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Oschatz Herr der Ringe nimmt Mügelner Jungstörche in die Zange
Region Oschatz Herr der Ringe nimmt Mügelner Jungstörche in die Zange
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20:00 05.07.2016
Der ehrenamtliche Mitarbeiter der Vogelwarte Hiddensee Steffen Müller beringt die vier Jungstörche in Mügeln. Quelle: Sven Bartsch
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Mügeln

Als der große Laster auf den Hof in der Döbelner Straße in Mügeln einbiegt, sind die vier Jungstörche noch weit oben auf ihrem Horst – der 36 Meter hohen Varia-Esse. Ihre Eltern fliegen in regelmäßigen Abständen zu ihnen, versorgen sie mit Nahrung. „Die Störche sind im Mai geschlüpft. Sie müssen beringt werden, bevor sie flügge werden und ihre ersten Flugversuche unternehmen“, sagt der Mügelner Bezirksschornsteinfeger Hans-Jürgen Höhne.

Die vier Vögel hätten sich gut entwickelt. Selbst das Sorgenkind, der Nachzügler, sei in der letzten Zeit gut gewachsen. Das konnte nicht nur Hans-Jürgen Höhne beobachten, sondern alle, die auf der Internetseite des Mügelner Heimatvereins die Live-Übertragung aus dem Storchenhorst verfolgt haben. Denn hier ist es seit Mitte April möglich, das Treiben auf dem Horst mitzuerleben. Dafür wurde extra eine Kamera aufgestellt und eine leistungsfähigere Internetverbindung ermöglicht. „Ja, der Kleine hat sich durchgeboxt. Anfangs waren es fünf Eier. Eines war jedoch nicht befruchtet. Doch vier Jungstörche sind eine sehr gute Zahl. Meistens sind es zwei oder drei“, sagt Mügelns Storchenbeauftragter Bernhard Sommer.

1998 nisteten zum ersten Mal Störche in Mügeln, seit 2000 dann jährlich an besagtem Standort. Und nun sollen auch die vier Jungstörche aus diesem Jahr gekennzeichnet werden. Das erledigt der Herr der Ringe – Steffen Müller aus Erlau, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelwarte Hiddensee. In den vergangenen 40 Jahren hat er etwa 20 000 Vögel beringt. Hier vor allem Greifvögel und Eulen. Das Beringen von Störchen macht er seit 2010.

Ring ist Personalausweis für Vögel

„Die Beringung dient speziellen Forschungszwecken. Das Datenmaterial ist für Behörden und den Staat sher interessant. Der Ring ist wie ein persönlicher Personalausweis für Vögel. Durch diese Aktion kann jungen Menschen die Natur näher gebracht werden. Das ist natürlich besser als durch das Fernsehen“, betont er. Bedauert jedoch auch, dass auf Grund des großen Aufwandes der Beringung – im Jahr ist er rund 8000 Kilometer unterwegs – und auf Grund seiner Arbeit für den Naturschutz, für die es keine finanzielle Unterstützung gäbe, leider kein Nachfolger in Aussicht sei.

Doch Steffen Müller lässt sich von diesem Gedanken nicht davon abhalten, seinem Ehrenamt nachzugehen. Seine volle Konzentration liegt bei den vier Jungstörchen auf dem Horst. Sorgfältig nimmt er die Ringe aus dem Kasten. „Das ,Germania’ steht für Deutschland. ,AH’ verrät, dass es sich um einen Storch aus dem Großraum Leipzig handelt. Die Störche bekommen die Nummern 27, 28, 29 und 30“, erklärt Steffen Müller die Ringe und bedankt sich bei all den Anwesenden für ihre ehrenamtliche Unterstützung. Denn ohne diese wäre eine solche Arbeit nicht machbar. So geht es also mit einem Hubsteiger der Firma Gardemann in die Höhe. Hans-Jürgen Höhne hatte erst einen Tag zuvor einen passende Kiste organisieren können, die mit Stroh ausgelegt wurde. Am Horst angekommen, nehmen sie einen Storch nach dem anderen heraus und setzen ihn in die Kiste.

Störche stellen sich tot – das ist ganz normal

„Alle vier haben sich dabei nicht bewegt. Sie stellten sich tot. Das ist für Störche ein ganz normales Verhalten“, sagte der Storchenbeauftragte. Dann geht es wieder nach unten. Hier wurden sie von Steffen Müller oben am Bein beringt. Die Kinder aus der Grundschule in Neusornzig sowie einige andere Leute, die über das Internet davon erfahren hatten, hatten zusammen über 40 Namensvorschläge für die vier Vögel geliefert. So erhält der Storch mit der Nummer 27 den Namen Luc, Namenspatron ist Justin Rink. Storch Nummer 28 heißt nun Louis, der von Angela Lobe benannt wurde. 29 ist die Emma von Anna-Clara Wadewitz und 30 die Luna von Vivien Burow.

Welches Geschlecht die vier Jungstörche nun tatsächlich haben, lässt sich an diesem Tag nicht feststellen. Nachdem auch die Kinder die kleinen Störche bestaunt haben, geht es zurück in die Kiste. Vorsichtig werden dei Tiere wieder nach oben gefahren und zurück in ihren Horst gesetzt.

Nun hoffen die Anwesenden natürlich, dass die ersten Flugversuche genau so reibungsfrei von statten gehen wie das Beringen und wünschen den vier Jungstörchen allzeit guten Flug.

Von Kristin Engel

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