Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Historische Fenstergitter zurück am Schloss Dahlen
Region Oschatz Historische Fenstergitter zurück am Schloss Dahlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 11.08.2016
Andreas Richter und Karl Berger vom Verein sowie Bürgermeister Matthias Löwe (v.l.) mit einem Gitter, das vor den Fenstern des Kaisersaals angebracht werden soll. Quelle: Foto: Dirk Hunger
Anzeige
Dahlen

Ein Eisengitter – alt, rostig und hier und da schon etwas verbogen. Und löst in Dahlen helle Begeisterung aus. Kein Wunder, handelt es sich eben nicht um irgendwelchen Schrott, sondern um historische Gitter, die einst vor den Fenstern des Kaisersaals am Schloss angebracht waren. Sechs dieser Kunstschmiedearbeiten gab es früher – jeweils drei auf der Vorder- und Rückseite. Die Hälfte bleibt bisher verschollen, drei sind jetzt wieder in die Heidestadt zurückgekehrt.

Bis 1973 gehörten die Gitter zur Schlossfassade. Im März eben jenes Jahres entstand durch ein defektes Ofenrohr ein Brand, der Teile von Obergeschoss und Dachstuhl zerstörte. Aufnahmen nach der Brandnacht zeigen, dass die Gitter damals noch vorhanden waren. Eine weitere Rettung oder gar ein Wiederaufbau des einst herrschaftlichen Gebäudes war politisch nicht gewollt, erinnerte Bürgermeister Matthias Löwe (WHD): „Bald darauf schwebte die Abrissbirne über dem Gebäude.“ Damals verschwanden zahlreiche Teile vom Ensemble, Sandsteinschmuck, Palisaden – und die Ziergitter blieben verschollen.

Drei Gitter im Grassimuseum Leipzig eingelagert

Seit einigen Jahren weiß man in Dahlen, dass immerhin drei davon im Depot des Leipziger Grassimuseums schlummern. 2013 fragte Karl Berger, Vorsitzender des Schloss- und Parkvereins, per E-Mail nach. „Daraufhin hat man uns die Existenz der Gitter bestätigt und seitdem liefen die Bemühungen, diese wieder hierher zu holen.“ Die Stadt Dahlen musste als Eigentümerin des Schlosses einen offiziellen Antrag stellen, der Leipziger Stadtrat der Rückgabe zustimmen, so Berger. „Das war ein bisschen wie eine Odyssee, aber nach über 40 Jahren sind die Brüstungsgitter jetzt wieder im Schloss“, freut er sich.

Mittlerweile seien Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Restauratoren in Dahlen gewesen, sagt Andreas Richter vom Verein. „Die Fachleute haben die Gitter sowie das Eingangstor auf das Schlossgelände untersucht“, beschreibt er. „Dafür und für die Befunde sind uns keine Kosten entstanden. Jetzt warten wir auf die Schätzung für die Restaurierung. Was diese kostet, ist noch völlig unklar“, fügt er hinzu. Unklar sei außerdem auch, wie die Aufarbeitung von Brüstungsgitter und Eingangstor finanziert werden soll. „Das müssen wir noch sehen“, so Karl Berger, „vielleicht gibt es dafür Fördermittel. Immerhin sind das die originalen Gitter aus der Bauzeit von 1744 bis 1751.“

Verschnörkeltes B steht für Heinrich Graf von Bünau

Deutlich zu erkennen ist das große verschnörkelte B – der Buchstabe steht für Heinrich Graf von Bünau, den Erbauer der Anlage – in der Mitte der Schmiedearbeit. Teilweise sind die Verzierungen etwas verbogen, überall hat das Eisen eine dicke Schicht Rost angesetzt. „Hier wird man eine Spritzverzinkung auftragen müssen, bevor die Farbe draufkommt“, schätzt Andreas Richter. Später sollen die Gitter dann an den drei Fenstern des Kaisersaals zur Hofseite angebracht werden. „Die Teile für die Fenster zur Parkseite werden noch gesucht. Vielleicht finden sich die Gitter noch irgendwo im Privatbesitz oder einem Nachlass“, hofft Bürgermeister Matthias Löwe. So manches Stück – etwa Teile der Sandsteinbrüstung von der Terrasse – hätte in den vergangenen Jahren wieder den Weg zurück ins Schloss gefunden.

Um diese Teile wie bei einem Puzzle wieder an alter Stelle einzufügen, braucht der Schloss- und Parkverein vor allem finanzielle Unterstützung. „Wir sammeln weiter Spenden“, kündigt Karl Berger an.

Von Jana Brechlin

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Gespräch ist ein Zusammenschluss der Diakoniewerke Oschatz-Torgau und Delitzsch-Eilenburg schon seit längerer Zeit. Nun ist die Fusion beschlossene Sache, wird jedoch frühestens im nächsten Jahr über die Bühne gehen. In der Diakonie Oschatz-Torgau gibt es zudem einen neuen Geschäftsführer. Gernot Dörfel wird Ende August ins Amt eingeführt.

11.08.2016

Mit seinem Anglerlatein vom Fang eines unvorstellbar großen Welses in der tschechischen Elbe hat der Oschatzer Thomas Wieclawik für Schlagzeilen gesorgt. Nichtsdestotrotz gibt es diese riesigen Fische tatsächlich. Der Oschatzer Angler Lothar Jachmann hat vor einiger Zeit einen 135 Zentimeter großen Wels in Mühlberg aus der Elbe gezogen.

11.08.2016

Das Schloss Hubertusburg in Wermsdorf braucht dringend eine nachhaltige Nutzung, fordert Bürgermeister Matthias Müller. Unterstützung erhält er von Akteuren von Ort und Politikern aus Dresden und Berlin. Die Bedeutung für die regionale Tourismuswirtschaft vergleicht Müller mit der DHL-Ansiedlung für Leipzig.

10.08.2016
Anzeige