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Oschatz Kirchvorsteher in Dahlener Heide fürchten weniger Personal und Einsparungen
Region Oschatz Kirchvorsteher in Dahlener Heide fürchten weniger Personal und Einsparungen
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16:41 25.02.2016
Über die Zukunft der Kirchen – hier Schmannewitz – in der Region wird derzeit heftig diskutiert, denn die nächste Strukturreform steht bevor. Quelle: Dirk Hunger
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Lampertswalde

Viel Skepsis und jede Menge Fragen gibt es bei den Kirchvorstehern rund um Dahlen, Cavertitz und Schmannewitz-Bucha. Auf ihrer öffentlichen Sitzung am Mittwoch im Lampertswalder Gasthof „Zum Adler“ drehte sich alles um die angekündigte Strukturreform, mit der die Landeskirche auf die geringer werdende Zahl von Gemeindegliedern und damit sinkende Einnahmen reagieren will. In den vergangenen zwei Jahren sind die Kirchvorsteher in einer gemeinsamen Perspektivgruppe schon weit gekommen und waren sich einig, ab 2019 ein gemeinsames Kirchspiel „An der Dahlener Heide“ zu bilden. „Das war von Anfang an eine konstruktive, gute Zusammenarbeit“, fasste der Dahlener Pfarrer Andreas Sehn zusammen.

Mögliche Variante: Kirchspiel für gesamte Region Oschatz

Knackpunkt ist aber, dass die Gruppe mittlerweile von den Ereignissen überrollt wurde, denn die Evangelische Landeskirche Sachsen plant eine Reform, für die Einheiten mit mindestens 4000 Gemeindegliedern gebildet werden sollen. Gelten soll dies ab 2025, im Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz sollen dafür drei Modellregionen entstehen und die Vorgaben bereits ab 2019 umsetzen. Aktuell hätte ein Kirchspiel aus den Schwesternverbünden Dahlen, Cavertitz und Schmannewitz-Bucha gerade einmal 2400 Mitglieder in den Kirchgemeinden – deutlich zu wenig. Eine relevante Größe hätte dagegen ein Kirchspiel in den Grenzen des ehemaligen Kirchenbezirks Oschatz. In der Region zwischen Ochsensaal und Sornzig leben aktuell 7522 Gemeindeglieder, auch hier Tendenz fallend.

Ab 2025 werde es sicher Vorgaben der Landeskirche geben, jetzt habe man noch die Möglichkeit selbst zu gestalten, warben die Pfarrer Andreas Sehn aus Dahlen, Kathrin Mette aus Schmannewitz und Markus Gnaudschun aus Lampertswalde um Mitwirkung. Die Entscheidung müsse allerdings in den Kirchgemeinden getroffen werden, betonten sie. „Mir ist es wichtig, dass unsere Region auch Nein sagen kann“, sagte Kathrin Mette auf die Frage nach Alternativen. Es sei Überzeugungsarbeit der Landeskirche gefragt. „Wenn das Modell gut ist, lassen sich die Kirchenvorstände auch überzeugen.“ Wenn man nicht selbst handele, werde ab 2025 willkürlich ausgedünnt, befürchtete Andreas Sehn.

Personalabbau trifft vor allem Kirchenmusiker und Gemeindepädagogen

Für Unsicherheit sorgte vor allem die Tatsache, dass offenbar auch beim Personal nochmals gekürzt werden soll, was angesichts der großen Fläche schnell zum Problem wird. Zwar solle weiter der Schlüssel gelten, dass pro 1000 Gemeindeglieder eine Pfarrstelle besetzt wird – was bei der prognostizierten Schrumpfkur der Christen in den Orten 2025 rein rechnerisch nahezu eine Halbierung für den Oschatzer Bereich bedeuten würde. Noch dünner wird die Luft voraussichtlich für Kantoren und Gemeindepädagogen: Hier sieht der Verteilschlüssel jeweils eine 0,2- und 0,225-Stelle pro 1000 Gemeindeglieder vor. Fünf Pfarrer müssten sich demnach einen Vollzeit-Kirchenmusiker teilen. „Da habe ich Bedenken und hoffe sehr, dass sich noch etwas bewegt“, meinte Markus Gnaudschun. Er befürchte, dass sich seine jungen Kollegen dabei zerreißen müssten, so der Laaser Kantor in Ruhe Johannes Rudolph.

Vorstände diskutieren über Modellregion

Die Bezirkssynode Leisnig-Oschatz habe sich für das Modell bereit erklärt in der Annahme, besser die künftige Struktur gestalten zu können, erinnerte Gemeindepädagogin Heidrun Schneider: „Uns wurde gesagt, das Modell sei lediglich ein Versuch, und wenn es schief geht, dann gibt es ein Zurück – jetzt hört sich das ganz anders an.“ Nun wird es darum gehen, in den Vorständen der einzelnen Kirchgemeinden zu einer Entscheidung zu kommen: Hält man an den Plänen eines Kirchspiels „An der Dahlener Heide“ fest oder lässt man sich vorzeitig auf die geplante Struktur mit einer Modellregion ein? Etliche Befürworter sprachen sich dafür aus, die eigenen Vorhaben umzusetzen, schließlich habe man schon so viel dafür getan und sei trotz der Größe zwischen Malkwitz und Laas inhaltlich ein gutes Stück zusammengerückt. Die Diskussionen gehen also weiter.

Von Jana Brechlin

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