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Heimatgeschichte: Sich selbst vor den Pflug spannen

Heimatgeschichte: Sich selbst vor den Pflug spannen

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) wurde auch die Stadt Dahlen sehr in Mitleidenschaft gezogen. "Ein Großfeuer, das am 29. Juli 1619 infolge 'Verwahrlosung' - wie sich der Chronist ausdrückt - entstanden war" und das 40 Häuser in Schutt und Asche gelegt hatte, leitete die nun folgenden zahlreichen Verwüstungen in Dahlen ein.

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Das Schloss Dahlen mit Terrasse. Repro: Siegfried Nowak

Oschatz. Oschatz. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) wurde auch die Stadt Dahlen sehr in Mitleidenschaft gezogen. Aus einer Veröffentlichung von Josef Fritzscher im Heimatkalender von 1962 erfahren wir das nachfolgend Geschilderte:

"Ein Großfeuer, das am 29. Juli 1619 infolge 'Verwahrlosung' - wie sich der Chronist ausdrückt - entstanden war" und das 40 Häuser in Schutt und Asche gelegt hatte, leitete die nun folgenden zahlreichen Verwüstungen in Dahlen ein. Aus einem damaligen Zeitbericht ist zu entnehmen, dass die "Asche-Flocken bei diesem Feuer über den Collm bis nach Mügeln getrieben" worden seien.

Das dürfte zwar etwas übertrieben sein, lässt aber darauf schließen, dass es sich um ein Großfeuer von beträchtlichen Ausmaßen gehandelt haben muss. Zu Beginn des Krieges blieb Dahlen zunächst von direkten Kriegshandlungen verschont. Das änderte sich aber, als im Jahre 1631 der Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, nach der Zerstörung von Magdeburg durch die Truppen der Liga unter Tilly, sich der Union anschloss. Im gleichen Jahr brach zudem in Dahlen noch ein weiteres Mal die Pest aus, wodurch die Hälfte der Bevölkerung - 563 Personen - hinweggerafft wurden.

Die ersten feindlichen Truppen, die Dahlen sah, waren 1632 die Kroaten - ein Teil des Heeres der Union. Nachdem sie das Erzgebirge und das Vogtland verwüstet hatten, kamen sie auf ihrem Marsch nach Leipzig im Oktober 1632 plündernd und sengend auch durch Oschatz und Dahlen. Die meisten der Einwohner Dahlens hatten sich, infolge der Schreckensbotschaft, die den Truppen vorausgegangen war, nach dem befestigten Torgau und zum Teil sogar über die Elbe geflüchtet. Gleich bei der ersten Plünderung Dahlens in diesem Krieg wurde auch das damalige Rittergut zerstört, das allerdings bereits 1635 wieder aufgebaut wurde. Nachdem nun Sachsen 1631 in den Krieg eingetreten war, brauchte der Kurfürst für sein Heer Geld, so dass er Dahlen 1632 für 25 000 Reichstaler an den Geheimen Kammerrat Dr. David von Döring verkaufte, in dessen Geschlecht es bis 1725 verblieb. Das neue Herrenhaus, welches Döring 1635 nach der Zerstörung erbauen ließ, stand an der Stelle, wo sich heute das Schloss befindet. Es war ein einfacher Fachwerkbau, der 108 Jahre stand, bis Heinrich von Bünau das jetzige "Schloss" errichten ließ.

Die Plünderungen im hiesigen Gebiet 1632 waren deshalb den kaiserlichen Truppen ohne jeden Widerstand möglich, weil sich 1631 der Kriegsschauplatz infolge der Niederlage Tillys bei Breitenfeld nach dem Westen verlagert hatte. Die nächsten Jahre waren für Dahlen verhältnismäßig ruhig, bis im Jahre 1635 das Städtchen wiederum von feindlichen Truppen verwüstet und ausgeplündert wurde. Die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg hatten nämlich nach dem Tode Wallensteins im Jahre 1634 mit dem Kaiser einen Sonderfrieden in Prag geschlossen. Damit wurde nun aber das einstmals verbündete Schweden zum Gegner Sachsens und Brandenburgs. 1635 setzten daher die Schweden unter General Banner bei Torgau über die Elbe, überfluteten einige Jahre unsere Heimat und besetzten unter anderem auch Dahlen.

Überall wurde nun geplündert, gesengt, gebrandschatzt und gemordet. Von der Bevölkerung wurde nicht nur das Geld bis auf den letzten Heller erpresst, sondern auch das gesamte Vieh und Getreide weggeführt, so dass, nach Angaben eines Zeitgenossen, "niemand mehr ein Stück Brot verblieb." Diese Plünderungen und Kontributionen dauerten bis 1637, als die Schweden Torgau wieder räumen mussten. Viele Einwohner waren nun gezwungen, da sie kein Dach mehr über dem Kopfe hatten, die Felder verwüstet und das Vieh getötet war, mit einem Schubkarren in der Hand, auf dem das letzte Hab und Gut aufgeladen war, diese Stätte des Grauens zu verlassen. Die übrige Bevölkerung musste sich selber vor den Pflug spannen, was der Stadtrat in einer Bittschrift an den Kurfürsten im Jahre 1654 ausdrücklich bezeugte.

Nicht besser wurde es, als nach dem Abzug der Schweden diesen die kaiserlichen und nunmehr "verbündeten" Truppen nachfolgten. Auch diese hausten hier in Dahlen wie im Feindesland.

Fortsetzung folgt Siegfried Nowak

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