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Oschatz Im Kreis Oschatz über 1000 Kriegstote
Region Oschatz Im Kreis Oschatz über 1000 Kriegstote
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16:14 04.09.2014

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Trotz der großen Zeitspanne ist das Interesse an dem Thema groß, wie die Besucherresonanz von rund 100 Gästen am Mittwochabend im Thomas-Müntzer-Haus zeigte. "Mit so vielen Leuten hatte ich nicht gerechnet", freute sich Michael.

Mit "akribischer Recherche", so Dr. Manfred Schollmeyer vom Vorstand des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereines, haben die beiden Autoren die Fakten zu den Kriegsjahren zusammengetragen und chronologisch aufgelistet.

Vom eigentlichen Kriegsgeschehen blieb Oschatz verschont. Die Auswirkungen der blutigen Kämpfe bekamen die Einwohner der Stadt dennoch zu spüren - und zwar sehr schnell. Walter L. aus Zschöllau fiel bereits am 1. September 1939 und war damit das erste Kriegsopfer aus dem Kreis Oschatz. Sein Schicksal sollten in den sechs Kriegsjahren weit über 1000 Männer aus der Region teilen. Autor Wolfgang Michael zählte insgesamt 1240 Gefallenen-Anzeigen in den Zeitungen des damaligen Kreises Oschatz.

Die Recherchen ergaben außerdem, dass die Bevölkerung in Oschatz im Vergleich zu anderen Kleinstädten Sachsens besonders empfänglich für die nationalsozialistischen Propaganda war. Mindestens vier Mal wurden Frauen im Oschatzer Rathaus-Pranger bloßgestellt, die sich mit Fremdarbeitern eingelassen hatten. Am 19. September 1940 traf es zum Beispiel eine kahlgeschorene Frau aus Calbitz. Im Bericht des Sicherheitsdienstes (SD) hieß es dazu, dass die Frau "unter dem spontanen Pfui-Geschrei der anwesenden Menschenmenge in den umgitterten Pranger gesetzt" worden sei. Kaum ein Oschatzer ließ sich dieses menschenverachtende Propagandaschau entgehen. "Niemand kann deshalb sagen, er habe nichts gewusst", schlussfolgerte Michael. Gabriele Teumer ergänzt dieses traurige Kapitel mit ihren Forschungen zu den Kriegsgefangenen. "In jedem Dorf rund um Oschatz waren sie eingesetzt", sagte sie. Im Stammlager Oschatz seien zeitweise mehr als 18 000 französische Kriegsgefangene registriert gewesen. Einer der englischen Gefangenen war Ronald Howard, dessen Sohn Graham zur Buchvorstellung am Mittwoch nach Oschatz gereist war.

Wolfgang Michael schließt mit dem letzten Band seine Trilogie zur Geschichte der Stadt Oschatz unter den Nationalsozialisten ab. "Das ist aber kein Abschluss in dem Sinn, dass die Geschichte damit aufgearbeitet ist", schränkte er ein. Denn die Sichtweise auf diese Ereignisse würden sich je nach zeitlichem Abstand immer wieder ändern. © Kommentar

Frank Hörügel

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