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Oschatz ICE-Passagiere werden bei Kleinböhla mit Leitern und Seilen gerettet
Region Oschatz ICE-Passagiere werden bei Kleinböhla mit Leitern und Seilen gerettet
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18:19 21.08.2017
Die Feuerwehren der Region bereiten mit Leitern und Seilen einen Evakuierungsweg vom Gleisbett über die Böschung zur nächstgelegenen Straße vor.  Quelle: Feuerwehr Oschatz
Großböhla/Oschatz

 Nach der Kollision des ICE Ilmenau mit einem Baum, der am Freitagabend bei Großböhla in die Oberleitung gestürzt war, organisierten die Feuerwehren aus Oschatz und Großböhla das Evakuieren der 175 Reisenden. Ein Passagier musste ins Krankenhaus gebracht werden. Laut Deutscher Bahn hatte sich der Zusammenstoß zwischen Dornreichenbach und Oschatz gegen 20.53 Uhr ereignet. Der im Jahr 2000 in Dienst gestellte ICE-T sei aus Frankfurt (Main) gekommen und habe Dresden laut Fahrplan 21.35 Uhr erreichen sollen.

Durch den Unfall seien beide Gleise nicht befahrbar gewesen. Deshalb hätten auch die Züge des Regionalexpress „Saxonia“ nicht mehr an dieser Stelle fahren können. Diese Nahverkehrszüge seien von Dresden bis Riesa und von Leipzig bis Dahlen gefahren und hätten dort gewendet. Ein Busnotverkehr habe nicht eingerichtet werden können.

„Die Feuerwehren aus Oschatz, Großböhla, Dahlen und Schmannewitz waren mit insgesamt elf Fahrzeugen und 50 Kameraden im Einsatz“, erläuterte der Oschatzer Wehrleiter Lars Natzke, der den Einsatz gemeinsam mit Wulf Sukale von der Großböhlaer Wehr leitete. Außerdem seien Bundes- und Landespolizei sowie vier Rettungswagen und zwei Notärzte beteiligt gewesen.

Feuerwehren werden nach mehr als einer Stunde alarmiert

Zunächst seien die Wehren aus Oschatz und Großböhla gegen 22 Uhr alarmiert worden, um die Unfallstelle auszuleuchten. Gegen 22.30 Uhr sei dann der Fahrstrom abgeschaltet gewesen, so dass die Einsatzkräfte an den ICE herankamen. Zu diesem Zeitpunkt habe ein Passagier des Zuges mit gesundheitlichen Problemen aus dem Zug geholt und ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Zwei weitere Reisende hätten später ärztliche Hilfe benötigt.

„Gegen 1.30 Uhr war die Bergung des ICE fehlgeschlagen. Daraufhin hat die Feuerwehr die Evakuierung angeordnet und der Deutschen Bahn mitgeteilt, dass sie in Oschatz einen Ersatzzug bereitzustellen hat“, schildert Lars Natzke den weiteren Verlauf des Einsatzes. Die Lage im Zug hatte sich rapide verschlechtert. „Da es keinen Strom an Bord gab, funktionierte die Klimaanlage nicht und die Toiletten konnten nicht benutzt werden“, erläutert der Einsatzleiter. „Für uns stand das Wohlergehen der Leute im Mittelpunkt“, stellt er klar. So seien zum Beispiel fünf Hochschwangere an Bord gewesen.

Lage im Zug hat sich rapide verschlechtert

Lars Natzke betont: „Wir hatten die Evakuierung schon in der Anfangsphase des Einsatzes empfohlen. Die Bahn hat das zunächst wegen des schwierigen Geländes und weil sie keine Busse beschaffen konnte, abgelehnt.“

Bis dann die Feuerwehr selbst die Evakuierung anordnete und sich nicht mehr mit weiteren Ankündigungen der Bahn abfand, habe man bereits Gestrüpp und kleine Bäume gefällt. So gab es über die Böschung einen freien Zugang zum Zug. Der in Oschatz vorhandene Bahnrettungssatz sei per Nachalarmierung an den Ort des Geschehens gebracht worden. „Nachdem die Evakuierung gegen 2 Uhr begann, waren innerhalb von 40 Minuten alle Fahrgäste samt ihres Gepäcks aus dem Zug raus“, erklärt der Einsatzleiter.

Passagiere und Gepäck innerhalb von 40 Minuten aus dem ICE

Der Weg aus dem Zug über das Gleisbett und eine Spundwand zur Böschung sei nicht ganz einfach gewesen, Aber es sei alles mit Seilen, Leitern und Menschenketten gesichert gewesen. Einige Fahrgäste hätten schon Taxis bestellt gehabt. Viele andere habe man – da keine Busse zur Verfügung standen – mit Feuerwehrfahrzeugen zum Oschatzer Bahnhof gefahren. Dort habe dann tatsächlich ein Ersatzzug bereitgestanden.

Wie die Bahn weiter mitteilt, waren gegen 4.30 Uhr die Reparaturarbeiten abgeschlossen. Somit konnte zunächst das Gleis Oschatz-Dahlen wieder für den Zugverkehr genutzt werden. Der defekte Zug sei gegen 6 Uhr ins ICE-Werk nach Leipzig abgeschleppt worden. Danach seien beide Streckengleise wieder ohne Einschränkungen befahrbar gewesen.

Von Axel Kaminski

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