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Kein Ruhmes-Buch

Kein Ruhmes-Buch

"Der Landkreis Nordsachsen" heißt ein neues Werk aus der Feder Wolfgang Herzogs. Er, der in Mockrehna eine Schreibwerkstatt betreibt, sieht das Buch als Geschenk zum fünfjährigen Bestehen des Landkreises.

Landkreis.

Nordsachsens Menschen, seine Geschichte, Geografie sowie die Städte und Gemeinden werden darin vorgestellt. Doch leider strotzt dieses "Geschenk" vor Fehlern und Formulierungen, die bei den Oschatzern nicht gut ankommen dürften.

 

Schon der Klappentext wird vielen übel aufstoßen. "Zum fünften Geburtstag erscheint dieses Buch, indem der nunmehr stabil gewordene neue Kreis ...vorgestellt wird." Worauf sich "stabil" hierbei bezieht, wird nicht verraten.

 

Im ersten Kapitel "Nordsachsen und seine Menschen" wird auf die Mentalität der Delitzscher, Eilenburger, Torgauer und schließlich auch auf die der Oschatzer eingegangen. "Die Oschatzer", heißt es auf Seite 14, "agieren bedächtig und bremsen sich dadurch allzu oft selbst aus." An späterer Stelle (S.87) werden sie zwar als "bodenständige Sachsen" eingeschätzt, im darauf folgenden Satz jedoch gleich wieder als "zögerlich" bezeichnet.

 

Dass der Oschatzer Neumarkt als einer der schönsten Marktplätze des Freistaats gewürdigt wird, kann da kaum versöhnlich stimmen.

 

Könnte man über dererlei Wertungen noch hinwegsehen und lächeln, so vergeht einem an anderer Stelle das Lachen: Ganze elf Seiten widmet Herzog dem Kapitel "Wirtschaftsstandort Nordsachsen". Auf der letzten davon kommt er erstmals auf die Region zwischen Ablaß und Zaußwitz zu sprechen, die einst den Landkreis Oschatz bildete. Da bleibt kein Raum, um ins Detail zu gehen. Erwähnenswert sind für Herzog nur zwei Fakten: der Obstbau rund um Mügeln und der Wermsdorfer Fisch - nichts mehr als Fußnoten (S.32). Die Oschatzer Glasseiden GmbH, das Glaswerk in Wermsdorf, das schon für die Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft produzierte oder der Kaolinabbau bei Kemmlitz wären das Mindeste gewesen, was hier noch erwähnt werden sollte.

 

Sind all die vorangegangenen Kritikpunkte noch diskutabel, so kann man beim Blick auf die Kapitel, die sich den Städten und Gemeinden im Detail widmen, nur mit dem Kopf schütteln. Denn hier wird es richtig peinlich.

 

Nach Redaktionsschluss im März verging bis zur Veröffentlichung vor wenigen Wochen mehr Zeit als vorgesehen, erfuhr die OAZ auf Nachfrage beim Herausgeber, dem Tauchaer Verlag. "Alle Abteilungen des Landratsamtes haben das Ergebnis vor der Veröffentlichung gegengelesen - deshalb dauerte das so lange", erklärte Verlagsleiter Prof. Dr. Dieter Nadolski.

 

Offenbar hat keiner der Beschäftigten des Landratsamtes, die ihren Wohnsitz im Altkreis Oschatz haben, mitgelesen. Ansonsten wären folgende "Fakten" nicht in der gedruckten Ausgabe stehen geblieben, wobei die folgende Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, beschränkt sie sich doch auf die Kommunen, die zum Verbreitungsgebiet der OAZ gehören: Die Döllnitzbahn, einmal fälschlich als "Döllnitztalbahn" bezeichnet schnauft in Herzogs Buch mitten "durch den O-Schatz-Park" und transportiert neben Personen auch Güter. Dass die Haltestelle "Südbahnhof" außerhalb des Parks liegt, kann man nicht in "Der Landkreis Nordsachsen" lesen. Nicht weit vom Südbahnhof entfernt steht das einzige allgemeinbildende Oschatzer Gymnasium, benannt nach dem Schriftsteller Thomas Mann. Wolfgang Herzog nennt es "Thomas-Müntzer-Gymnasium" (S.90).

 

Schlampige Recherche oder Verwechslung mit der Stadthalle "Thomas-Müntzer-Haus"? Letzteres ist von Herzog immerhin korrekt benannt.

 

Auch die Mügelner werden das Landkreis-Buch entrüstet von sich werfen. Denn die bereits zum 1. Januar 2011 vollzogene Fusion der Stadt Mügeln mit der Altgemeinde Sornzig-Ablaß datiert Herzog zwei Jahre später. Und als ob das noch nicht genügen würde, bezeichnet er die bis 2011 eigenständige Gemeinde Sornzig-Ablaß als "Dorf" (S.92). Schließlich stellt der Autor das Mügelner Bankenzentrum falsch dar, indem er den Leser glauben lässt, alle Themen-Bänke stünden auf den Mügelner Marktplatz im Zentrum der Stadt.

 

Dass ein Mahliser im Jahr 1848 als erster die Festung Königstein erklomm, ist Herzog eine Erwähnung wert. Dass dieser mutige Schornsteinfeger Abratzky mit Familiennamen hieß, hat der Autor richtig recherchiert. Nur beim Vornamen, da hapert es: Statt von Sebastian ist von "Johann Friedrich Abratzky" die Rede (S. 170).

 

In Wermsdorf selbst lobt Herzog die Gastronomie am Horstsee - und ebenso das dort bestehende Freibad, welches jedoch schon seit Jahrzehnten gar nicht mehr existiert (S.166). © Kommentar

 

i"Der Landkreis Nordsachsen" von Wolfgang Herzog, 208 Seiten, Tauchaer Verlag, Preis: 14 Euro, ISBN-Nr. 978-3-89772-241-5

Christian Kunze

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