 60 km Oschatz-Dresden, Wiener Platz (am Hauptbahnhof) fast zwei Stunden.

Werner Breitenborn

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