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Heimatgeschichte: Schülerbrausebad und strickende Stammkundschaft

Heimatgeschichte: Schülerbrausebad und strickende Stammkundschaft

Das neue Warmbad war nach so langer Abstinenz für Oschatz ein Gewinn. Während die Bauleitung vom Stadtbauamt aus erfolgte, sind alle Installationen vom städtischen E-Werk ausgeführt worden.

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Skizze der Badeanstalt im ersten Jahrzehnt. Repro: Reiner Scheffler

Oschatz. Stolz waren auch die Bau-, Glas- und Tischlermeister Jesch, Claus und Ludwig sowie der Malermeister Finsterbusch, an dieser Einrichtung mitwirken zu dürfen.

Die gesamte Anlage ist modern, hell und freundlich und somit einladend hergerichtet. Vier gusseiserne emaillierte Badewannen und drei Brauseeinrichtungen sowie ein Schülerbad mit je zwölf Brausen nebst besonderen Auskleideräumen gehörte dazu, wobei letzteres aus Schulsicht besonders anerkannt wurde. Vorteilhaft war, dass der Zugang zum Schülerbrausebad von der Längsseite des Gebäudes erfolgte, so dass die Kinder den Korridor des Bades nicht betreten brauchten.

Das Bad erzielt von Anbeginn großen Zuspruch und die beiden Badefrauen Frieda Reschke und Vera Arnold hatten vollauf zu tun. Sie waren alsbald stadtbekannt und erfüllten ihre, wenn auch schlecht bezahlte, Arbeit mit Stolz.

1929 nahm das wasser- und dampfliefernde E-Werk die gegenüberliegende Badeanstalt unter eigene Regie. Direktor Caspar sorgte für längere Öffnungszeiten, auch sollte das Brausebad künftig nicht nur den Schülern, sondern auch den sportlich agierenden Vereinen zur Verfügung stehen. Erstaunlich ist, dass die bereits 1925 vom Stadtbauamt erarbeiteten Pläne, aus dem Reithaus ein Hallenbad zu machen, noch nicht vom Tisch waren.

Bereits 1931 wurden neue Wannen und 1935 neue Boiler von 1500 Liter Inhalt eingebracht, 1936 das Bad neu gefliest. Nach diesen Erneuerungen gab es im Einrichtungsbereich erste Änderungen, denn nun standen neun Wannen und 15 Brausen zur Verfügung.

Schon bald gab es eine Art Stammkundschaft, wo vor allem mehr weibliche als männliche badende Personen auftrafen. Auch empfanden die weiblichen Badegäste gegenüber den Männern die Wartezeiten kaum als Nachteil, denn ein mütterlicher Plausch, in welchen sich auch oft die Badefrauen mit einbrachten, gehörte einfach dazu. Oft war neben dem Badezubehör auch Strickzeug mit dabei.

Auch kristallisierte sich heraus, dass in den ersten Wochentagen weniger Badegäste kamen als zum Wochenende. Vor allem am Freitag herrschte oft stressiger Andrang. Trotz dieser Erfolge gab es nicht wenige kritische Einwände. So standen sowohl die inzwischen erhöhten Preise als auch die Badefrauen selbst in der Kritik, weil sie die eigenen Baderichtlinien nicht immer befolgten und die an den Badezellen angebrachten Sanduhren nicht immer exakt bedienten.

Während der 1940er Jahre gab es Anordnungen, wonach einige Richtlinien der Badeordnung außer Kraft gesetzt wurden. So hatten Armeeurlauber Vorrang, mussten Störungen in der Strom- und Dampfversorgung hingenommen werden. Vom Badebetrieb in den Nachkriegs- und sozialistischen Folgejahren, ist in der nächsten Abhandlung zu lesen.

Fortsetzung folgt Reiner Scheffler

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