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Hobbybastler schrumpft Oschatzer Stadtzentrum auf Tischgröße

Stadt- und Waagenmuseum Hobbybastler schrumpft Oschatzer Stadtzentrum auf Tischgröße

Sie lassen die Herzen vieler kleiner und großer Eisenbahner höher schlagen – Lokomotiven und Modellhäuser in Miniaturformat. Jens Graul, Angestellte des Stadtmuseums und geübter Modellbauer, plant den Nachbau seiner Arbeitsstelle, der Kirche und Häuser am Marktplatz in Oschatz. In zwei Jahren will der Tüftler damit fertig sein und sein Werk ausstellen.

Modellbauer Jens Graul mit seinen Nachbildungen des Oschatzer Museums und der St. Aegidien-Kirche.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Jens Graul – seit 2002 Mitarbeiter des Stadt- und Waagenmuseums in Oschatz – ist Modellbauer aus Leidenschaft. Seine Nachbildungen lassen die Herzen kleiner wie großer Eisenbahner höher schlagen. Schon als achtjähriges Kind kaufte ihm sein Vater eine Modelleisenbahn und Häuser in Miniaturformat. Viele Stunden bauten sie alles auf und spielten gemeinsam. Üblicherweise verlieren die meisten Modellbahner mit dem Erwachsenwerden das Interesse an der speziellen Kleinkunst. Nicht so Graul. Auch heute noch stehen in seiner Wohnung, in der der 47-Jährige mit seiner Frau und Tochter im Grundschulalter lebt, zahlreiche Modellhäuser, kleine Autos und Figuren. Überall blinken Lämpchen, stehen kleinformatige Lokomotiven auf winzigen Schienen und Bahnübergängen nebst Bäumen und Parklandschaft. Das Besondere: Regelmäßig hat Graul neue Ideen und gestaltet ohne vorgegebenen Bausatz Häuser und Bäume aus eigenen Materialien selbst. Sein neuestes Projekt: das Stadtzentrum von Oschatz in Miniatur-Format. Spätestens in zwei Jahren will er Museum, St. Aegidien-Kirche, den Marktplatz samt Vogts- und Rathaus fertiggestellt haben. Dann soll sein Werk im Museum oder Rathaus ausgestellt werden. Eintritt will der Modellbahner dann nicht nehmen „Ich baue schließlich nur aus Spaß an der Freude.“ Doch wie kam er auf diese Idee?

Im Museum sitz der Modellliebhaber viel an der Kasse, weist die Besucher anhand eines Flyers mit Lageplan ein und sagt ihnen, was in welchen Ausstellungsräumen der Anlage zu sehen ist – draußen die große Salzwaage, dort das handwerkliche und Waagenmuseum, oben die Stadtgeschichte, unten die Sonderausstellungsräume. Dennoch fragten ihn die Leute ob des großen Geländes immer wieder, wo sie hinmüssten. „Da kam mir die rettende Idee, das Stadtmuseum mit seinen vier Gebäuden plus Turm als Modell nachzubauen. Damit könnte ich den Leuten besser den Weg erklären“, sagt Graul. Gesagt, getan und ein Leichtes für den Oschatzer. Auf seiner Arbeit fallen solche Kreativarbeiten immer wieder an und sind Einfallsreichtum und Schnelligkeit gefragt.

So baute der Techniker in Vorbereitung auf diverse Ausstellungen bereits ein Hafenbecken für Legoschiffe aus Pappe und ein verschneites Fantasiedorf mit Eisenbahn. Demnächst steht der Entwurf eines Rapunzelturms für eine Bärenausstellung an. Graul hat darin Übung, selbst Oschatz baute er bereits zu Teilen nach – in einem sehr kleinen Format auf einer Platte von rund 80 mal 50 Zentimetern. „Dieses Mal soll alles größer werden – im H0-Maßstab 1 zu 87“, sagt der eifrige Modellbauer.

Anfang Oktober letztes Jahr machte er sich an die Arbeit und war mit dem Museum als Modell in zwei Monaten fertig. Die Hauswände sind aus Passepartout-Pappe-Resten, die der Oschatzer von seinem Vater, einem ehemaligen Plakatmaler bekommt. Das Material wird gefaltet und mit Skalpell zugeschnitten. Anschließend wir alles mit Holzleim verklebt und Pinsel und Tusche angemalt. Die Dächer und Dachziegel erstellt der Detailverliebte in mühsamer Kleinarbeit via Malprogramm am Computer selbst, druckt die Muster aus und schneidet sie je nach Bedarf mit der Schere zu. Die Bäume werden aus Draht geformt, die Kronen sind aus Dekomoos. „Ich versuche das meiste selbst zu fertigen, da mir schnell ein Modell nicht mehr gefällt, ich ein neues baue und die Umsetzung all meiner Ideen sonst viel Geld kosten würde“, sagt Graul. Für spezielle Dinge muss der Modellbahner jedoch in den Laden: LEDs, Menschen und Tiere in Miniatur, Autos, Schienen und Lokomotiven.

Graul: „Da ich ein eifriger Modellbauer bin, wird das Museum jetzt noch durch die Kirche und die Gebäude am Markt ergänzt und alles später auf einer großen Platte zusammengefügt.“ Ein befreundeter Modellbahner bei Facebook motivierte ihn zu diesem Vorhaben. Seit Mitte Dezember sitzt Graul nun an der St. Aegidien-Kirche und hat sich vom hiesiegen Pfarrer bereits Baupläne geben lassen, um sie besser nachbilden zu können. Bald wird auch sie fertig sein.

Eine Auftragsarbeit ist das Werk aber nicht, verrät der Oschatzer. „Als Garten- und Naturfreund fällt mir im Winter die Decke auf den Kopf. Da Fernsehen und Lesen nicht meine Leidenschaften sind und meine beiden Frauen wegen Nachtschicht und Schule oft außer Haus sind, sitze ich in meiner Freizeit oft am Küchentisch und baue Modelle“.

Von Oliver Becker

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