Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Heimatgeschichte: Ratsdiener zur Nachtzeit in Oschatz unterwegs

Heimatgeschichte: Ratsdiener zur Nachtzeit in Oschatz unterwegs

Die Große Kreisstadt Oschatz besaß vor langer Zeit eine Schutzmauer mit vier Stadttoren, von denen das Altoschatzer Tor am längsten gestanden hat.

Oschatz.

 

Wohl aus verkehrstechnischen Gründen wurden das Brüdertor (genannt nach den Franziskanerbrüdern, die unweit davon in der Brüderstraße ihr Kloster hatten), das Strehlaer Tor (am Ausgang der Strehlaer Straße) und das Hospitaltor (am Ausgang der Hospitalstraße) teilweise schon am Anfang des 19.Jahrhunderts abgerissen.

Der einstige, sehr lebhafte, Fracht- und Transportverkehr von Leipzig nach Dresden führte damals von der Leipziger Straße durch das Brüdertor - Brüderstraße - Altmarkt - Sporergasse - Neumarkt - Hospitalstraße durch das Hospitaltor. Das gilt auch in der Folgezeit (1837) für den Verkehr vom Bahnhof nach der Stadt; denn erst 1883 wurde der kürzere Weg zu den Märkten durch den Bau der Lutherstraße erschlossen. Der sehr bekannte Lehrer und Heimatfreund, Walter Käseberg, schrieb dazu 1958:

"Das Altoschatzer Tor wurde 1867 beseitigt. Wir müssen es uns in unmittelbarer Nähe des jetzigen Kettnerschen Grundstückes (Altoschatzer Straße 31) vorstellen, von wo sich ja noch ein Stück alte Zwingermauer bis zur Breiten Straße hinzieht. Der Durchbruch durch die Zwingermauer zur Rosmarinstraße mit dem sächsisch-polnischen Wappen ist neueren Datums.

Bei allen Stadttoren unterschied man ein inneres unter dem Torhause und ein äußeres, das - wohl aus Gründen einer wirkungsvolleren Verteidigung - nahezu rechtwinklig zu dem inneren stand. Deutlich erkennen wir die sich um die Stadt ziehende Ringmauer, deren Unterhalt der Stadt dauernd hohe Kosten verursachte und deren Bau bei einer Höhe von etwa vier Metern zurzeit ihrer Entstehung eine große bauliche Leistung darstellt. Ihr parallel läuft die Zwingermauer ebenfalls um die ganze Stadt. Die Namen "Kleiner Ratszwinger" und "Großer Ratszwinger" erinnern uns noch daran. Auch die Zwingermauern waren ehemals mit kleinen Rondeln und halbrunden Türmen zu Verteidigungszwecken versehen. Die Breite des Zwingers wird von Samuel Hoffmann (Stadtchronist) mit sieben Schritten angegeben.

Einen Teil des Zwingers, bei dem nicht mehr vorhandenen Pulverturm (im Süden der Stadt) benutzte die Tuchmacherinnung gegen Zins zu Rahmenstellen. Ein weiterer Teil des Zwingers zwischen Hospital- und Strehlaer Tor diente den Schützen zu ihren Schießübungen. In den Kämmereirechnungen tauchen dafür die Namen Schießhof, Schießgraben, Schützengraben und Armbrustschützengraben auf. Anno 1551 liest man sogar von einem Schießhaus im Zwinger. Erst 1605 wird es endgültig auf die Viehweide vor die Stadt verlegt.

Über und links neben dem Tor hatte der Röhrmeister seine Wohnung, für die er als Angestellter der Stadt - ihm unterstand die Wasserversorgung - keinen Mietzins zu zahlen brauchte. Rechts vom Tore befand sich seit der Einführung der Generalakzise (Verbrauchssteuer) in Oschatz (1701) die alte Torschreiberwohnung.

Vorher wohnte ein Ratsdiener dort, der neben anderen Diensten auch das Ein- und Auslassen der Einheimischen und Fremden zur Nachtzeit besorgte. Ein kleines Häuschen - die Beifrohnwohnung - bildete den Anschluss zu der 1547 erbauten Ratsfrohnfeste. Sie ist eines der wenigen Häuser der Stadt, das beide großen Stadtbrände (1616 und 1842) glücklich überstand. Die Frohnfeste gab der Frohngasse ihren Namen (die amtliche Schreibweise ist Fronfeste). Hinter dem inneren Tore führten zwei Zugänge zum Stadtgraben.

Fortsetzung folgt Siegfried Nowak

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oschatz
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

24.08.2017 - 06:49 Uhr

Der Fußball-Verband der Stadt organisiert 6500 Spiele pro Jahr. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer des Fußballverbandes der Stadt Leipzig Uwe Schlieder. 

mehr