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Im Wermsdorfer Wald auf den Spuren der Geschichte

Im Wermsdorfer Wald auf den Spuren der Geschichte

Im größten geschlossenen Waldgebiet Nordwestsachsens, mitten im Wald befinden sich Schätze. Es sind keine mit Glitzer. Auch keine, die man in einer Vitrine verstauen und präsentieren kann.

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Mit mittelalterlichen Schaukämpfen bereicherte die Gruppe "Der Eiserne Bund" aus Großenhain das Vereinsjubiläum.

Quelle: Dirk Hunger

In freier Natur, nicht eingezäunt und auch keinen Eintritt fordernd, sind diese Schätze für jedermann zugänglich. Gemeint sind die Exponate des Kulturlandschaftsmuseums nahe dem Kirchenteich im Wermsdorfer Wald. Am Sonnabend feierte dort die Friedrich-Gustav-Klemm-Gesellschaft für Kulturgeschichte und Freilichtmuseum ihr 25-jähriges Bestehen. Ohne diesen Verein und seine engagierten Mitglieder würde es das Kulturlandschaftsmuseum kaum noch geben.

 

Professor Gerhard Billig, einst an der Pädagogischen Hochschule Dresden für die Ausbildung von Geschichtslehrern auf dem Gebiet der Ur- und Frühgeschichte mit zuständig, gilt als einer der Väter des Projektes. Schon zu DDR-Zeiten führte er mit seinen Studenten ab 1968 archäologische Grabungen nahe dem Kirchenteich durch, um nach Zeugnissen der in Vergessenheit geratenen Dörfer wie Nennewitz zu suchen. Und sie wurden fündig: eine Kirche aus der Zeit um 1200 wurde freigelegt, ebenso eine Burg und ein Turm, Haus- und Speicherreste, Gräber und Steinmale. Unterstützt wurden sie durch Heimatinteressierte und Schülerarbeitsgemeinschaften. Bis 1993 fanden diese Arbeiten im Sommer unter dem Dach der Pädagogischen Hochschule Dresden statt, zum Ende hin auch von der Klemm-Gesellschaft mitgetragen.

 

Als dann die Hochschule im Zuge der Wende abgewickelt wurde, begann die Klemm-Gesellschaft durch die Vereinsgründung die Arbeit fortzusetzen. Professor Billig erinnerte bei der Begrüßung der Mitglieder und Unterstützer sowie ehemaliger Studenten und Schüler an diese Zeit. Ein wenig Traurigkeit klang an, als er davon berichtete, wie er und seine Mitstreiter ein tragfähiges Konzept zur Fortführung des Engagements zur Entscheidungsfindung im Ministerium erarbeiteten und hofften. Am Ende, so Billig, landete alles jedoch im Papierkorb.

 

Es war dem 88-Jährigen bei der anschließenden Führung durch die Anlage anzumerken, wie froh er darüber ist, dass das einst Begonnene heute durch die Klemm-Gesellschaft noch immer fortgesetzt und weitergetragen wird. Es war zu spüren, wie sehr ihm immer noch am Herzen liegt, dass Menschen ihre Geschichte und Heimat kennen. "Wer seine Heimat kennt, der bleibt auch", bemerkte er. Wie Recht er damit hat, bewiesen die zahlreichen Gäste des Jubiläums. Unter ihnen ehemalige Studenten, die heute als Geschichtslehrer engagiert arbeiten und sogar mit ihren Schülern im Sommer in den Wermsdorfer Wald zu Grabungen und zur historischen Spurensuche kommen. Aber auch einstige Schüler, die zwar in anderen Berufen heute arbeiten, denken an ihre Zeit im Camp im Wermsdorfer Wald gern zurück und engagieren sich noch immer in der Klemm-Gesellschaft. Zu ihnen gehört Thomas Wels. Heute in Dresden Berufssoldat, schwärmt der gebürtige Hoyerswerdaer von der Zeit im Schülercamp mit den Ausgrabungen. "Das Interesse ist geblieben, wenngleich ich doch nicht Archäologe geworden bin", bemerkt er.

 

Wolfgang Niemann, der in Wermsdorf während seiner Schulzeit Mitglied einer AG Junge Archäologen und so in den Anfangsjahren schon bei den Grabungen dabei war, leitet heute die Geschicke des Vereins und lenkt die Arbeit vor Ort. In den letzten 25 Jahren wurde unter seiner Leitung eine Menge Neues geschaffen und erreicht: Wege- und Informationstafeln vermitteln alles Wissenswerte. Schülerarbeitsmaterialien wurden erarbeitet. 1997 wurde mit Unterstützung der Chemnitzer Landesstelle für Museumswesen ein Waldklassenzimmer mit gut ausgestattetem Blockhaus eröffnet. 1998 kam ein archäologischer Lehrpfad hinzu. Jährlich findet ein Sommercamp statt, an dem nicht nur Schüler und Geschichtslehrer, sondern auch Hobbyarchäologen zum Beispiel neue Suchschnitte anlegen. 2009 wurden so unter Aufsicht des Landesamtes für Archäologie neue Fundamente frei gelegt.

 

Professor Billig betonte in seinem Rückblick auf das Erreichte immer wieder, dass all diese Erfolge nicht ohne Unterstützer und Helfer wie die Wald- und Teichnutzer, möglich wären. Und er hofft mit den anderen 94 Vereinsmitgliedern, dass es das Kulturlandschaftsmuseum noch lange gibt. Denn einzigartig ist es schon, dass man ein Museum besuchen kann, ohne dafür Eintritt entrichten zu müssen.

Bärbel Schumann

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