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Oschatz Jugendliche möbeln alte Post in Collm wieder auf
Region Oschatz Jugendliche möbeln alte Post in Collm wieder auf
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06:00 25.03.2017
Georg Knittel und Jürgen Mühlberg (hinten, v.l.) freuen sich über die Unterstützung der Schüler. Quelle: Jana Brechlin
Collm

Nach dem Unterricht auf die Baustelle: Das ist für gut ein Dutzend Jugendliche der Naundorfer Werkschule seit rund einem Jahr Programm. Sie gehören zur Kinder- und Jugendbauhütte, einem Ganztagsprojekt für mehr Praxiserfahrung für Schüler, das es in ähnlichen Varianten bereits in mehreren Bundesländern gibt. Mit Sachspenden haben Privatpersonen und Handwerksfirmen Ausstattung zur Verfügung gestellt, so dass neben Schutzkleidung und Werkzeug auch Baumaterial eingelagert werden konnte. Nach ersten Arbeiten auf dem Naundorfer Schulgelände – hier haben die Mädchen und Jungen zum Beispiel geholfen, Putz abzuhacken – hat die Kinder- und Jugendbauhütte jetzt ein neues Projekt in Collm begonnen. Hier helfen die Schüler mit, in der alten Post Baufreiheit zu schaffen. Später soll daraus eine Herberge werden.

Bei näherem Hinsehen entdeckt man idyllische Details, aber auch deutliche Spuren von Wind und Wetter an der alten Post. Quelle: Jana Brechlin

Das kleine Gebäude an der Lampersdorfer Straße stand jahrelang leer. Ein Verkauf scheiterte oft daran, dass das um 1800 erbaute Haus unter Denkmalschutz steht und deshalb nur mit Auflagen wieder hergerichtet werden kann, ein Abriss war nicht gestattet. Jetzt hat das Häuschen dennoch den Besitzer gewechselt, neuer Eigentümer ist voriges Jahre gegründete Verein „Landregen“, zu dem auch der Collmer Georg Knittel gehört. „Wir wollen etwas für die Region tun und Werte schaffen“, sagt Knittel. Dazu gehöre, alte Gebäude vor dem Verfall zu schützen und wieder nutzbar zu machen. Das alles solle einhergehen mit Kultur, Traditionspflege, sanftem Tourismus und generationsübergreifendem Arbeiten. Schön sei, dass jetzt Schüler die Baustelle für sich entdeckt haben und hier praktische Fähigkeiten erlernen können. „Wir wollen Kinder und Jugendliche für den Denkmalschutz sensibilisieren. Sie können hier erleben, dass ein altes Haus wieder wohnlich wird und nicht zwingend abgerissen werden muss“, sagt Jochim Zehme, der der Kinder- und Jugendbauhütte als Projektleiter zur Seite steht. Erst einmal müssten Tapeten ab- und Fußböden herausgerissen werden, um mehr von der Bausubstanz zu sehen. Fachlich werden die Arbeiten an der alten Post in Collm von Jürgen Mühlberg begleitet. Der Oschatzer ist Bauingenieur und Mitglied im Verein Rettet St. Aegidien und somit erfahren im Umgang mit alten Bauten.

Die in die Jahre gekommene Eingangstür. Quelle: Jana Brechlin

„Wir sind noch ganz am Anfang“, sind sich Georg Knittel und Joachim Zehme einig. Erste Absprachen mit der Denkmalbehörde seien bereits getroffen worden, nun gehe es darum, Stück für Stück das Haus zu erhalten und zu sanieren. „Das Dach ist erst einmal in Ordnung, aber das Ständerwerk muss auf jeden Fall saniert werden, und dann müssen auch die Fachungen neu geputzt werden“, so Zehme. Ziel es sei, so viel Altes wie möglich zu erhalten, etwa die hölzerne Eingangstür. „Die können wir auch wunderbar mit nach Naundorf nehmen und dort gemeinsam mit den Schülern aufarbeiten.“ Der Verein „Landregen“ plant, aus dem alten Gebäude eine Herberge zu machen, auch ein Raum der Stille könnte hier entstehen.

Bis es soweit ist, liegt noch viel Arbeit vor den Vereinsmitgliedern und ihren Helfern. Positive Effekte gebe es aber schon jetzt, ist Joachim Zehme überzeugt: „Erfahrene Handwerker sind bei uns zu Gast und zeigen den Kindern die richtigen Handgriffe, da kann man schon viel lernen und wichtige Erfahrungen sammeln. Außerdem schafft so eine Herausforderung auch Gemeinschaft, und das ist ein schönes Erlebnis.“

Von Jana Brechlin

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