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Heimatgeschichte: Restaurant und Mühle in Kreischa

Heimatgeschichte: Restaurant und Mühle in Kreischa

Die in der Nachbarschaft von Kreischa fließende Döllnitz legte sicher schon im Mittelalter den Gedanken nahe, das Wasser für eine Mühle zu nutzen.

Kreischa.

Eine aktenkundige Erwähnung belegt die Wassermühle 1838.

 

Von Dr. Manfred Schollmeyer

 

Zu dieser Zeit hatte sich wohl wegen der Wasserkraft in der Mühle eine "Wollgarn-Krempel- und Spinnfabrik" eingerichtet. Wann eine Schankwirtschaft erstmalig betrieben wurde, ist noch unklar. Dagegen ist belegt, dass seit 1878 die Schankwirte Brux, Voigtländer und Friede im Mühlengrundstück eine Schänke bewirtschafteten. Dann erwarb der Müller Emil Silbermann das Anwesen, baute 1887 ein neues Mühlen- und Seitengebäude, und auf seinen Bauzeichnungen findet sich auch ein Gastraum.

 

Der Mühlenbesitzer Emil Silbermann und spätere Bürgermeister von Altoschatz muss ein rühriger Zeitgenosse gewesen sein. Er erbaute auf seinem Grundstück für den 1902 in Kreischa entstandenen Turnverein "Deutsche Treue" eine Kolonnadenanlage, damit die Turner auch bei schlechtem Wetter ihrem Sport nachgehen konnten. Man darf aber sicher davon ausgehen, dass Emil Silbermann auch seinen Gasthof für den "Schluck" nach den gymnastischen Übungen offen hielt. Eine gute Fügung und ein Schelm, der dabei nicht an die geschäftlichen Interessen des Hausherrn denkt. Sein Ersuchen 1906, die Gastwirtschaft aus dem Hauptgebäude in einen Anbau an die Kolonnaden zu verlegen, wurde aber abgelehnt. Ein Konkursverfahren beendete 1914 die Geschäfte des Mühlenbesitzers und Gastwirtes Emil Silbermann.

 

Bevor Arno Preiß, ein Bruder des Limbacher Gastwirtes Ernst Preiß und des Oschatzer Cafébesitzers Kurt Preiß, das Grundstück 1927 kaufte, bewirtschafteten Friedrich Meyer und später Otto Knopf die Schankwirtschaft in der Mühle. Erwin Zosel kaufte 1931 das Grundstück von Arno Preiß und musste 1933 erleben, dass die "Sommerhalle", wie die Kolonnaden auch genannt wurden, baufällig geworden waren und einstürzten. Seine Bemühungen, gemeinsam mit dem Vorstand des Turnvereins "Deutsche Treue" einen Wiederaufbau zu ermöglichen, scheiterten an juristischen und finanziellen Hürden.

 

Mit der Eingemeindung von Kreischa und Saalhausen nach Thalheim 1936 änderte sich nicht viel für Kreischa, den "Ort im Schlupfwinkel", so die Deutung aus dem Sorbischen. Das Halteschild der Schmalspurbahn zeigte nun "Thalheim bei Oschatz" an, und Erwin Zosel bewarb seine Kunstmühle und Gaststätte mit den Worten "Herrliche, staubfreie Lage im Döllnitztal, schöner Familienaufenthalt". In den folgenden Kriegs- und Nachkriegsjahren gingen die Geschäfte sicher mehr schlecht als recht. Der technische Fortschritt im Mühlenhandwerk und die Veränderungen der Lebens- und Freizeitgewohnheiten der Menschen gingen auch an der "Gastwirtschaft und Mühle Kreischa" nicht spurlos vorüber. Die Schließung der Mühle und der Gaststätte kamen 1964, das Anwesen blieb bis heute im Besitz der Familie Zosel, aber seit der Eingemeindung nach Oschatz 1974 mit einer neuen Postanschrift.

Dr. Manfred Schollmeyer

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