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Kasperett mit ohne Konzept

Kasperett mit ohne Konzept

Gibt man den Begriff "Musik-Kasperett" in eine Internet-Suchmaschine ein, erhält man 27 000 Treffer. Deutschsprachige Ergebnisse führen meist zu dem Duo, das den Begriff erfunden hat.

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Stefan Schramm (links), alias "Ines Fleiwa" und Christoph Walther, auf der Bühne besser bekannt als "Cordula Zwischenfisch" blödeln sich durch den Abend in der Oschatzer Stadthalle "Thomas-Müntzer-Haus". Was sie als "Die bekannte Band Zärtlichkeiten mit Freunden" bieten, polarisieren das Publikum.

Quelle: Sven Bartsch

"Zärtlichkeiten mit Freunden" prägen ihr eigenes Genre. Was sie auf der Bühne veranstalten, ist schwerlich einzuordnen.

 

Was bleibt nach zweieinhalb Stunden Musik-Kasperett in der Oschatzer Stadthalle? Stefan Schramm und Christoph Walther polarisieren. Ein Mannschatzer Ehepaar verlässt in der Pause den Saal, kehrt zur zweiten Halbzeit aber nicht zurück. Eine junge Frau aus Naundorf ist hingegen dermaßen begeistert, dass sie "Ines Fleiwa" und "Cordula Zwischenfisch" so die Künstlernamen der zwei Musik-Komiker, als Stimmungsmacher für zuhause buchen möchte.

 

Wer anspruchsvolles Kabarett erwartet, geht enttäuscht aus diesem Gastspiel, wer einen Abend den Alltag vergessen wollte, dürfte im Großen und Ganzen zufrieden sein. Das Konzept der Blödelbuben besteht offenbar darin, dass sie keines haben. Einen roten Faden sucht man vergeblich, vielmehr flicht "die bekannte Band" ein Seil aus allerhand Comedy-Versatzstücken. Dieses franst leider immer wieder aus und hinterlässt nicht selten großes Chaos.

 

Stärke und Alleinstellungsmerkmal von "Zärtlichkeiten mit Freunden" sind die Fragmente, die die Region ins Zentrum des Witzes und damit des Interesses rücken. Oschatz sei "strukturschwache Region", die Einwohner hier hätten "nur noch die Hoffnung, dass mal wieder Landesgartenschau ist". Geflucht wird kaum auf der Bühne, aus Rücksicht auf die Kinder. "Wenn die das nachplappern, bekommen sie Hausarrest - und dürfen nicht mehr ins Platsch-Bad, dann habt ihr den Salat", frotzelt Christoph Walther. Lokaler kann Humor kaum sein. Deshalb ernten diese Pointen, in denen auch Mügeln und der Liebschützberg vorkommen, den meisten Applaus der über 400 Zuschauer.

 

Dem geübten Kabarett-Gänger gefallen die Wortspiele, die vor allem Christoph Walther immer wieder einstreut. Da wird der Porsche Cayenne eines Bekannten zur "Pfeffermühle", die bereits verstorbenen Interpreten der Lieder, die das Duo spielt, sind "nicht mehr unter uns, obwohl sie unter uns sind" und da das Song-Spektrum der Band überwiegend Sprechgesang beinhalte, nennt Walther es kurzerhand "Rapper-toire".

 

Walther ist die treibende Kraft und impulsiver, cholerischer Gegenpol zu Stefan Schramm, der kaum den Mund aufbekommt, sondern E-Gitarre und Mundharmonika erklingen lässt. Walthers Batman-T-Shirt soll wohl davon ablenken, dass er alles andere als den Superhelden gibt. Seine Slapstick-Schlagzeug-Einlagen sind die markantesten der optischen Gags, die die zwei Clowns, wie auch die Wortspiele, im Minutentakt liefern. Das allein macht noch kein Programm, weshalb im zweiten Teil des Abends eine weitere Kunstfigur den Ton angeben muss: Christoph Walther als Rigo Ros mit Pflaster auf der Brille, aber ohne Freundin ("Ich geh mit meiner Laterne") hat die Langsamkeit für sich entdeckt und schafft es, das Publikum mit einer vor haarsträubenden Details strotzenden Geschichte über eine Kniescheiben-Operation auf dem Fußballplatz zu fesseln.

 

Die zwei Männer, für die "Kasper" mehr ein Kompliment als eine Beleidigung ist, mischen Dialekt, Hochsprache, Umgangssprache und Anglizismen. Wer die Ankündigung zu Beginn, "Bei unseren Werken steckt die Botschaft im Text", ernst nimmt, hat daran seinen Spaß. Die beiden sehen sich selbst als Zulieferer, den zahlenden Besucher als Endverbraucher. Das ist insofern richtig, als das jeder Gast selbst entscheiden muss, was er mit der "Ware" anstellt.

Christian Kunze

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