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Oschatz Jähe Wendung: Freispruch
Region Oschatz Jähe Wendung: Freispruch
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16:54 08.05.2014
Sie kam unerwartet

Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung plädierten gestern am Landgericht Leipzig auf Freispruch.

Von Gabi Liebegall

Dass es am zweiten Tag der Hauptverhandlung zu einer so jähen Wende kam, war nicht abzusehen. Gehört wurden noch vier Zeugen - ein Psychologe aus dem Fachkrankenhaus Hubertusburg, eine Oschatzer Polizistin, eine Mitarbeiterin des Jugendamtes beim Landratsamt Nordsachsen und eine Kriminalistin aus Grimma. Richter Berthold Pfuhl fragte sie, ob das vermeintliche Opfer mit ihr über Missbrauch gesprochen habe: "Sie hat davon erzählt. Der Vater habe ihr das T-Shirt über den Kopf gezogen und dann noch ein Handtuch drüber", erzählte die Ermittlerin. Der Vater habe seine Tochter aufs Bett geworfen und ihr den Mund mit einem Handtuch zugebunden. Außerdem sei sie mit einem Holzscheit geschlagen worden.

"Hat sie auch etwas von einem Hund oder einer Stichsäge erwähnt", wollte Pfuhl wissen. Das aber verneinte die Kriminalistin.

Der vorsitzende Richter Pfuhl und Richter Bernd Grimmer verlasen die Ergebnisse zweier Durchsuchungsbeschlüsse. Gefunden worden seien beim Vater ein Dildo und ein Vibrator - Geräte zur sexuellen Stimulation, außerdem Sperma-Spuren vom Vater im Kinderzimmer und im Schlafzimmer. Dort waren neun Proben genommen worden. Es sei aber auch eine Sperma-Spur gefunden worden, die einem Dritten zugeordnet werden müsse, so Pfuhl.

Für Prozessbeobachter zeichnete sich ab: Das Gericht konnte dem 38-Jährigen die Taten nicht nachweisen. Deshalb folgte das Schöffengericht am Landgericht Leipzig den Anträgen der Parteien und sprach den Angeklagten frei.

In der Begründung sagte Pfuhl, dass sich das vermeintliche Opfer bei der Befragung in Widersprüche verwickelt habe. "Sie sollte schildern, wie sich der erste Missbrauch abgespielt hat." Dabei sei eine ganz andere Version als die heraus gekommen, "die sie bei der Polizei abgegeben hat", sagte Pfuhl. Die junge Frau habe "in hohem Maße ihre Fantasie eingebracht". Das alles würde keine Verurteilung stützen. In diesem Fall heiße es: "In dubio pro reo!" - Im Zweifel für den Angeklagten. Den Juristen sei es auch lieber, wenn ein Schuldiger freigesprochen werde, als einen Unschuldigen im Gefängnis zu sehen. Der 38-Jährige verließ als freier Mann den Gerichtssaal.

Gabi Liebegall

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