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Katzenjammer in den Tierheimen: Mindestlohn treibt Kosten in die Höhe

Katzenjammer in den Tierheimen: Mindestlohn treibt Kosten in die Höhe

Ganz frei von Gedanken ans Geld waren die Mitarbeiter des Leisniger Tierheims in dessen 28-jähriger Geschichte noch nie. Doch seit Januar kämpfen die Beteiligten mit einer neuen Herausforderung: dem Mindestlohn.

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Rettung in der Not: Diese junge Katze wurde im Tierheim Leisnig aufgenommen.

Quelle: Wolfgang Sens

Bisher, so erklärt Rosi Pfumfel vom Tierschutzverein "Tiernothilfe" in Leisnig und Umgebung, könne man die Problematik noch relativ klein halten. Fest im Budget eingeplant sind eine Vollzeitstelle, eine Teilzeitstelle für Büroarbeiten und ein Ein-Euro-Jobber. Auch Pfumfel selber arbeite noch regelmäßig im Heim, ehrenamtlich. Wie lange diese kleine Besatzung die anfallende Arbeit allein stemmen kann, ist für die Vorstandsvorsitzende nicht abzusehen. Zusätzliche Aufgaben werden daher schon jetzt mit Stundenkräften abgefedert - doch 8,50 Euro sind für den Verein ein hoher Satz.

 

Die Einrichtung ist deswegen nun mehr denn je auf freiwillige Hilfen von außen angewiesen. "Wir brauchen ehrenamtliche Mitarbeiter, die mit anpacken und zum Beispiel die Hunde ausführen", so Pfumfel. Die zu finden, sei allerdings nicht so einfach: Einige kämen nicht regelmäßig, anderen fehle das nötige Know-How, um die Tiere angemessen zu betreuen. "Natürlich freuen wir uns über jeden, der helfen will. Ein gewisses Gespür für die Tiere ist dennoch von Nöten."

 

Momentan befindet sich das Leisniger Tierheim im Umbau: Die Katzenquarantäne wird saniert. "Bei solchen Baumaßnahmen müssen bestimmte Richtlinien eingehalten werden", erzählt Pfumfel. Ein Mitarbeiter des Tierschutzbundes habe sich vor Ort vergewissert, dass alles den geltenden Gesetzen entspricht. Laut der Vorstandsvorsitzenden war der Bund zufrieden mit dem Tierheim - er wolle die Einrichtung sogar finanziell unterstützen. Doch der sachgerechte Umbau ist mit hohen Kosten verbunden. Realisiert werden können die Arbeiten nur durch eine Erbschaft, die dem Verein zu Gute kam - für die Einrichtung ein Glücksfall. Denn die Alltagsprobleme, zu denen Pfumfel die Änderungen durch den Mindestlohn zählt, machen auch vor dem Tierheimbetrieb nicht halt. Dennoch gehen die Geldprobleme nicht allein auf das neue Gesetz zurück.

 

Trotz vieler Mitglieder sind die Spenden an den Verein rückläufig. Oft sind die Unterstützer ältere Bürger; der Nachwuchs schließt die durch Todesfälle entstehenden Lücken meist nicht zeitig genug. Zudem bereiten den Mitarbeitern steigende Kosten für Unterhalt oder Tierarzt Sorgen - zum Teil sind auch diese Preissteigerungen eine Folge des Mindestlohns. "Wir müssen allein für die Aufnahme einer erwachsenen und gesunden Katze 150 Euro investieren. Dazu gehört eine Eingangsuntersuchung, Entwurmung, Impfung und Kastration. Bei uns geht keine Katze unkastriert raus."

 

Wesentlich teurer wird es für kranke Tiere: solche, die eine OP benötigen oder jahrelang in Pflege sind. Die Tierheimchefin ist deshalb froh, dass sich der Bestand derzeit in Grenzen hält. Knapp zehn Katzen und fünf Hunde seien momentan im Tierheim untergebracht.

 

Einschränken müssen sich auch die Mitarbeiter des Tierheimes in Ostrau. "Der Mindestlohn hat uns ebenfalls hart getroffen. Wir haben die Wochenstunden der Mitarbeiter heruntergesetzt und die Öffnungszeit von montags bis sonnabends jeweils um eine Stunde verkürzt", klagt Tierheimchefin Marlies Przybilla. "Ich gönne allen den Mindestlohn von Herzen. Aber die Durchführungsbestimmung finde ich nicht in Ordnung. Gerade für Vereine hätte man eine Übergangslösung finden müssen. In der Beziehung hat man uns einen Stuhl vor die Tür gesetzt. Wir können es nicht ändern und müssen sehen, wie wir nun auskommen."

 

Das Tierheim, das fünf Mitarbeiter beschäftigt, nehme jährlich rund 800 Tiere auf. "Wir haben jetzt 30 Katzen, neun Ziegen, etwa 20 Hunde sowie diverse Kleintiere wie Hasen, Meerschweine, Vögel und ein Teich voller Fische", zählt Przybilla auf.

 

Dringend würden Gassi-Geher gesucht und überhaupt Menschen, die ein Herz für Tiere haben. "In Oschatz hatten wir eine gute Truppe. Aber die Leute werden immer älter. Jetzt sind es noch drei oder vier Tierfreunde. Wir sind deshalb bestrebt, wieder mehr engagierte Leute zu finden", sagt die Tierheimchefin und lobt bei dieser Gelegenheit die enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.

 

"Es wäre schön, wenn wir fünf jüngere Mitglieder finden würden, zum Beispiel für Öffentlichkeitsarbeit in den Schulen, oder Menschen, die sich um Problemfälle in der Stadt kümmern." Als positives Beispiel führt die Tierheimchefin die enge Zusammenarbeit mit dem Ostrauer Tierarzt Bernd Schurig an.

 

Einen Wunsch an die Politiker möchte Przybilla unbedingt noch los werden: "Sie sollten sich mehr für den Tierschutz einsetzen und nicht nur die Tierheime kurz vor den Wahlen besuchen, sondern das ganze Jahr dahinter stehen."

Kasel, Beatrice

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