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Katzenjammer in den Tierheimen: Mindestlohn treibt Kosten in die Höhe

Katzenjammer in den Tierheimen: Mindestlohn treibt Kosten in die Höhe

Die Tierheime in Leisnig und Ostrau haben ihre liebe Not, seitdem Anfang des Jahres der Mindestlohn von 8,50 Euro Gesetzeskraft hat. Zu den rund 450 Mitgliedern des Leisniger Tierschutzvereines gehören auch zahlreiche Tierfreunde aus der Oschatzer Region.

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Rettung in der Not: Diese junge Katze wurde im Tierheim Leisnig aufgenommen.

Quelle: Wolfgang Sens

Leisnig/Ostrau. Von Heinz Großnick

 

Das Tierheim Ostrau steht vertraglich mit den Städten Oschatz und Mügeln sowie den Gemeinden Wermsdorf und Dahlen in Verbindung.

 

"Der Mindestlohn ist für uns eine große Belastung, wenn man für eine Stundenkraft 8,50 Euro zahlen muss", sagt Rosi Pfumfel, Vorsitzende des Tierschutzvereins "Tiernothilfe" Leisnig und Umgebung - und sieht nur einen Ausweg: "Wir müssen zusehen, mehr mit Ehrenamtlichen zu machen. Sie zu finden, ist sehr schwer, vor allem auf Dauer. Bei manchen ist es nur ein Strohfeuer. Sie kommen ein- oder zweimal und dann nicht mehr."

 

Welche Kosten das Tierheim in Leisnig aufzubringen hat, dafür nennt Pfumfel ein Beispiel: "Wir müssen allein für die Aufnahme einer erwachsenen und gesunden Katze 150 Euro investieren. Dazu gehört eine Eingangsuntersuchung, Entwurmung, Impfung und Kastration. Bei uns geht keine Katze unkastriert raus." Wesentlich teurer wird es für kranke Tiere, solche, die eine OP benötigen oder jahrelang in Pflege sind. Die Tierheimchefin ist deshalb froh, dass sich der Bestand derzeit in Grenzen hält. Knapp zehn Katzen und fünf Hunde seien derzeit im Tierheim untergebracht.

 

Zusätzlichen finanziellen Aufwand gebe es durch den dringend erforderlichen Aufbau einer Katzen-Quarantäne. Derzeit sind im Leisniger Tierheim laut Pfumfel eine Vollzeit- sowie eine Teilzeitkraft und ein Ein-Euro-Jobber beschäftigt. Sie selbst arbeitet in Teilzeit und außerdem noch ehrenamtlich. Durch den Mindestlohn stehe zwar keine Kündigung zur Debatte, aber es würden dringend Ehrenamtliche gesucht, zum Beispiel zum Hunde ausführen. "Wir sind auch immer auf handwerklich begabte Menschen angewiesen. Sie sind Gold wert". So sollen die Hundeunterkünfte gefliest werden und um Energie zu sparen, sei deren Umstellung von Strom- auf Gasheizung nötig.

 

Am Sonnabend feiert das Tierheim sein 25-jähriges Bestehen und hofft auf viele Besucher. Von 14 bis 16 Uhr kann man erste Kontakte mit den vierbeinigen Schützlingen aufnehmen. Der Erlös aus Flohmarkt, Tombola und Bücherecke werde laut Pfumfel der aufgebrauchten Notfallkasse zugeführt. Und das Tierheim sei jederzeit auf weitere Spenden angewiesen.

 

Einschränken müssen sich auch die Mitarbeiter des Tierheimes in Ostrau. "Der Mindestlohn hat uns ebenfalls hart getroffen. Wir haben die Wochenstunden der Mitarbeiter herunter gesetzt und die Öffnungszeit von montags bis sonnabends jeweils um eine Stunde verkürzt", klagt Tierheimchefin Marlies Przybilla. "Ich gönne allen den Mindestlohn von Herzen. Aber die Durchführungsbestimmung finde ich nicht in Ordnung. Gerade für Vereine hätte man eine Übergangslösung finden müssen. In der Beziehung hat man uns einen Stuhl vor die Tür gesetzt. Wir können es nicht ändern und müssen sehen, wie wir nun auskommen." Das Tierheim, das fünf Mitarbeiter beschäftigt, nehme jährlich rund 800 Tiere auf. "Wir haben jetzt 30 Katzen, neun Ziegen, etwa 20 Hunde sowie diverse Kleintiere wie Hasen, Meerschweine, Vögel und ein Teich voller Fische", zählt Przybilla auf.

 

Dringend würden Gassi-Geher gesucht, überhaupt Menschen, die ein Herz für Tiere haben. "In Oschatz hatten wir eine gute Truppe. Aber die Leute werden immer älter. Jetzt sind es noch drei oder vier Tierfreunde. Wir sind deshalb bestrebt, in Oschatz wieder mehr engagierte Leute zu finden", sagt die Tierheimchefin und lobt bei dieser Gelegenheit die enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. "Es wäre schön, wenn wir fünf jüngere Mitglieder finden würden, zum Beispiel für Öffentlichkeitsarbeit in den Schulen, oder Menschen, die sich um Problemfälle in der Stadt kümmern.

 

Als positives Beispiel führt die Tierheimchefin die enge Zusammenarbeit mit dem Oschatzer Tierarzt Dr. Bernd Richter und der Familie Mansch an. Letztere kümmere sich sehr um frei lebende Katzen, die man nicht sozialisieren könne. Einen Wunsch an die Politiker möchte Przybilla unbedingt noch los werden: "Sie sollten sich mehr für den Tierschutz einsetzen und nicht nur die Tierheime kurz vor den Wahlen besuchen, sondern das ganze Jahr dahinter stehen."

Heinz Großnick

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