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Heimatgeschichte: Tägliche Milchmenge erheblich vergrößert

Heimatgeschichte: Tägliche Milchmenge erheblich vergrößert

Durch den schon beschriebenen Umbau 1913 erfolgte eine Erneuerung und Vergrößerung der technischen Anlagen, denn inzwischen hatte sich die tägliche Milchmenge auf 20 000 Liter erhöht.

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Sechster Separatorenraum mit Milcherhitzer. Repro: Siegfried Tietze

Quelle: Privat

Für den Versand von Milch und Rahm (Sahne) wurde eine moderne Dauererhitzungsanlage eingebaut, dadurch konnte man 3000 Liter Milch pro Stunde auf 63 Grad Celsius über 30 Minuten erhitzen. Mit diesem neuen Verfahren verlor die Milch den Kochgeschmack, war keimfrei, behielt ihren Rohmilchcharakter und konnte so in die Großstädte geliefert werden. Zugleich wurden zwei neue Zentrifugen mit je 3000 Liter Stundenleistung eingebaut.

 

Die Holsteiner Butterfässer wichen einem kombinierten Butterfertiger (Astra Type K, Inhalt 4000 Liter) mit ein- und ausfahrbaren Knetwagen. Im ersten Stockwerk wurden fünf isolierte Milchbehälter zu je 2000 Liter und ein großer Flächenkühler mit 8000 Liter Stundenleistung aufgestellt. Im Jahre 1915 gab es weitere Erneuerungen. Zwei neue Alfa-Separatoren mit Schneckenantrieb wurden gekauft und zur Verbesserung der Hygiene und Sauberkeit alle Betriebsräume weiß gefliest. Ein neues Labor kam in den ersten Stock. Es war so ausgestattet, dass nun die Milch und alle Erzeugnisse untersucht werden konnten, damit war eine lückenlose Kontrolle im Betrieb gegeben.

 

Die Geschäftsleitung: Dass die Molkereigenossenschaft Mügeln seit ihrer Gründung 1898 so eine gute Entwicklung nehmen und im Jahre 1923 ihr 25- jähriges Bestehen feiern konnte, ist den Vorstandsmitgliedern, dem Aufsichtsrat und der Geschäftsleitung zu verdanken, die alle immer ihren Aufgaben voll und ganz gerecht geworden sind. Außer den schon genannten Personen haben in den vergangenen 25 Jahren dem Vorstand die Herren Naumann aus Baderitz und Wolf aus Schrebitz angehört, und im Aufsichtsrat waren Herr Müller aus Grauschwitz, Herr Kratzsch aus Zävertitz und Herr Hempel aus Oberlützschera.

 

Seit der Generalversammlung im Jahre 1923 waren Herr E. Müller aus Grauschwitz, G. Gasch aus Döhlen, A. Kratzsch aus Zävertitz, B. Eulitz aus Pulsitz und G. Bennewitz aus Oberwutzschwitz im Vorstand und im Aufsichtsrat die Herren Ökonomierat A. Uhlemann aus Mügeln, Ökonomierat F. Rockstroh aus Schweta, W. Müller aus Töllschütz, M. Richter aus Jahna, K. Kühne aus Goldhausen und H. Kaestner aus Rosenthal.

 

Die Leitung des Betriebes sollte von Anfang an ein tüchtiger und bewährter Fachmann übernehmen. Für den Vorstand war es nicht leicht, einen geeigneten Leiter zu finden. Die Herren Heilig und Seeck waren die ersten Geschäftsführer der Molkereigenossenschaft Mügeln.

 

Am 1. Juni 1902 übernahm Herr G. Hameister die Leitung des Betriebes. Durch seine gute fachliche Ausbildung und kaufmännisches Geschick entwickelte sich das Unternehmen ständig weiter. Nur einige wichtige Strategien der Geschäftsführung seien hier kurz erwähnt. Schon 1898 wurden Verträge für Butterlieferungen an die Landesanstalten Wermsdorf und Hochweitzschen abgeschlossen, die damals für das Kilogramm Butter 2,45 Mark bezahlten.

 

Nachdem in Mügeln bereits im Jahre 1900 eine Verkaufsstelle für Molkereierzeugnisse entstanden war, eröffnete die Genossenschaft eine weitere in Oschatz. Dazu erteilte der Rat der Stadt Oschatz am 6. Dezember 1900 die Genehmigung.

 

Das Eintrittsgeld in die Genossenschaft hat sich ständig erhöht. Von anfangs 45 Mark, später 90 Mark, sind es 1902 schon 500 Mark je Geschäftsanteil.

 

Außerdem gab es beim Eintritt nun eine Bedingung: Jedes eintretende Mitglied musste täglich mindestens 80 Liter Milch anliefern. Ab 1903 erhöhte sich das Eintrittsgeld auf 650 Mark, 1904 auf 750 Mark, 1908 auf 800 Mark und 1909 auf 1000 Mark. Nach einem späteren Beschuss wurde nach 1923 kein Eintrittsgeld mehr erhoben. Auch die Haftungssumme wurde von 1000 Mark auf 3000 Mark erhöht und später auf 6000 Mark. Der Geschäftsanteil wurde in der 25. Generalversammlung auf 25 000 Mark festgesetzt.

 

Da viele Mitglieder ihre zurückgenommene Mager- und Buttermilch weiter verkauften, machte sich 1905, im Paragraf 48 der Geschäftsordnung, ein Zusatz diesbezüglich notwendig. Die Mitglieder wurden verpflichtet, die zurück genommene Mager- und Buttermilch nur im eigenen Landwirtschaftsbetrieb zu verwenden, mit Ausnahme von Deputat für eigene Arbeitskräfte

 

.

 

Der Erste Weltkrieg: Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 machten sich Umstellungen im Betrieb notwendig. Der Handel von Kaffee- und Schlagsahne hatte sich als eine Mügelner Spezialität bewährt und fand an vielen Orten regen Absatz. Diese Lieferungen musste der Betrieb während des Krieges einstellen. Frischmilch musste aber weiter in die Großstädte geliefert werden. Seit dem Kriegsausbruch ging die tägliche Milchanlieferung erheblich zurück, dafür gab es verschiedene Ursachen. Zuerst fielen Futtermittelimporte aus dem Ausland weg. Auch der Zukauf von Milchvieh aus den Zuchtgebieten stagnierte, so dass hier das übliche Abmelksystem beeinträchtigt wurde. Durch die Beschlagnahme von Schlachtvieh ging in den späteren Kriegsjahren die Milchanlieferung noch weiter zurück.

 

Als das Angebot von Margarine und anderen Fetten zurückging, wurde der Buttermangel noch spürbarer. Das führte zu einer Zwangswirtschaft und zur Festsetzung bestimmter Preise für Milch und Milcherzeugnisse. Schließlich legten die Behörden fest, welches Geschäft oder welcher Abnehmer, mit welchen Mengen von der Molkerei beliefert werden mussten.

 

Weil der Milchpreis damals sehr niedrig gehalten wurde, verarbeiteten viele Bauern ihre Milch zu Hause, und die Butter verschwand im Schleichhandel. Die Kontrollbehörde konnte das auch nicht unterbinden, sie war unterbesetzt. Im Zuge dieser Zwangswirtschaft wurde der Molkerei Mügeln die gesamte Sammel- und Verteilerfunktion für Butter und Quark im Gebiet der Amtshauptmannschaft Oschatz übertragen. Fortsetzung folgt

 

Siegfried Tietze

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