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Hickhack um Flugplatz Riesa

Flugverkehr Hickhack um Flugplatz Riesa

Voraussichtlich Ende März, vielleicht aber auch im Juni endet der Flugbetrieb in Riesa-Göhlis – wenn es keine neuen Entwicklungen mehr gibt. Die Stadt, beziehungsweise deren Tochtergesellschaft, will dieses defizitäre Geschäft nicht länger betreiben. Ein Pächter zu den Konditionen der Stadtwerke ist jedoch auch nicht in Sicht. Einige Piloten zogen bereits Konsequenzen.

Trotz eines großes Flugplatzfestes im Jahr bäckt der Fliegerclub Oschatz „kleine Brötchen“ mit ehrenamtlichen Strukturen und Flugbetrieb nur auch Wochenende.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz/Riesa. Ende März endet auf dem Platz in Riesa-Göhlis der Flugbetrieb, wie er bisher lief – nämlich mit Flugleitern, die jeden Wochentag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang vor Ort waren. Die Stadt Riesa, beziehungsweise deren Tochtergesellschaft will dieses defizitäre Geschäft nicht mehr betreiben. Bei einer eiligst durchgeführten Ausschreibung fand sich niemand, der die geforderte Mindestpacht zahlen will. Inzwischen haben einige Piloten Konsequenzen gezogen und eine neue fliegerische Heimat gesucht und gefunden. Falls der Platz in Riesa-Göhlis geschlossen werden sollte, könnte der Oschatzer Flugplatz davon profitieren.

Zu den betroffenen Piloten gehört René Stitterich vom Fliegerclub Oschatz. Er sagt: „Im Herbst 2015 wurde uns mitgeteilt, dass die Landesluftfahrtbehörde den Betreibern die Betriebserlaubnis entzieht.“ Dann sei diese Frist mehrmals verlängert worden. Die Auflagen der Behörde habe der Betreiber bisher nicht erfüllt. Für ihn sei das ein Indiz dafür, dass auf die Schließung des Flugplatzes hingearbeitet wurde. Dazu sei gekommen, dass Anfang 2015 die Pacht für die Stellplätze im Hangar drastisch erhöht wurde. Dabei habe man den Piloten mitgeteilt, dass es die Betreibergesellschaft Esam als außerordentliche Kündigung betrachten würde, wenn diese Bedingungen nicht akzeptiert würden. Stitterich betrachtete das als eine Art Nötigung. Die ungewisse Zukunft des Platzes und die Preistreiberei hätten ihn veranlasst, Riesa den Rücken zu kehren und seine P 92 in Oschatz abzustellen.

Stitterich ist schon seit Jahren Mitglied des Fliegerclubs Oschatz. Für Riesa als „Heimatflugplatz“ hatte er sich entschieden, weil es dort bessere Bedingungen für die Wartung gab. Für andere Piloten sei es vielleicht interessant, dass in Riesa-Göhlis jeden Tag gestartet werden kann und nicht nur am Wochenende wie in Oschatz.

„Ich bin froh darüber, dass wir in Oschatz von Anfang an kleinere Brötchen gebacken haben“, betont Stitterich. Dadurch gäbe es keinen Boden für ein so undurchsichtiges Finanzgebaren wie in Riesa. Dort zahlen die Piloten die Hallenmiete und die Landegebühren an die Stadtwerke Riesa. Die Tankrechnungen hingegen wiesen die Esam als Betreiber aus. Diese Gesellschaft kündigte auch den Flugleitern. Daher würden sich die Piloten fragen, ob tatsächlich alle Kosten und Einnahmen, die den Flugplatz betreffen, in dessen Bilanz auftauchen.

Wolfgang Bothur, Eigentümer mehrerer Baufirmen und des Flugplatzes in Großenhain, hat sich für den Göhliser Verkehrslandeplatzes interessiert. Er machte den Riesaer Stadträten und der Verwaltung in der Sitzung vergangene Woche klar, dass er in der Ausschreibung wenig verwertbare Zahlen fand. Er unterbreitete aber als einziger Interessent einen konkreten Vorschlag. Allerdings bot er der Stadt nicht die geforderten 60 000 Euro Pacht pro Jahr, sondern forderte einen Zuschuss von rund 12 000 Euro pro Monat. Alternativ würde er das Gelände für 150 000 Euro erwerben. Der Unternehmer begründete das mit dem erheblichen Reparaturrückstau auf dem Platz. Bereits 2015 habe – das gehe aus der Ausschreibung der Stadt allerdings nicht hervor – die Luftfahrtbehörde bei der Landesdirektion für den Göhliser Platz Auflagen erteilt und ein Zwangsgeld angedroht. Ob tatsächlich eine Schließung des Platzes durch die Behörden droht, bewerten die Beteiligten unterschiedlich. Am Montag gab es dazu eine Sondersitzung des Stadtrates. Während Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) betonte, dass niemand im Saal sei, der den Verkehrslandeplatz nicht erhalten wolle, sagte sein Fraktionskollege Helmut Jähnel: „Die Riesaer Bevölkerung hat von dem Platz nichts außer Nostalgie und Image.“ Nun soll mit den Interessenten, die sich auf die Ausschreibung hin gemeldet hatten, weiter verhandelt werden. Darüber, ob die Stadt dabei weitere Verluste hinnehmen darf, gehen zwischen den Fraktionen die Meinungen auseinander. Ob tatsächlich jemand glaubt, dass ein neuer Betreiber statt rund 170 000 Euro Verlust, von denen immer wieder die Rede war, Gewinn machen und eine Pacht zahlen kann, wurde in der Ratssitzung nicht klar. Nun soll der Riesaer Platz von April bis Ende Juni zunächst ohne Betriebspflicht erhalten werden.

Der von Wolfgang Bothur betriebene Großenhainer Flugplatz ist ebenfalls nicht 100-prozentig zukunftssicher. Das Areal gehört dem Freistaat Sachsen, der diese Fläche gern nutzen würde, um Industrie und Gewerbe anzusiedeln.

Im Falle der Schließung des Platzes in Göhlis sieht Thomas Lange, Vereinsvorsitzender des Fliegerclubs Oschatz, keinen verstärkten Zustrom für den Landeplatz in Oschatz. „Wir haben hier keinen Platz, um weitere Flugzeuge abzustellen. Starts und Landungen sind nur am Wochenende und auf Anmeldung möglich. Vielleicht steigen diese Zahlen leicht an, einen Ansturm halte ich aber für unwahrscheinlich“, sagte Thomas Lange.

Von Axel Kaminski

Riesa-Göhlis 51.3439954 13.2902549
Riesa-Göhlis
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