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Ist Oschatz eine fahrradfreundliche Stadt?

Test Ist Oschatz eine fahrradfreundliche Stadt?

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und das Bundesministerium für Verkehr wollen es genau wissen: Die Oschatzer sollen abstimmen, wie fahrradfreundlich ihre Stadt ist. Gemeinsam mit der Partei Bündnis 90/Die Grünen trommeln derweil für eine sichere Radwege in ganz Sachsen. Auch in Oschatz gibt es Nachholbedarf.

Gefährliches Pflaster für Radfahrer: Die Bahnhofstraße in Oschatz.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Wie gut ist das Klima für Radfahrer im Oschatzer Stadtgebiet? Darüber können Interessierte bis 30. November per Post oder Internet abstimmen. Fragebögen liegen in den Fahrradfachgeschäften der Stadt aus – dank Uta Schmidt. Die Grünen-Stadträtin unterstützt die Aktion des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Ihre Partei wagt zudem einen Vorstoß in Richtung Landesregierung zur Problematik: Fahrradfreundliche Städte, Sicherheit für Radfahrer und mehr Geld für Radverkehr in den Kommunen gehören dazu.

Im ersten Halbjahr 2016 verunglückten in Sachsen 1890 Radfahrer, laut Statistischem Landesamt kamen elf davon ums Leben. Für ADFC-Chef Olaf Matthies gehen zwei von drei der Unfälle auf Autofahrer zurück, die die Vorfahrt missachten oder nicht mit Radfahrern rechnen. Schlecht einsehbare Kreuzungsbereiche, Radwege, die zu schmal sind, plötzlich enden oder mit Fußgängern gemeinsam genutzt werden, erhöhen das Unfallrisiko, sagt er. Ziel müsse sein, unbürokratisch in sichere Radwege zu investieren.

Etat für Radverkehr soll aufgestockt werden

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Katja Meier unterstützt die Bemühungen und fordert Sachsens Regierung zum Handeln auf. Die im Koalitionsvertrag beschlossene Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte sei noch nicht gegründet, ferner solle im Wirtschaftsressort eine eigene Abteilung fürs Radwesen entstehen und der Etat für Radverkehr auf 20 Millionen Euro jährlich steigen.

All diese Schritte seien wichtig, um den Radfahrern in Großstädten zu mehr Sicherheit zu verhelfen, sagt Uta Schmidt. Die passionierte Radfahrerin schätzt die Kleinstadt Oschatz als nicht vollkommen fahrradunfreundlich ein. Verbesserungen seien dennoch notwendig. So fehle ein Stoppschild an der Einmündung Bahnhofstraße/Friedensstraße. Die Bahnhofstraße allgemein sei ein gefährliches Pflaster. Nachholbedarf sieht sie bei der Beschilderung im gesamten Stadtgebiet und bei der Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung. „Diese Praxis ist zulässig und könnte ohne Weiteres in der Seminarstraße umgesetzt werden“, sagt sie.

Grünen-Stadträtin wirbt für Fahrradklimatest

Deshalb bemüht sich Uta Schmidt um Teilnehmer für den Fahrradklimatest. Erst wenn 50 Menschen mitgemacht haben, taucht eine Stadt der Oschatzer Größenordnung in der Auswertung auf und kann berücksichtigt werden. „Auf dem Radatlas ist Oschatz noch ein weißer Fleck“, so Schmidt. Der Radtourismus habe eine bessere Lobby als die Alltagsradler. „Im Altkreis Oschatz sehe ich derzeit keinen Bürgermeister, der sich vor den Karren spannt und dafür wirbt, dass seine Stadt oder die Nachbarkommunen fahrradtauglicher werden“, so die Oschatzerin.

Für Christian Zieger, CDU-Stadtrat und Fahrradhändler, ist der Test nicht zielführend: „Wir haben im Stadtrat bereits ein Konzept für den Radverkehr in der Stadt verabschiedet. Das wird jedoch aufgrund fehlender Mittel und anderer Prioritäten, die eine Stadtratsmehrheit durchgesetzt hat, nicht umgesetzt.“ Die Einbahnstraßen für Räder zu öffnen, sei nicht möglich, da die Fahrbahnen nicht breit genug seien, erklärt er. Dies wiederum sei durch Förderkriterien der Stadtsanierung bedingt.

Die Sicherheit spielt für viele Radnutzer eine große Rolle, meint Schmidt. „Das Bewusstsein für ausreichende Beleuchtung, Schutz und verkehrstaugliche Räder ist enorm angestiegen“. Das erklärt auch, weshalb die Zahl der verunglückten Radfahrer im Freistaat seit dem Jahr 2000 konstant bleibt, obwohl heute dreimal mehr Radfahrer unterwegs sind als Mitte der 1990er Jahre.

Von Christian Kunze

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