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Oschatz Initiativgruppe Radweg S 31 fordert Tempo 70 zwischen Neusornzig und Mügeln
Region Oschatz Initiativgruppe Radweg S 31 fordert Tempo 70 zwischen Neusornzig und Mügeln
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00:31 08.03.2018
Mit der Rad-Demo für einen Radweg an der S 31 konnte die Initiativgruppe überregional auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Quelle: Foto: Archiv Bärbel Schumann
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Naundorf

Die Ökostation war in der vergangenen Woche Schauplatz eines Informationsabends der Initiativgruppe Radweg S 31. Rund zwei Dutzend Besucher interessierte das Thema so sehr, dass sie sich von klirrender Kälte in der Abendstunde nicht abhalten ließen.

Im Publikum saßen einige Gäste, die die Organisatoren der Initiative eingeladen hatten: die Bürgermeister aus Mügeln und Leisnig, sowie der Landtagsabgeordnete Volkmar Winkler (SPD). Nicht gerade kurz war die von Tobias Leißner vorgetragene Liste derer, die eingeladen worden waren, aber aus verschiedenen Gründen abgesagt oder sich nicht gemeldet hatten.

Initiative sammelt bisher 1200 Unterschriften für Radweg

Tobias Leißner informierte zunächst darüber, dass die vor rund zwei Jahren gegründete Initiativgruppe bisher rund 1200 Unterschriften für das Projekt eines Radweges entlang der Staatsstraße 31 gesammelt habe. Anschließend erläuterte Holger Schilke den erreichten Stand, wobei er zunächst die rechtlichen Grundlagen darstellte. Dabei handele es sich um die Radwegekonzeption des Freistaates Sachsen aus dem Jahr 2014, die auch auf die Novelle der Straßenverkehrsordnung von 2009 Bezug nehme. „Darin“, so Schilke, „steht nicht mehr die Flüssigkeit des Verkehrs als oberstes Ziel, sondern die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer“. Das schließe ausdrücklich jene ein, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs seien. Das man dennoch bei der Planung der Staatsstraße von der Autobahnanschlussstelle über Neusornzig nach Mügeln einen Radweg für nicht erforderlich erachtet habe, sei seiner Ansicht nach nicht nachvollziehbar. Das lasse sich nur damit erklären, dass der Freistaat von weniger als 2500 Fahrzeugen pro Tag als Durchschnittsverkehr auf dieser Straße ausgegangen sei.

Prognosen rechtfertigen Radweg an der S 31

Die Initiativgruppe zweifle diese Zahlen an und eine Verkehrszählung im März 2017 gäbe ihr Recht. Dabei seien in Neusornzig 3050 Fahrzeuge pro Tag registriert worden, montags bis freitags sogar 3450. Sechs Monate habe es gedauert, diese Zahlen in Erfahrung zu bringen. Über ein Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Volkmar Winkler sei die Information öffentlich geworden, dass der Freistaat inzwischen in einer Prognose von durchschnittlich 5000 Fahrzeugen am Tag ausgehe. Deshalb sei mittlerweile in den Behörden die Erkenntnis gereift, dass ein straßenbegleitender Radweg erforderlich sei.

Holger Schilke bringt Ertüchtigung des Randstreifens ins Gespräch

Holger Schilke verwies darauf, dass noch Jahre vergehen könnten, bevor an der fertiggestellten Straße nachträglich ein Radweg zur Verfügung stehe. Standpunkt der Initiativgruppe sei, dass Sofortmaßnahmen ergriffen werden müssten. Er stellte vor, welche Möglichkeiten das Verkehrsrecht vorsehe. Dazu gehören unter anderem die „Verbesserung der Nutzbarkeit der Fahrbahnränder und Seitenstreifen“ oder die Beeinflussung der Geschwindigkeit und Stärke des Fahrzeugverkehrs. Hier sieht der Kemmlitzer Planer erhebliche Probleme. Die exakt 3,25 Meter breiten Fahrspuren seien zu knapp bemessen, um an deren Rand sicher mit dem Rad zu fahren. Dazu käme, dass man sich dort unmittelbar neben der Leitplanke bewegen würde, also keine Ausweichmöglichkeit bestehe.

