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Kleinwüchsige im Wasser ganz groß

Kleinwüchsige im Wasser ganz groß

In ihrer Klasse ist sie mit Abstand die Kleinste. Doch sobald Peggy Sonntag im Schwimmbecken ihre Runden zieht, wächst die 13-Jährige über sich hinaus.

Oschatz. Von Frank Hörügel

Mit ihrer Größe von 1,17 Meter liegt Peggy Sonntag etwa 40 Zentimeter unter dem Durchschnitt ihrer Mitschülerinnen an der Robert-Härtwig-Schule. Damit zählt sie zu den Kleinwüchsigen. Deren Zahl schätzt der Bundesselbsthilfeverband kleinwüchsiger Menschen auf 40 000 bis 60 000.

Auf normale Stühle muss sich Peggy Sonntag hochschwingen und zu fast allen anderen Menschen aufblicken. Die Oschatzerin hat gelernt, mit dieser Behinderung zu leben und sich damit eingerichtet. "Peggy hatte noch nie ein Problem mit ihrer Kleinwüchsigkeit", sagt ihr Vater Henry Sonntag (46). Und Schulleiterin Kerstin Wasiak bestätigt: "Durch ihr selbstbewusstes Auftreten und ihre Offenheit wird Peggy von ihren Mitschülern akzeptiert und geachtet."

Möglichkeiten eingeschränkt

Auch im Sport sind die Möglichkeiten des quirligen Mädchens eingeschränkt. "Weil ich so klein bin, kann ich nicht viel machen", bedauert sie. Gern würde die 13-Jährige reiten, doch wegen der Fallhöhe ist das zu gefährlich. "Dabei bewegt sich Peggy gern, spielt sogar Volleyball mit", sagt ihre Sportlehrerin Petra Müller.

Seit vier Jahren konzentriert sich Peggy deshalb auf ihr Hobby Schwimmen und trainiert beim SC Riesa. Seit März diesen Jahres hat sich die 13-Jährige ins Wettkampfgeschehen gestürzt und dabei richtig abgeräumt. "In sieben Monaten 27 Urkunden und über 20 Medaillen", sagt das Mädchen stolz.

Bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften im Schwimmen der Behinderten holte die Oschatzerin in Berlin vier mal Silber und ein Mal Bronze.

 

 

 

 

 

Das war Ende Juni. Bei der Deutschen Kurzbahn-Meisterschaft der Behinderten in Remscheid räumte sie dann Anfang November so richtig ab, holte zwei Gold- und vier Silbermedaillen. "Am besten bin ich beim Rückenschwimmen", sagt Peggy.

Die Erfolge in Remscheid haben der kleinen Schwimmerin die Berufung in die deutsche Jugendnationalmannschaft eingebracht. Und der sportliche Erfolg wird sie von Oschatz entfernen. Nach den Winterferien besucht Peggy die Sportmittelschule in Leipzig und wohnt dort im Internat. Eine Perspektive, die sie einerseits reizt und andererseits etwas einschüchtert. "Schade, dass meine Schule in Oschatz keine Sportschule ist", sagt Peggy nachdenklich. Und Schulleiterin Kerstin Wasiak meint: "Wir sind auch traurig, wenn wir dich verlieren."

Gewinner ist dagegen Eric Werner. "Ich freue mich sehr, dass Peggy nach Leipzig kommt", sagt der 34-Jährige. Er trainiert die kleine Schwimmerin bereits jetzt einmal pro Woche im paralympischen Trainingsstützpunkt des Behindertensportvereins Leipzig. Nach den Winterferien wird sich das Trainingspensum für seinen Schützling deutlich erhöhen. "Peggy hat ein gutes Wassergefühl und bringt Talent mit. Sie kann sich entwickeln", schätzt der Trainer ein. Als nächstes Zeil peilt er an, dass sich die Oschatzerin für internationale Wettkämpfe qualifiziert.

Vorbild Christiane Reppe

Sportliches Vorbild von Peggy Sonntag ist die Schwimmerin Christiane Reppe (25), deren rechtes Bein amputiert ist und die bei den Paralympics in London in diesem Jahr den fünften Platz im 400 Meter Freistil belegt hat. "Ich habe großen Respekt vor ihr, da sie auch schon zwei Jungs besiegt hat", sagt die Oschatzerin.

Wie ihr großes Vorbild will auch Peggy bei den Paralympics auf Medaillenjagd gehen. "Mein großes Ziel ist die erfolgreiche Teilnahme an den paralympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro", sagt die 13-Jährige selbstbewusst. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Trainer Eric Werner will die Erwartungen nicht zu hoch stecken: "Ich kann heute nicht sagen, ob Peggy in vier Jahren bei den Paralympics dabei ist. Aber ich werde sie auf jeden Fall dabei unterstützen."

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