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Oschatz Interkulturelle Woche startet in Oschatz mit Flucht-Ausstellung
Region Oschatz Interkulturelle Woche startet in Oschatz mit Flucht-Ausstellung
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09:36 26.09.2018
Rohalla Mosavis Geschichte ist eine von 28, die seit Montag im Rahmen der Interkulturellen Woche in der St. Aegidien Kirche zu sehen sind. Quelle: Foto: Christian Neffe
Oschatz

Die Flüchtlinge, die Migranten, die Asylsuchenden – sprachlich werden sie immer wieder zu einer anonymen Masse gemacht. Dass dahinter jedoch ganz konkrete, individuelle Biografien stecken, wird allzu oft ignoriert. Und das obwohl – oder gerade weil – diese Biografien mehr als beachtenswert sind.

15 Jahre auf der Flucht

Beispielsweise die von Roholla Mosavi. Mit sieben Jahren floh der gebürtige Afghane mit seiner Familie vor der Gewaltherrschaft der Taliban in den Iran. Zehn Jahre lang lebte er illegal in Teheran, bis er vor drei Jahren beschloss, nach Europa zu fliehen.

„Das war eine schwierige Entscheidung, weil ich meine Familie zurücklassen musste“, sagt der 22-Jährige. „Wir konnten uns nur nachts fortbewegen, am Tag mussten wir uns verstecken.“ Im Juli 2015 erreichte er schließlich Deutschland.

Rohalla Mosavis Geschichte ist bis Samstag in der St. Aegidien Kirche zu sehen. Im Rahmen der Interkulturellen Woche präsentiert die Ausstellung „Schau mich an – Gesicht einer Flucht“ die Erfahrungen von 28 Menschen aus der Region, befreit sie aus der Anonymität, gibt ihnen die Gelegenheit, in die Öffentlichkeiten zu treten. „Wir wollten diese Geschichten herunterbrechen, mit Gesichtern und belegen und unterlegen“, so Pfarrer Christof Jochem. „Es lohnt sich immer ein zweiter Blick auf Menschen und Begebenheiten.“

Deutsche, europäische und globale Fluchterfahrungen

Die Fähigkeit für einen solchen zweiten Blick können Besucher vor Ort beweisen. Der flüchtige Beobachter überfliegt nur die in großen Lettern verfassten Kurzzitate. Doch wer sich die Zeit nimmt, auch die kleinen Buchstaben, die genauen Hintergründe, die kompletten Geschichten zu lesen, dem erst erschließt sich das Große und Ganze.

Neben Geflüchteten aus Syrien, Afghanistan, dem Kosovo oder afrikanischen Ländern kommen auch Deutsche zu Wort, beispielsweise die 75-jährige Ingrid aus Oberschlesien oder die 84-jährige Ingeborg aus dem Sudetenland. Es sind allesamt Geschichten, die nahe gehen, zum Verweilen und Denken anregen, Herz und Seele treffen.

Rohalla Mosavi hofft auf eine Zukunft in Deutschland

Rohalla Mosavi hofft, dass die Besucher auch an seiner Geschichte Anteil nehmen. „Ich möchte, dass die Menschen wissen, warum ich hier bin, warum ich hier her kommen musste“, sagt er. Seit drei Jahren lebt er in einer Unterkunft in Oschatz, in einem kleinen Zimmer ohne Bad, das er mit einem Mitbewohner teilen muss.

Vor kurzem wurde sein Asylantrag abgelehnt. Er hat Widerspruch eingelegt. Ein Integrationskurs blieb ihm bisher verwehrt, eine Ausbildung ebenso. Die negativen Bescheide hätten viele Hoffnungen zerstört, sagt er. Einen leichten Schimmer gibt es aber: Der junge Flüchtling hat kürzlich einen Job gefunden, im Lager des Großhändlers Dorow. „Viele von uns bleiben den ganzen Tag in der Unterkunft. Aber da bekommt man Depression – das will ich nicht.“

Von Christian Neffe

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