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Im Dorfteich verwesen die Fische: Bortewitzer haben die Nase voll

Umwelt Im Dorfteich verwesen die Fische: Bortewitzer haben die Nase voll

Wenn zur öffentlichen Sitzung des Dahlener Stadtrates zwölf Besucher erscheinen, dann ist der Ratssaal gut gefüllt. Kommt das Dutzend aus Bortewitz ins Rathaus, dann sind knapp acht Prozent der Einwohner des Ortes nicht Zuhause geblieben – und haben mindestens ein Problem.

Ein attraktiver Dorfmittelpunkt sieht anders aus: Was dem Bortewitzer Teich an Wasser fehlt, hat er an übel riechendem Schlamm zuviel.

Quelle: Dirk Hunger

Bortewitz. Das Landleben in Bortewitz scheint keine Idylle zu sein. Dieser Eindruck entstand während der Einwohnerfragestunde bei der jüngsten Sitzung des Dahlener Stadtrates. Zumindest gibt es viel Potenzial für Verbesserungen und eine Reihe von Sorgen, die die Bortewitzer bewegen.

Bevor der Dorfteich als Dauerbrenner zur Sprache kam, wollten die Bortewitzer vom Bürgermeister wissen, wie der Stand beim Thema „LPG-Straße“ ist. Das Amt für ländliche Neuordnung hätte ihnen mitgeteilt, dass zur Abgrenzung der Straßen- und Privatgrundstücke nur eine Unterschrift fehle – die des Bürgermeisters. Diese Hängepartie verhindere, dass die Anlieger ihre Grundstücke entlang der Grenzen einzäunen könnten. Bürgermeister Matthias Löwe (WHD) erwiderte, dass zu diesem Thema Einigkeit erzielt sei und die Formalitäten in den nächsten zwei Wochen erledigt werden könnten.

Ausbaggern des Teiches kommt nicht in Frage

So eine schnelle Lösung werde es beim Dorfteich nicht geben. Der Bürgermeister erläuterte den Standpunkt des Landratsamtes, wonach ein Ausbaggern des Dorfteiches und eine Lagerung des Schlammes auf einer normalen Deponie nicht in Frage kämen. Abgesehen davon, wo der Schlamm entsorgt und wie er behandelt werden muss – das Ausbaggern garantiere nicht, dass der Teich künftig immer Wasser haben werde. Er könne zwar verstehen, dass jeder sparen wolle – zum Beispiel bei den Gebühren für das Niederschlagswasser – und dieses deshalb auf den Grundstücken versickert werde. Er wünsche sich dennoch mehr Einleitungen von den Dächern ins Netz. Das würde dann wieder zu mehr Wasser im Teich führen. Löwe betonte, dass man sich damit abfinden müsse, dass der Bach, der den Teich speise, das Gewässer in trockenen Sommern nicht füllen könne. Dazu käme, dass die Wasserqualität der Drainagen nördlich des Ortes gegen eine Einleitung in den Teich spräche.

Teich zum zweiten Mal in Folge ausgetrocknet

Die Bürger betonten, dass der Teich Dorfmittelpunkt, Biotop und Löschwasserentnahmestelle sei. Es sei unverständlich, dass es seit zehn Jahren Probleme mit Wasserqualität und -stand gäbe, obwohl der Teich 1996 saniert worden sei. Das Thema habe man bereits bei der Jahreshauptversammlung 2007 mit dem damaligen Bürgermeister Johannes Rudolph diskutiert. Man habe Hoffnung gehabt, dass sich die Situation nach der 2009 erfolgten Umstellung der Kleinkläranlagen verbessern würde. Stattdessen sei der Teich nun zum zweiten Mal in Folge fast vollständig ausgetrocknet. Das sei, in Verbindung mit dem Gestank durch verendende Fische, eine völlig neue Dimension. Der Bürgermeister erläuterte den aus seiner Sicht einzigen gangbaren Weg aus der Misere: „Wir müssen uns das Angebot einer Wasserbaufirma einholen und klären, wie wir diese Kosten im Haushalt unterbringen können.“

Unterdessen beschäftigte sich auch die Verbandsversammlung des Abwasserverbandes „Untere Döllnitz“ mit dem Bortewitzer Teich. Verbandsrat Gerd Oehmigen hatte angefragt, ob der Verband eine Möglichkeit sieht, der Verlandung des Bortewitzer Teiches entgegenzuwirken. Tatsache sei, dass die biologischen Kleinkläranlagen jetzt nicht mehr in den Teich entwässern. „Wir können dort nicht immer nur auf Regen hoffen“, so Oehmigen. „Natürlicherweise wird der Teil von dem Graben gespeist. Wenn dieser kein Wasser führt, dann hat der Teich natürlich kein Wasser“, so Verbandsgeschäftsführer Frank Streubel. „Die einzige andere Wasserquelle, die dort zur Verfügung steht, wären die Kleinkläranlagen. Es bringt aber auch nichts, daran zu denken, diese in den Teich zu leiten. Die Kleinkläranlagen reduzieren nicht die chemische Last des Wassers. Die Pflanzennährstoffe sind nach wie vor enthalten und würden in dem Teich wieder das Pflanzen- und Algenwachstum fördern. Damit würden wir unsere Investition töten“, so Streubel. Er regte an, möglicherweise vorhandene Brunnen zu nutzen. Dieses Thema gehöre nicht zur Abwasserentsorgung, sondern sei Teil des Wasserbaus beziehungsweise der Gewässerunterhaltung.

Klagen über Geruchsbelästigung aus Rinderstall

Neben den verwesenden Fischen im Dorfteich beschäftigte die Bortewitzer zur Einwohnerfragestunde noch ein weiteres Geruchsproblem. Die Belästigung durch die zum Schweinestall umgebaute Rinderanlage sei hoch. Zeitweise könne man die Fenster nicht öffnen und die Wäsche nicht im Freien trocknen. In seiner Entgegnung verwies der Bürgermeister auf das Landratsamt. Die Genehmigung für die Ställe sei dort erteilt worden. Das Landratsamt müsse auch kontrollieren, ob die Vorgaben aus der Genehmigung eingehalten werden. Löwe sicherte zu, dass sich die Stadt mit dem Amt und Verbindung setzen sowie den Betreiber der Anlage anschreiben werde.

Von Axel Kaminski und Hagen Rösner

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