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Junge Oschatzer sollen Ausländer krankenhausreif geschlagen haben

Justiz Junge Oschatzer sollen Ausländer krankenhausreif geschlagen haben

Mit der Faust soll ein Ausländer in Oschatz verletzt worden sein. Zwei 28-Jährige müssen sich in einem Prozess am Landgericht Leipzig diesem Tatvorwurf stellen. Ein Urteil steht noch aus.

Vor Justitia mussten sich zwei Oschatzer im Landgericht Leipzig verantworten.

Quelle: Heike Lyding

leipzig/oschatz. Die beiden jungen Oschatzer – jeweils 28 Jahre – waren mit dem Urteil des Amtsgerichtes Torgau ganz und gar nicht einverstanden. Hier wurden sie im vergangenen Sommer einmal wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe sowie wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten Haft verurteilt. Sie gingen in Berufung.

Justitia ist bei der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Leipzig stark vertreten: Die Vorsitzende Richterin Gabriela Walburg, zwei Schöffen sowie drei Oschatzer Anwälte. Rainer Horbas und Grit Wetzig vertreten die beiden Angeklagten, und Mandy Pallme den Nebenkläger.

Den beiden vorbelasteten mutmaßlichen Tätern wird vorgeworfen, Anfang Oktober 2015 in einem Oschatzer Biergarten mit einer Bierflasche nach einem 40-jährigen ausländischen Mitbürger geworfen und ihn dabei im Gesicht verletzt zu haben. Er musste im Krankenhaus behandelt werden.

Die beiden Angeklagten werden in der Hauptverhandlung als der „Kleine“ und der „Große“ geführt. Während der Große keinerlei Aussagen an diesem Tag macht, spricht der Kleine, so oft er das darf. Er gibt zu, Mist gebaut zu haben. Im nüchternen Zustand zum Beispiel wäre er verbal nicht so entgleist.

Der Fall wird noch einmal aufgerollt. Als die beiden jungen Männer an dem betreffenden Biergarten vorbei gelaufen seien, habe der Kleine zu einem ausländischen Gast gesagt: „Du hast eine schöne Frisur, siehst aus wie Leonardo di Caprio.“ Daraufhin sei der später Geschädigte aufgestanden, an den Zaun gegangen und hätte die Hand des Kleinen zu sich durchgezogen. Der aber habe die Hand zur Versöhnung hingehalten. „Wir wollten keinen Stress“, sagt er. Der Nebenkläger erklärt, dass der Deutsche gesagt habe: „Bist du schwul?“ Außerdem seien Sätze gefallen wie: „Kanake, geh dahin, wo du hergekommen bist!“ Und: „Du scheiß Jude!“ Der Kleine meint, dass sich die Sache hochgeschaukelt habe. Beide Seiten seien schuld. „Wir haben alle unsere Vergangenheit“, betont er und ergänzt, dass sich beide doch wehren mussten. Deshalb habe er eine Gegenanzeige erstattet. „Aber die wird bestimmt unter den Tisch gekehrt!“ Auch wenn das blöd klinge: „Ich weiß schon, wie das hier ausgeht“, sagt er zur Richterin gerichtet. Für beide steht viel auf dem Spiel, denn sie stehen noch unter Bewährung.

Im Laufe der Hauptverhandlung konnten Staatsanwalt Rothe und die Vorsitzende Richterin bestätigen, dass das Gericht auch im Fall der Gegenanzeige tätig ist. Mehrmals betont der 28-Jährige, dass die Situation unüberschaubar gewesen sei. Es sei alles sehr schnell gegangen. Er spricht der Richterin ins Gewissen: „Wir beide haben unser Leben völlig umgekrempelt. Wenn das unter unseren Füßen wegbricht, zweifle ich am gesamten System.“

Gericht, Staatsanwalt und die Verteidiger bemühen sich redlich, Licht ins Dunkel zu bringen. Aber im Laufe der Zeugenvernehmung wird das immer schwieriger, denn alle Aussagen unterscheiden sich.

Das Einzige, das einen kleinen Eindruck über die Situation vermittelt, ist eine Video-Aufzeichnung einer Zeugin. Darauf wird gegrölt, skandiert, beschimpft, und es fliegen Flaschen, die auf den Fußboden fallen, an der Wand zerbersten, eine Schaufensterscheibe wird getroffen und kracht ein, und der 40-Jährige wird verletzt. Deutlich zu hören ist der Begriff „Schwuchtel“. Der Kleine gibt zu, dem Geschädigten eine mit der Faust gegeben zu haben. Das aber kann das Opfer nicht einmal bestätigen. Aufgrund der Verletzung sei er zwei Wochen krank geschrieben gewesen und habe seine Arbeit verloren. Außerdem quälten ihn Ängste.

Auch nach fünf Stunden gibt es kein Ergebnis. Richterin Walburg entscheidet sich in Absprache mit den Prozess-Beteiligten für einen Fortsetzungstermin Ende Mai. Denn: Selbst die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung können dem Kleinen, er soll das Opfer mit der Flasche getroffen haben, nicht zugeordnet werden.

Von gabi liebegall

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