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Heimatgeschichte: Staatliche Entschädigung für Zivilquartiere

Heimatgeschichte: Staatliche Entschädigung für Zivilquartiere

Im September des Jahres 1912, vor genau 100 Jahren, war die Gegend um Oschatz Schauplatz eines besonderen Großereignisses, des sogenannten "Kaisermanövers".

Region.

 

Von Marcus Büttler

 

 

Die Kaisermanöver fanden im deutschen Kaiserreich seit den 1880er Jahren jährlich statt und waren, anfangs nur eher bescheidenen Umfangs, später eine Groß-Manöverübung der gesamten deutschen Armee.

 

Für die Zeitgenossen im In- und Ausland bildeten sie die Grundlage zur Beurteilung der Kampfkraft des deutschen Heeres im Bezug auf Taktik, Bewaffnung und Ausbildung. Nach starker Kritik am Kaisermanöver - besonders aus dem Ausland - sollte nun der Weltöffentlichkeit gezeigt werden, dass auch die deutschen Militärdoktrin moderne Elemente aufnehmen konnten und keinesfalls ausschließlich an veralteten Methoden festhielten.

Als Mittelpunkt des Manövers wurde die Oschatzer Amtshauptmannschaft ausgewählt, wobei auch die umgebenden Amtshauptmannschaften als Aufmarsch- und Einquartierungsraum mit einbezogen waren. Die Manöverleitung befand sich in Mügeln. Zusätzlich dazu wurde nördlich von Berntitz in einer Waldeinbuchtung ein komplettes Barackenlager errichtet, um Führungs- und Stabspersonal unterzubringen. Für eine Übernachtung des deutschen Kaisers wurde dort sogar eine aus Fertigteilen bestehende Spezialunterkunft aufgebaut.

Insgesamt nahmen über 125 000 Mann an dem Manöver teil, aufgestellt in 36 Infanterieregimentern, dazu siebeneinhalb selbstständige Bataillone, 22 Maschinengewehrabteilungen, 33 Kavallerieregimente, 18 Feldartillerieregimente, zwei Luftschiffe, vier Fliegerabteilungen mit zusammen 24 Flugzeugen, dazu noch Telegrafen-, Nachrichten- und Fernsprechabteilungen, Luftabwehr, Pioniere, der Wagenpark des freiwilligen Automobilkorps, sowie auf der Elbe Boote des Motorjachtklubs Deutschland. Den Einheiten wurden unabhängige Schiedsrichter zur Beurteilung der Gefechte beigegeben, geschossen wurde mit Platzpatronen und Leuchtraketen.

Bei größeren Gefechten war der deutsche Kaiser, dank eigener Automobilkolonne mobil, persönlich anwesend, um selbst urteilen zu können. Das Ganze erforderte einen enormen logistischen Aufwand, angefangen vom Transport der Truppen und des Geräts in das Manövergebiet, bis hin zur Versorgung und Einquartierung in Zivilquartieren. Für Letzteres gab es allerdings eine staatliche Entschädigung.

Die angenommene Kriegslage war die Folgende: Eine blaue Armee marschiert von Westen, nachdem dort ein anderer Gegner entscheidend geschlagen worden ist, mit Verzögerung auf und hat zunächst nur Reserveeinheiten im Manövergebiet. Gleichzeitig marschiert von Osten her eine gegnerische rote Armee auf und versucht mit ihrer Hauptstreitmacht die Elbe zu überschreiten. Rot wurde durch General der Infanterie von Bülow, Kommandeur des preußischen 3. Armeekorps. Blau durch Generaloberst Freiherr von Hausen, Kriegsminister Sachsens, geführt.

