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Heimatgeschichte: Vier D-Mark für eine halbe Stunde in der Wanne

Heimatgeschichte: Vier D-Mark für eine halbe Stunde in der Wanne

Obwohl bereits 1991 zuerkannt, kam zwischen der Oschatzer Stadtverwaltung und dem Deutschen Roten Kreuz erst am 1. Juli 1993 ein Überlassungsvertrag zu Stande.

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Dieses Gebäude beherbergte nach dem Apparate-Raum des Gaswerkes 70 Jahre die öffentliche Badeanstalt unserer Stadt.

Quelle: Reiner Scheffler

Oschatz. Das Warmbad ruhte nicht lange, denn innerhalb zweier Monate wurde in den bisherigen Räumlichkeiten mächtig gewerkelt. So mussten alte Leitungen entfernt, Inventar beseitigt und neue Anlagen installiert als auch eingerichtet werden. Vor allem die Wärmetechnik GmbH, aber auch zahlreiche ABM-Kräfte legten hand an, damit die hygienischen Bedingungen erfüllt werden konnten. Durch finanzielle Spenden halfen die Partnerstädte Blomberg und Filderstadt sowie Vereine für soziale Zwecke. Ein wesentlicher Gewinn für das Bad war, dass es erstmals völlig unabhängig betrieben wurde, denn die Wasserzubereitung erfolgte in einem Heizraum in Eigen- versorgung.

Am 20. Februar 1992 wurde das völlig renovierte Warmbad mit öffentlichem Wohlwollen wieder eröffnet. Ab diesem Zeitpunkt standen den künftigen Nutzern wieder drei Wannen und drei Brausen zur Verfügung. Als Besonderheit muss erwähnt werden, dass ein Teil der Einrichtungen behindertengerecht ausgeführt wurde. Ein Wannenbad kostete nun zwei Deutsche Mark (DM), eine Brause 1,50 DM. Zu späterer Zeit wurden die Preise immens angehoben. So musste man ab 1995 bereits vier DM für eine halbe Stunde in der Wanne berappen. Geöffnet war das Warmbad donnerstags und freitags von 11 bis 17 Uhr.

Betreut wurde die Einrichtung zunächst von Gertrud Dietrich und ab 1995 von Traudel John nebst ihrer Vertretung Heidrun Seidenglanz. Anfangs erfreute sich das Bad vor allem bei alleinstehenden älteren als auch bei behinderten Personen einiger Beliebtheit. Sportler und Schüler gelangten, wie einst Gruppen, nicht mehr zum Bade. Erstaunlich war, dass inzwischen mehr Duschen als Wannen genutzt wurden. Schon bald war erkennbar, dass dem Badebetrieb immer mehr bisherige Stammnutzer fern blieben. Die enorme Anzahl eigener Badeeinrichtungen, aber auch die neuen Seniorenheime waren Ursache für diesen Trend.

Mit wenigstens 80 Personen pro Tag wäre der Badebetrieb rentabel gewesen. Doch bei nur 10 bis 15 Interessenten konnten die Betriebskosten der Einrichtung nicht mehr gedeckt werden. Schließlich war das Bad nur noch freitags geöffnet. Im Oktober 1996 sahen sich die Betreiber, wenn auch unter großem Bedauern, gezwungen, das Bad zu schließen.

70 Jahre hatte die Stadt Oschatz ein öffentliches Warmbad, um das einst so hart gerungen wurde. Doch die Zeitgeschichte zeigt, dass heute eine eigene Bademöglichkeit einfach zur Zivilisation gehört.

Reiner Scheffler

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