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Oschatz IHK-Chef Wolfgang Topf mahnt nordsächsische Politik zur Weitsicht
Region Oschatz IHK-Chef Wolfgang Topf mahnt nordsächsische Politik zur Weitsicht
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11:30 26.03.2016
Wolfgang Topf Quelle: LVZ
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Nordsachsen

Wolfgang Topf, der Chef der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig sieht den Landkreis Nordsachsen wirtschaftlich gut aufgestellt. Bei der jüngsten Sitzung des nordsächsischen Kreistages skizzierte Topf eine Momentaufnahme der nordsächsischen Wirtschaft. Allerdings warnte er vor Lokalpatriotismus. „Die Zukunftschancen liegen vor allem in einem Zusammenspiel zwischen der Stadt Leipzig mit den Kreisen Leipzig und Nordsachsen“, sagte er vor den Kreisräten. Kritisch merkte er an: „Wir haben zehn Jahre gebraucht, um eine gemeinsame Wirtschaftsfördergesellschaft auf den Weg zu bringen. Und dabei sind wir noch längst nicht dort, wo wir hinwollen. Ich hätte nie geglaubt, wie streitbar wir Sachsen untereinander sein können.“ Und mit Blick auf das Engagement der IHK betonte Topf: „Wir sind nicht der Stadt Leipzig, sondern der gesamten Region verpflichtet.“

Dabei stellte der Chef der IHK Leipzig aber auch klar, dass der größte nordsächsische Arbeitgeber bei den Verwaltungen, der Bildung und dem Gesundheits- und Sozialwesen zu suchen ist. Erst danach folgen das produzierende Gewerbe und die Logistik- und Lagerbranche. Erfreulich habe sich in den vergangenen Jahren der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten entwickelt.

„Bitte schauen Sie in Ihre Betriebe in Nordsachsen, schauen Sie dort nach Potenzialen und unterstützen Sie Projekte, die Zukunftsaussichten haben“, sagte Topf. Meist seien es Innovationen aus den Unternehmen, die eine Region voranbringen können. Anhand von Zahlen machte er auch klar, dass weiteres wirtschaftliches Wachstum in Nordsachsen nicht unbedingt von Neuansiedlungen zu erwarten sei, sondern vom Ausbaupotenzial bereits bestehender Unternehmen.

„Wir müssen auch die einheimische Landwirtschaft unterstützen. Das Transportgewerbe profitiert in großem Maße von der Landwirtschaft. Wenn es gelingt, die landwirtschaftlichen Produkte stärker in der Region zu vermarkten, dann gibt es auch Wertschöpfungsketten. Und die Stadt Leipzig hat ein großes Potenzial für gute regionale Landwirtschaftsprodukte“, meinte der IHK-Chef.

Neben den vielen Möglichkeiten für die nordsächsische Wirtschaft sieht Wolfgang Topf aber auch Risiken, die in den kommenden Jahren minimiert werden müssen, um die Entwicklung nachhaltig zu gestalten. Als Risikopunkte nennt er: die Kleinteiligkeit der Wirtschaft, der geringe Anteil von Industriebetrieben, die Innovationsschwäche von Unternehmen, Defizite bei der Breitbanderschließung, Mängel in der Verkehrsinfrastruktur sowie die demografische Entwicklung.

Der Breitbandausbau für ein schnelles Internet ist für Topf ein wichtiger Standortfaktor und auch der Kristallisationskeim für neue Wirtschaftsmodelle. „Wenn es uns schon nicht gelingt, Industrie anzusiedeln, dann muss man neue Wege gehen, die eröffnet uns das Internet“, meinte er. „Es geht nicht darum, dass von zu Haus aus der Einkaufskatalog eines Warenhauses heruntergeladen werden kann, sondern dass Firmen, die sich in der ländlichen Region angesiedelt haben, schnell und sicher ihre Daten übertragen können.“ Hier lobte Topf die Initiative von Landrat Kai Emanuel, der für ein Gesamterschließungskonzept des Landkreises Nordsachsen eintritt.

Gegenüber den nordsächsischen Kreisräten nannte Topf einen ganzen Katalog an Handlungsfeldern, auf denen in den kommenden Jahren gearbeitet werden müsse. So sollten die Kommunen konsequent ihre Fördermittel nutzen, um die Wirtschaft zu stärken. Seiner Meinungs nach dürften die Mittelzentren im Leipziger Umland nicht veröden und trotzdem solle die Verbindung an das Oberzentrum Leipzig verstärkt werden. „Dabei geht es nicht um die Abwanderung von Arbeitskräften vom Land in die Stadt, sondern darum, dass Arbeitskräfte in der Stadt arbeiten aber auf dem Land leben. Das Umland von Leipzig wird von der Stärke der Stadt profitieren“, erläuterte er. Topf warb nicht zuletzt auch dafür, die derzeitige Zuwanderungswelle als Chance zu begreifen.

Von Hagen Rösner

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