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Kinder französischer Kriegsgefangener in Oschatz

Kinder französischer Kriegsgefangener in Oschatz

Die Liebe ihrer Mütter zu französischen Kriegsgefangenen während des Zweiten Weltkrieges ist ihr gemeinsames Schicksal. Drei Frauen und drei Männer suchen in Oschatz nach Spuren ihrer Väter, die hier im Kriegsgefangenenlager registriert waren.

Oschatz.

 

Von Frank Hörügel

 

 

 

"Mein Puppchen" nannte André Prevost aus Yvetot in der Normandie seinen Sohn. Das erfuhr Lutz Würzberger aus Leipzig erst viele Jahre später. Der heute 67-Jährige hat seinen französischen Vater nie persönlich kennen gelernt. Er teilt damit das Schicksal tausender Kinder, die im Zweiten Weltkrieg aus Beziehungen deutscher Frauen mit französischen Kriegsgefangenen entstanden sind. Im Nationalsozialismus wurden intime Kontakte zwischen ausländischen Kriegsgefangenen und deutschen Frauen streng geahndet. Die daraus entstandenen Kinder waren die Früchte verbotener Liebe. Noch Jahrzehnte nach Kriegsende blieb dieses heikle Thema tabu. Erst jetzt trauen sich die Betroffenen, offen über ihre Schicksale zu reden.

Auf der Suche nach Spuren ihrer Väter trafen sich in dieser Woche sechs Kinder französischer Kriegsgefangener in Oschatz. Organisiert hat das Treffen die Vorsitzende des Oschatzer Heimat- und Geschichtsvereins Gabriele Teumer. Sie recherchiert seit Jahren intensiv zum Kriegsgefangenenlager in Oschatz, in dem allein über 18 000 Soldaten aus Frankreich registriert waren (siehe Kasten). Die Heimatforscherin vermittelt Kontakte, gibt Tipps für die Recherche. "Die deutschen Frauen waren verliebt in die hübschen und charmanten Franzosen", hat sie bei ihren Nachforschungen festgestellt.

So war es auch bei Ingrid Würzberger und André Prevost. Zufällig wurde der in Oschatz registrierte Kriegsgefangene zur Arbeit in eine Autowerkstatt in Leipzig-Eutritzsch eingeteilt und lernte hier Ingrid Würzberger kennen. "Dort hat es geschnackelt. Aus dieser Beziehung erwuchs ein Kind. Das bin ich", sagt Lutz Würzberger. Sein Vater musste Deutschland am 28. Mai 1945 verlassen. Als Erinnerung hinterließ er seinem Sohn Luc (Lutz auf französisch) einen Koffer mit persönlichen Dokumenten. André Prevost ist 1967 gestorben. Erst 16 Jahre nach seinem Tod gelang es Lutz Würzberger, Kontakt zu seinem französischen Halbbruder Christian aufzunehmen. Als sie sich das erste Mal in Frankreich trafen, "war das sehr emotional", erinnert sich der Leipziger.

So weit wie Lutz Würzberger ist Heidi Reineck noch nicht. 1986 hat die Tochter eines französischen Kriegsgefangenen mit der Suche nach ihrem Vater Maurice Grodard begonnen. "Er ist 1944 vor meiner Geburt verhaftet worden und in den letzten Kriegstagen geflohen", weiß die heute 67-Jährige. Vom französischen Konsulat in Berlin erfuhr sie, dass ihr Vater 1975 in Nancy gestorben ist und sechs Kinder hinterlassen hat. Mit Unterstützung ihres Enkelsohnes, der im Internet nach seinen Vorfahren stöberte, hat Heidi Reineck jetzt Kontakt zu ihren französischen Halbgeschwistern aufgenommen. "Im Januar hat mir mein Bruder Georges zurückgeschrieben. Wie sich das entwickelt, weiß ich noch nicht. Ich will nur wissen, wo ich hingehöre, wo meine Wurzeln sind", sagt die 67-Jährige nachdenklich.

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