Rückbau der Leitplanken gefordert

Deshalb plädiere die Initiativgruppe dafür, die Leitplanken zumindest außerhalb von Kurven- und Böschungsbereichen abzubauen und die Seitenstreifen als provisorische Fuß- und Radwege zu ertüchtigen. Unabdingbar sei es, zwischen Bockelwitz und dem Ortseingang Neusornzig, zwischen Neusornzig und dem Mügelner Stadtbad sowie vom Ortsausgang Schweta bis nach Naundorf die zulässige Höchstgeschwindigkeit durchgehend auf 70 Kilometer pro Stunde zu begrenzen.

Nach Holger Schilkes knapp halbstündigem Vortrag stimmte ihm der Landtagsabgeordnete Volkmar Winkler in der Einschätzung zu, dass Jahre vergehen würden, bevor die neu gebaute Staatsstraße mit einem Radweg nachgerüstet werde. Dafür gäbe es keinen Planungsvorlauf. Er wolle die Gedanken zu den Sofortmaßnahmen als Zwischenlösungen gern weitertragen und in dieser Richtung politisch tätig werden. Volkmar Winkler regte an, die bisher gesammelten Unterschriften zügig zu übergeben – und zwar nicht an eine Behörde, sondern an das zuständige Sächsische Ministerium für Wirtschaft und Arbeit.

Einigen Optimismus verbreitete der frühere Mügelner Bürgermeister dahingehend, dass der Ausbau dieser Straße zwischen Naundorf und Schweta „bald kommt“. Er erwarte, dass dort mit Radweg geplant und gebaut werde.

Johannes Ecke glaubt nicht an Rückbau der Leitplanken

Sein Nachfolger Johannes Ecke (Freie Wähler) bezeichnete den derzeitigen Zustand dieses Abschnitts der S 31 als untragbar. Er schloss sich der Forderung, längere Abschnitte der Straße durchgehend mit Tempo 70 auszuschildern an. Er könne sich jedoch kaum vorstellen, dass Radfahrer das Bankett nutzen, noch das dieses befestigt und verbreitert oder gar die Leitplanken demontiert würden. Johannes Ecke verwies darauf, dass die Zahlen der erwähnten Zählung im März 2017 aus einer Ferienwoche stammten. Tatsächlich läge die Belastung der Straße wohl schon jenseits von 4000 Fahrzeugen pro Tag. Das sei nicht verwunderlich, da diese Achse die kürzeste und schnellste Verbindung zwischen den Autobahnen 13 und 14 ist, so lange die B 169 nicht ausgebaut sei.

Radverkehr abseits der Staatsstraße

Volker Buschmann aus Naundorf ging auf alternative Streckenführungen für Radfahrer ein. Damit spielte er nicht nur auf die vorhergehende Diskussion über den Sinn eines Radweges zwischen Naundorf und dem Kreisverkehr vor Lonnewitz an, der einen deutlichen Umweg zu den kürzeren Verbindungen nach Oschatz darstellen würde. So war unter anderem der Neusornziger Schulberg ins Gespräch gebracht worden. Allerdings würde die Ertüchtigung kommunaler Wege für den Radverkehr die Kommunen finanziell überfordern. Johannes Ecke pflichtete dem Naundorfer Gemeinderat bei. Es wäre den Bürgern schwer zu vermitteln, wenn Elternbeiträge in Kindertagesstätten bei gleichbleibender Ausstattung steigen und gleichzeitig Radwege asphaltiert würden.

Winkler wünscht sich Rückenwind der Bürger für weiteren S-31-Ausbau

Insbesondere den Naundorfer Gästen der Veranstaltung gab Volkmar Winkler mit auf den Weg, dass es für einen baldigen Ausbau der S  31 und eines Radweges dazu günstig wäre, wenn das Projekt nicht auf massiven Widerstand bei der Bevölkerung träfe. Das könne das Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen. es sei also im Sinne des Engagements für den Radweg, wenn sich die Initiativgruppe auch für das Straßenbauvorhaben insgesamt engagiere.

Von Axel Kaminski

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