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Jakobskreuzkraut ist auch in Nordsachsen eine Gefahr für Weidetiere

Giftpflanzen Jakobskreuzkraut ist auch in Nordsachsen eine Gefahr für Weidetiere

Vor allem in Pferdehalterkreisen wird derzeit viel über das für Weidetiere giftige Jakobskreuzkraut diskutiert. Auch im Landkreis Nordsachsen ist diese Pflanze anzutreffen. Fachleute raten Tierhaltern, sich über die Pflanze schlau zu machen.

Das Jakobskreuzkraut.

Quelle: dpa

Nordsachsen. Mit leuchtend gelben Blüten fällt das Frühlingskreuzkraut an Straßenrändern besonders gut auf. Auf Feldern und Wiesen ist im Sommer das Jakobskreuzkraut häufig zu finden, das sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend von Süden bis Mitteldeutschland verbreitet hat. Doch Vorsicht! Dieses Kraut ist giftig – gefährdet sind vor allem Nutztiere. Daher warnt auch der Pflanzenschutzdienst Feldbau des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie vor der Pflanze. Schon 2013 hat er ein Merkblatt herausgegeben, das an Aktualität nichts verloren hat. Es enthält wichtige Hinweise zum Umgang mit dem Jakobskreuzkraut.

Im Landkreis Nordsachsen sieht die Mockrehnaer Außenstelle des Landesamtes im betrieblichen Bereich kein vordergründiges Problem bei sachgemäßer Weidebewirtschaftung. Auf Flächen, die nicht ordnungsgemäß bewirtschaftet würden, trete es aber auf, sagt Gerhard Riehl, Referent Pflanzenbau im Landesamt. „Deshalb liegen die Fehler beim Menschen“, so der Fachmann. Vor allem Pferdehaltern rät er, sich über die Pflanze, die sich gern auf kahlen Böden, Extensivstandorten, schlecht gepflegten Weiden mit Trittschäden, Grünlandbrachen und Wegesrändern ansiedelt, kundig zu machen.

Schwerer Nachweis

Besonders gefährlich ist das Jakobskreuzkraut für Weidetiere. „Die hochgiftige Pflanze ist bei Rinder- und Pferdehaltern im Gespräch. Die Landwirte kennen sich aus. Daher hatte ich selbst auch noch keinen Fall einer solchen Vergiftung zu versorgen. Doch Achtung ist geboten“, sagt die mobile Tierärztin Barbara Zwaniecka. Bisher gäbe es in der Region noch keinen Fall von Vergiftung, betont auch Uwe Hörügel vom Pferdegesundheitsdienst der sächsischen Tierseuchenkasse. „Es ist jedoch auch nur sehr schwer nachzuweisen. Es ist ein schleichender Prozess, der oft nur durch erhöhte Leberwerte in Erscheinung tritt. Wenn das Tier nicht gut frisst, schläfrig ist und sich gelbe Schleimhäute an Augen und Mund bilden, sollte dringend das Futter nachkontrolliert und durch neues ersetzt werden. Sollte es schlimmer werden, und das Tier gar nichts mehr fressen, empfehle ich, dringend einen Tierarzt aufzusuchen. Durch das Gift zersetzt sich die Leber oder hört auf zu arbeiten. Ein leichtes Ödem am Bauch ist auch ein Merkmal. Es ist schwer festzustellen“, so der Experte. Mit einer Infusion und Leberschutztherapie stünden die Heilungschancen für Pferd und Rind aber sehr gut. Besitzer von Weidetieren sollten sich daher ausführlich über die Pflanze informieren. Die Koppel müsse regelmäßig abgegangen werden. Wenn ein solches Jakobskreuzkraut auftritt, ist dieses großräumig mit dem Spaten auszustechen. Auch die Wurzel muss vollständig aus der Erde entfernt werden, gibt das Merkblatt Auskunft.

Höchste Giftkonzentration in der Blüte

Die höchste Konzentration der Alkaloide weisen die Blüten der Pflanzen auf. Selbst junge Pflanzen enthalten bereits in hohem Maße giftige Pyrrolizidinalkaloide. Jedoch haben sie weniger Bitterstoffe, weshalb sie besonders von jungen und unerfahrenen Tieren gefressen werden. „Ausgewachsene Tiere haben den natürlichen Instinkt, das Kreuzkraut zu meiden. Ist es jedoch bereits ins Heu geraten, ist es für die Rinder und Pferde kaum noch möglich, dies zu unterscheiden. Der Giftgehalt lässt dann zwar nach, ist aber noch lange nicht ungefährlich“, warnt Hörügel.

Die Cavertitzerin Andrea Hanisch hat auch schon von dieser Pflanze erfahren. Ihre Pferde befinden sich im Gestüt in Cavertitz. „Wir gehen regelmäßig die Koppeln ab und achten darauf, ob wir eine solche Pflanze sehen. Bisher hatten wir immer Glück. Unsere Pferde haben dieses Kreuzkraut noch nie angerührt, aber jeder Pferde- und Rinderbesitzer sollte die Augen offen halten.“

Auf die Verantwortung der Tierhalter verweist auch Tilo Bischoff, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Hohenprießnitz, deren Mutterkühe und Fräsen im Sommer bis spät in den Herbst hinein auf Weideflächen grasen. „Jeder Tierhalter muss sich die Weiden, auf die er seine Tiere stellen will, genau ansehen, denn es gibt neben den Kreuzkräutern noch andere giftige Pflanzen“, sagt der Landwirt, dem das Jakobskraut-Problem seit Langem bekannt ist. „Damit hatten wohl schon unsere Großeltern zu tun.“ Für seine Zunft nimmt Bischoff in Anspruch, ordentliche Weidewirtschaft zu betreiben und deshalb mit diesem Kraut keine Probleme zu haben.

Von Kristin Engel und Thomas Steingen

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