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Oschatz Jens Oßendorf träumt von einer eigenen Brauerei in Großböhla
Region Oschatz Jens Oßendorf träumt von einer eigenen Brauerei in Großböhla
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06:02 05.05.2018
Jens Oßendorf aus Oschatz braut seit 2014 eigenes Bier – die Ausrüstung dafür passt in seinen Kofferraum. Quelle: Foto: Christian Neffe
Oschatz

Angefangen hatte alles mit einer Flasche „Riedenburger Dulden Sud“. 2013 hatten Jens Oßendorf und sein Freund Johannes das ungewöhnliche Bier in einem kleinen Laden entdeckt. „Da hat sich für mich eine Welt geöffnet“, erinnert sich Oßendorf.

Zum einen die Welt des Geschmacks: Nach dieser Flasche India Pale Ale (IPA) war ihm klar, wie Bier abseits von Pils und Hefeweizen schmecken könne. Und zum anderen die Welt des Brauens. Oßendorf hatte Blut, oder besser: Bier geleckt. Inzwischen braut er längst sein eigenes Bier.

Mit Windeln filtriert

Im Januar 2014 erfolgte der erste Selbstversuch. Ganz simpel, mittels eines einfachen Kochtopfes, diverser Hausmittel und – natürlich unbenutzten – Windeln zum Filtrieren. „Wir haben bis 4 Uhr früh geschuftet und am Ende lediglich vier Liter Würze herausbekommen“, sagt der 37-Jährige. Eine ernüchternde Ausbeute.

Also stellte er sich nach und nach eine richtige Brauanlage zusammen. Zwar hätte er auch einfach einen Brauautomaten kaufen können. „Ich will aber noch selbst rühren.“ Außerdem brauchte es nicht viel: bei einer Leipziger Brauerei bekam er ein nicht mehr benötigtes Fass, dazu kam ein großer Kessel, eine Kühlwasserspirale, ein Schlauch und eine Schöpfkelle. Deshalb kann Oßendorf seine Ausrüstung auch problemlos im Kofferraum seines Kombis verstauen und transportieren.

Noch kein Bier zweimal gebraut

Kürzlich hat er seinen 66. Brauvorgang abgeschlossen. Und noch nie habe er dabei das gleiche Bier zweimal gebraut. Bockbier, Roggenlager und experimentelle Sorten (wie ein belgisches Wit-Bier, das mit Orangenschale und Koriander zubereitet wird) waren ebenso darunter wie die schwierigeren Klassiker. „Pils ist schon eine höhere Kunst“, sagt er. Die höchste aber sei ein Helles.

Als Laie ist man dabei bereits mit dem Fachjargon überfordert: Maische, Mälzen, Trebe, Würze, Läutern, Grad Plato, ober- und untergärige Hefe. Die wenigen Schritte, die es beim Brauen zu befolgen gibt, haben ihre ganz eigenen Regeln. Die aber lassen sich, je nach angestrebtem Geschmack, ganz unterschiedlich interpretieren.

„Man kann sich wunderbar austoben“

Verschiedene Zutaten in unterschiedlicher Dosierung und mehrere Arten, all das zu verarbeiten: Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos zu sein. „Es ist toll, etwas selbst herzustellen, was dann auch noch schmeckt. Und man kann sich dabei wunderbar austoben“, beschreibt Oßendorf sein Hobby, bei dem er noch immer dazulerne. „Ich weiß nicht, ob ich schon komplett durchgestiegen bin.“

Zwar sei es auch sehr zeitaufwendig, finanziell halte es sich jedoch im Rahmen: „Man kann ganz wenig bis ganz viel Geld hineinstecken.“ Sein Wissen möchte er im Herbst bei einem Bierbraukurs an der Oschatzer Volkshochschule weitergeben.

Rund sechs Stunden dauert so ein Brauvorgang. Hinzu kommen ein bis zwei Wochen Gärung und anschließend zwei bis sechs Wochen Reifung bei niedrigen Temperaturen. „So ein Imperial Stout kann aber schon mal ein Jahr benötigen.“

Nur 200 Liter jährlich steuerfrei

Kürzlich erst musste Oßendorf 3,15 Euro für 60 Liter Bier an die Zollbehörde Dresden überweisen, berichtet er schmunzelnd. Als Hobbybrauer dürfe er jährlich nur 200 Liter für den Privatgebrauch herstellen. Alles, was darüber hinaus geht, müsse er abhängig von Volumen und Zuckergehalt versteuern.

Seine Rohstoffe bekommt er nicht im Einzelhandel, sondern von Brauereien, Mälzereien oder Bauern. Letztere tauschten ihren Hopfen meist gegen Bier ein. Und zur Not helfe auch das Internet.

Der Traum von der eigenen Brauerei

Vor einigen Jahren zog es Oßendorf von Leipzig nach Oschatz – und jetzt zieht es ihn nach Großböhla. Dort hat er ein Grundstück und ein altes Haus erworben.

Sobald das renoviert sei, wird er in die kleine Ortschaft nahe Dahlen ziehen. Und dort hat er einen großen Traum: Eine Genossenschaft zu gründen, die alte Scheune in der Nähe zu kaufen und darin eine Brauerei einzurichten. „Dann könnten wir Bier von hier und für hier herstellen, zum Beispiel für Dorffeste.“ Und wer weiß, vielleicht steht in einigen Jahren ja auch ein „Großböhlaer Dulden Sud“ in den Supermarktregalen.

Von Christian Neffe

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