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Heißes Eisen: Rechte in der Wehr

Heißes Eisen: Rechte in der Wehr

Sie sind in vielen Orten der größte Zusammenschluss: Bei den Feuerwehren treffen sich Schreibtischarbeiter wie Handwerker, Junge und Alte - und auch Rechte? Könnte sein, meint der Landesverband und will seine Mitglieder dafür sensibilisieren und für demokratisches und tolerantes Handeln stärken.

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Die Feuerwehren sind oft Mittelpunkt im Ort - das zieht auch rechte Kräfte an. Hilfe finden betroffene Wehren jetzt beim Landesverband.Montage: Dirk Hunger

Region Oschatz. Von Jana Brechlin

 

 

 

"Dafür muss man die Augen öffnen", fordert Mike Brendel. Er ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele und bei der Jugendfeuerwehr des Landesverbandes für das Projekt "Handeln bevor es brennt" zuständig. Das Ziel sei - einfach gesagt - nicht nur Feuer löschen, sondern auch Extremismus vorbeugen, fasst Brendel zusammen.

Dass rechtes Gedankengut bis in die Wehren vordringen kann, ist für ihn nur logisch. "Wir konnten doch alle feststellen, dass die NPD mancherorts relativ hohe Wahlergebnisse erreicht hat. Und die Feuerwehren sind in vielen Dörfern der einzige Anlaufpunkt, dort trifft sich ein Querschnitt der Bevölkerung - da ist es klar, dass da auch NPD-Wähler und Sympathisanten dabei sind", macht er deutlich.

Viele Verantwortliche wüssten nicht, wie sie damit umgehen sollen, hat Mike Brendel erfahren. "Der erste Schritt ist immer, überhaupt zu akzeptieren, dass es solche Köpfe in der Wehr gibt - und dann darüber sprechen", rät Mike Brendel.

Auch der Kreisfeuerwehrverband Torgau-Oschatz will die Augen davor nicht verschließen. Das wurde zur jüngsten Sitzung des Verbandsausschusses betont. Dort hatte Karsten Saack vom Landesverband Informationsmaterial zum Projekt "Handeln bevor es brennt" verteilt. Dazu gehörte auch eine Liste mit bei Rechten beliebten Kleidermarken und Symbolen. "Guckt euch das an. Ich kannte davon auch vieles noch nicht", empfahl er.

"Da muss man schon einschreiten", sagt Mike Brendel bei der Verwendung diverser Symbole. "Es kann nicht sein, dass es heißt' der und der ist zwar ein Nazi, aber er kommt regelmäßig zum Dienst. Also lassen wir den in Ruhe, auch wenn er immer eine Thor-Steinar-Klamotte anhat", sagt er nachdrücklich. Beim Landesverband könnten Feuerwehrleute mit derartigen Erfahrungen Ansprechpartner finden und Tipps erhalten, wie mit solchen Kameraden umzugehen ist. "Wir müssen ganz klar sagen: Wer bei uns mitmachen will, muss sich an unsere Linie halten", so Brendel.

Dabei klingt das einfacher als es ist. Am Bequemsten ist es schließlich, das Thema totzuschweigen. "Das ist ein wunder Punkt", weiß auch Karsten Saack. Die Feuerwehren seien schließlich akzeptierter Mittelpunkt im Dorf und deshalb auch für rechte Kräfte anziehend. "Dazu kommt noch, dass es durchaus einige Parallelen gibt: Wir sprechen uns auch mit Kameraden an und sind durch die Uniform einheitlich gekleidet", beschrieb Frank Reichel, Vorsitzender des Kreisverbandes. "Das in Torgau-Oschatz darüber so offen gesprochen wird, ist gut. Darüber bin ich wirklich froh", reagiert Mike Brendel. Es gebe immerhin 1000 Jugendfeuerwehren und 2500 Feuerwehren in Sachsen. "Stammtischparolen fallen ganz schnell, wir sind da nichts Besonderes", meint er. Mit dem Projekt "Handeln bevor es brennt" setze man vor allem auf Prävention und wolle den Feuerwehrleuten Ansprechpartner vermitteln, wenn Beratungsbedarf besteht. "Wir müssen zeigen, dass wir eine tolle Jugendarbeit leisten, bei der so viel geboten wird, dass niemand rechten Bauernfängern folgen muss", nennt Mike Brendel ein wichtiges Ziel. Die Gefahr, von NPD-Anhängern unterwandert zu werden, sieht er aber nicht. Dazu sei die Ausbildung zu zeitaufwendig. "Das dauert, da ist man nicht sofort dabei", begründet er.

-Standpunkt

 

www.jf-sachsen.de

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