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Oschatz Kann Oschatz mehr als Gartenstadt? Galeriegespräch gibt Denkanstöße
Region Oschatz Kann Oschatz mehr als Gartenstadt? Galeriegespräch gibt Denkanstöße
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17:09 10.10.2017
Was hat, was kann, was braucht Oschatz? Das diskutierten in der Stadthalle Eleonore Reichel, Holger Schmidt, Jens Müller, Steven Dornbusch und Ralph Hausmann. Quelle: Foto: Christian Kunze
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Oschatz

„Früher in jedem zweiten Fenster eine Glasseide, heute in jedem zweiten Fenster eine Lebenshilfe“ – so brachte Ute Grätz, Besucherin des zweiten Galeriegesprächs, eine Entwicklung betreffs der größten Arbeitgeber in Oschatz auf den Punkt. Am Montagabend loteten ein vierköpfiges Podium und das Publikum, besteht aus 50 Interessierten, das touristische, kulturelle und wirtschaftliche Potenzial der Stadt aus, Motto: „Oschatz – Nabel der Welt?!“.

Stadt schrumpft und wird älter

Impulse lieferten zwei fest in Oschatz Verwurzelte, Bibliothekarin Eleonore Reichel und Holger Schmidt, Stadtrat, Mitglied des Oschatzer Lionsclubs und Inhaber eines derzeit in Oschatz expandierenden Autohauses. Hinzu kamen Zwei, die Oschatz zeitweise oder dauerhaft verlassen haben. Jens Müller zog es aus familiären Gründen nach einem Abstecher nach Frankfurt/Main wieder in die Heimat, Steven Dornbusch kehrte nicht an die Döllnitz zurück, weil er sich als Eventmanager hier „nicht verwirklichen“ konnte.

Die Stadt schrumpft und wird älter – das unterscheidet sie nicht von anderen Orten der gleichen Größenordnung. Jedoch könne man individuell entgegenwirken, wenn man sich auf das besinnt, was möglich ist. „Keiner braucht das Rad neu erfinden, wir haben genügend fertige da“, meinte Holger Schmidt. Er verwies auf günstiges Bauland, niedrige Mieten und ein gutes Angebot an Kitaplätzen und Schulen. Das, verbunden mit einem starken Mittelstand, gelte es in den Fokus zu nehmen. „Wenn wir wollen, dass die Leute hier ihr Geld ausgeben, müssen wir ihnen Anreize bieten, es hier zu verdienen, oder wenigstens die Rahmenbedingungen für eine Heimat“, so Schmidt. Vom Traum großer Gewerbeansiedlungen empfahl er, Abstand zu nehmen.

Persönliche Kontakte und direktes Anpacken

Einig waren sich die vier Podiumsgäste dass man die Abwanderung junger Menschen abmildern und Anreize für den Zuzug von Familien schaffen müsse. Erwartungsgemäß gingen jedoch die Ansichten dazu auseinander, wie dies erreicht werden kann. Während Jens Müller (geb. 1981) empfahl, die digitale Welt, in der Jugendliche sich wie selbstverständliche bewegen, mehr einzubeziehen und Oschatzer Aktivitäten in sozialen Netzwerken populärer zu machen, setzen Schmidt (geb. 1968) und Reichel (geb.1957) auf persönlichen Kontakt und das direkte Anpacken. „In Facebook lese ich sehr oft, wer genau wo, wann und mit wem gewesen ist. Das genügt nicht. Meine Erfahrung zeigt, dass nach großen Veranstaltungen in Oschatz wie etwa der Modenacht, immer nur ein Bruchteil der Akteure noch da ist, um aufzuräumen. Das sind stets die gleichen, meist älteren und zu wenige. Hier müssen wir ansetzen und Aufgaben breiter verteilen – das schafft Akzeptanz und bringt Bewegung rein“, sagt Schmidt.

Reichel hat in der Bibliothek Kontakt zu allen Altersgruppen. „Wir müssen den jungen mehr Chancen zu geben, sich zu verwirklichen und als erfahrene trotzdem zur Seite stehen. Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber wenn jeder weiter für sich arbeitet, kommen wir tatsächlich keinen Schritt voran. Das muss sich ändern.“

Als gelungene Veranstaltung mit Nachahmungscharakter wurde am Abend mehrmals das von Dennis Bach und Felix Knabe initiierte Oktoberfest am Finanzamt genannt. Hier, so der Tenor, feierten alle Generationen gemeinsam, was es zu fördern gelte. Der Lärmpegel beim Fest erntete jedoch auch Kritik. Potenzial gebe es auch im E-Werk. „Wir haben ein offenes Café, das Jugendliche selbst verwalten können. Allerdings bliebt hier das Interesse im Moment aus“, so Alexander Beck vom Vorstand. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch die Wiederbelebung der einst gescheiterten Genossenschaftskneipe.

Mit dem Willen etwas zu erneuern, zu verändern und damit die Stadt zu bereichern sei auch Steven Dornbusch in seiner Heimat angetreten. Nach den ersten Erfolgen haben er überwiegend Neid und Missgunst, aber wenig Unterstützung erfahren – weshalb er seinen Wirkungsmittelpunkt in die Großstadt verlagert hat. „Ich habe, konkret bei der Organisation des Stadtfestes, erfahren müssen, dass es in einigen Vereinen Strukturen gibt, die Neues nicht zulassen“. Begründet sei dies seiner Meinung nach in „Angst vor Veränderungen“ und „Klammern an Erfolge“. Dieses Empfinden könne er nachvollziehen. „Wer will schon gerne von dem ablassen, was er selbst geschaffen, selbst aufgebaut hat?“. Bedauerlich sei dagegen, dass nach außen hin neue Impulse mit anderen Argumenten negiert werden. „Da heißt es dann schon im Vorfeld ganz schnell ,Das klappt doch sowieso nicht’ oder ,Es bleibt alles so, wie wir es schon immer gemacht haben’“, führt er als Beispiele an.

Holger Schmidt hielt dagegen, es gebe niemanden, „der Knüppel zwischen die Beine wirft“. Wenn es Diskrepanzen gebe, sollten diese ausgeräumt werden – in Form eines Vereinsstammtisches, der auch Möglichkeiten des Miteinanders auslotet. Gesprächsbesucher Thomas Grundmann brachte im sozialen Netzwerk Facebook als Initiator eines solchen Oberbürgermeister Andreas Kretschmar ins Spiel.

Von Christian Kunze

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