Es war strengste Geheimhaltung aller Vorgänge angeordnet, da diesmal kein vorab festgelegter Gefechtsplan bestand um eine Kriegsmäßigkeit des Manövers sicherzustellen. Aufklärung sollte durch Kavallerie, sowie Luftaufklärung durch Zeppeline und Flugzeuge erfolgen. Aus dem Ausland waren Militärattachés und Beobachter aus Argentinien, Bulgarien, Brasilien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich, Peru, Rumänien, Russland, Schweden, Siam, Spanien, der Türkei und den Vereinigten Staaten von Amerika anwesend. Außerdem war natürlich auch die Bevölkerung als Zuschauer zugelassen, allerdings unter strengen Auflagen und Aufsicht durch Polizei und Feldgendarmerie um Unfälle und Behinderungen zu vermeiden.

Das Manöver begann nach langer Vorbereitung am 9. September. Das Wetter war trüb und regnerisch. Nach einem Motorbootgefecht auf der Elbe gelang es Rot, erste Truppen über die Elbe überzusetzen. Die schwachen blauen Reservekräfte zogen sich zurück. Am 10. September war das Wetter unverändert schlecht, doch brachte dieser Tag die ersten größeren Gefechte. Starke rote Kräfte bestehend aus Kavallerie und Jägern stießen auf Nasenberg vor. Um diesem Vorstoß zu begegnen startete Blau mit Artillerieunterstützung aus dem Bereich Rochzahn-Salbitz einen Gegenangriff, der allerdings abgewiesen wurde. Anschließend ging wiederum Rot zum Angriff gegen die blaue Stellung vor Hohenwussen über. Nach heftiger Gegenwehr, aber durch Einschließung bedroht, musste Blau schließlich seine Stellung aufgeben. Der Kaiser war mit seinem Stabspersonal und Gästen während des gesamten Gefechts anwesend. Blau konnte jedoch nach dieser Niederlage doch noch einen Erfolg erringen, denn es gelang mit Artillerieunterstützung den Liebschützberger Höhenzug einzunehmen und zu halten. Die roten Truppen setzten weiterhin über die Elbe, während die Hauptstreitmacht von Blau Wurzen und Grimma erreicht hatten.

Zum 11. September begann sich das Wetter zu bessern. Zur Aufklärung wurden von beiden Seiten im Elbraum Luftschiffe und Flugzeuge eingesetzt. Gleichzeitig wurden bei Riesa und Niederlommatzsch durch Rot zwei Pionierbrücken über die Elbe fertig gestellt. Beide Seiten beschränkten sich an diesem Tag auf Aufklärung und Heranführung weiterer Truppen. Der 12. September begann zunächst nebelig, später herrschte jedoch "Kaiserwetter". Das Manöver trat nun in seine entscheidende Phase. Der Kaiser kam durch Oschatz und stieg in Lonnewitz auf sein Pferd um. Zunächst zeichnete sich eine große Truppenkonzentration durch Rot bei Ganzig am Blauen Berg ab und die Liebschützberger Höhe wechselte in leichten Gefechten mehrfach den Besitzer. Dann begann die "Schlacht bei Oschatz". Die Hauptstreitmacht von Blau hatte in Eilmärschen die Linie Hubertusburg-Zeuckritz erreicht und ging nun mit Schwerpunkt nördlich von Oschatz zum Angriff über. Rot musste sich nach harten Kämpfen langsam auf Lonnewitz zurückziehen, Blau schien unaufhaltsam im Vormarsch.

Erst ein roter Entlastungsangriff aus Richtung Leuben konnte den völligen Rückzug abwenden. Die Stellungen erstarrten in der Linie Leckwitz-Terpitz-Oschatz-Saalhausen-Berntitz-Bockelwitz, der Kaiser übernachtete an diesem Abend im Barackenlager bei Berntitz.

Die Entscheidungsschlacht schien kurz bevorzustehen und der 13. September sollte sie auch bringen. Am frühen Morgen, bei starkem Nebel begann Blau einen Großangriff auf den Raum nördlich von Oschatz, zunächst erfolgreich, Rot geriet zunehmend in Bedrängnis.

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