Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz In Köllmichen krähen Karfreitag die Hähne
Region Oschatz In Köllmichen krähen Karfreitag die Hähne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:32 24.03.2018
Landwirt Wilfried Große und seine Familie laden mit dem Geflügelzuchtverein wieder zum traditionellen Hähnewettkrähen nach Köllmichen bei Mutzschen ein. Mit seinen Hähnen geht er allerdings nicht an den Start, denn er hat Karfreitag alle Hände voll zu tun. Quelle: Foto: Thomas Kube
Grimma/Köllmichen

„Doch wenn die Hähne kräh’n am Morgen, schlag ich die Augen auf und staun“ – heißt es in einem von Kurt Demmler getexteten Lied der DDR-Rockband Karussell. Ein Ohrwurm und Klassiker gleichermaßen. Auch in Köllmichen ist Staunen angesagt, wenn die Hähne ihr Konzert anstimmen und um die Wette krähen. Bereits zum 18. Mal lädt der Rassegeflügelzuchtverein Mutzschen/Wermsdorf und Umgebung zu dem Spektakel ein, das am Karfreitag auf dem Große-Hof in der Merschwitzer Straße zu erleben ist. Wilfried Große (71) und sein Sohn Heiko (47), die vor zwei Jahrzehnten die Idee des Hähnekrähens nach Köllmichen trugen, richten dazu mit Hilfe einiger Zuchtkollegen zwei Hallen her. Das Rahmenprogramm reicht bis in die Abendstunden hinein.

Große Gaudi

Es ist eine Gaudi. Spätestens 8 Uhr soll am Karfreitag jeder Hahn in seinem Käfig sitzen. Wenig später geht es dann los. Die Gockel haben exakt eine Stunde Zeit, so viele Kikeriki wie möglich anzustimmen. Der Rekord in Köllmichen liegt bei stolzen 221 Krährufen – immerhin fast vier pro Minute. Im vorigen Jahr brachte es ein Urzwerghahn der Wermsdorferin Isa Birnbaum auf 150 Schreie und sicherte ihr so das beste Tagesergebnis.

Pokale und Urkunden

In Köllmichen bei Mutzschen sind drei Gruppen am Start – Große Hähne, Zwerghähne und Urzwerghähne kommen in die Wertung. Wer es mit seinem Tier aufs Podium schafft, darf sich über einen der begehrten Pokale freuen. Alle anderen erhalten eine Urkunde – egal ob der gefiederte Liebling einen Ton ausgestoßen hat oder nicht. Wilfried und Heiko Große erwarten wieder 70 bis 80 Teilnehmer, etwa 200 Hähne und zig Schaulustige. Das Wettkrähen auf ihrem Landwirtschaftshof sei das größte in Sachsen, wissen beide stolz zu berichten. Die meisten Tierhalter, die ihren Hahn an den Start bringen, leben in der Region. Manche nehmen aber auch einen weiten Weg auf sich. So wie Geflügelzüchter Eckhart Prehm, der aus dem bei Magdeburg liegenden Gardeleben anreist. „Ein alter Bekannter, dem das hier gefällt“, erklärt Heiko Große.

Geheimnisse der Besitzer

Wie man seinen Hahn animiert, im Wettkampf alles aus sich heraus zu holen? Es ist das Geheimnis der Besitzer. Ein Drittel der Vögel bleibe sogar stumm, weiß Senior Große. Möglicherweise verschlage es ihnen die Stimme, weil sie sich wie in einem Gefängnis fühlen. Die Tiere in den Käfigen werden mit Pappen gut voneinander abgeschirmt, damit sie die Rivalen nicht erblicken. Denn das könnte den Drang zum Krähen auch hemmen.

Karfreitag ist von Anfang an der traditionelle Tag des Hähnekrähens. „Das passt zu Ostern“, bekräftigt Heiko Große, der seit 2011 den Landwirtschaftsbetrieb der Familie in fünfter Generation führt und Staatlich geprüfter Wirtschafter ist. Schließlich legen die Frauen der Hähne die Eier. Und so darf zum Krähen auch der Osterhase nicht fehlen, der mit einer Pferdekutsche vorfährt und Leckereien verteilt. Ins Hasenkostüm schlüpft eine Erzieherin der Mutzschener Kita „Zwergenland“.

Buntes Rahmenprogramm

Doch das Rahmenprogramm bietet weitaus mehr. Während die Striche jedes Kikeriki gezählt werden, spielt der Spielmannszug Mutzschen auf. Beim Quiz wird es auch wieder eine Schätzfrage geben, und jene drei Besucher, die dem Ideal am nächsten kommen, erhalten einen Pokal. Kinder können beim Schaubrüten sehen, wie die wuscheligen Küken ihr Ei aufpicken und schlüpfen, auf der Hüpfburg herumtollen oder sich schminken lassen. Eine Gaudi ist die Versteigerung, bei der auch ein gefrosteter Truthahn, der bis zu 13 Kilo auf die Waage bringt, den Besitzer wechselt. „Es ist eine englische Versteigerung“, freut sich Wilfried Große schon jetzt auf den Spaß. Das überschüssige Geld wandert in die Vereinskasse. Einnahmen bringt auch die Startgebühr von zwei Euro pro Hahnenkamm-Vogel, womit der Verein die Pokale und Urkunden finanziert.

Wer seinen Hahn – oder ein geliehenes Tier – um die Wette krähen lassen will, muss sich bis zum 27. März anmelden – unter Telefon 034385/51220 oder 0174/2485948.

Von Frank Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Mittwoch wird der Wermsdorfer Wald offiziell zum Waldgebiet des Jahres 2018 gekürt. Das 5100 Hektar große Gebiet, das zuletzt vom Sturm „Friederike“ stark getroffen wurde, soll dadurch bundesweite Aufmerksamkeit erfahren.

24.03.2018

Der Musikverein Lampertswalde kämpft mit Nachwuchsmangel. Zwar gab es zuletzt immer wieder junge Mitglieder, die jedoch mit Beginn von Ausbildung oder Studium dem Ensemble verloren gegangen sind.

24.03.2018

Sie haben in den vergangenen Jahren Spielplätze, Schulhorte und mehr mit auf den Weg gebracht, Jugendeinrichtungen einen Namen gegeben oder über die Förderung jungedgerechter Projekte in der Stadt entschieden: Die Oschatzer Jugendstadträte. im April beginnt eine neue Amtsperiode – und acht Jungen und Mädchen kandidieren.

21.03.2018