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Klötitzer Falken werden von Wolfgang Lindner betreut

Tiere Klötitzer Falken werden von Wolfgang Lindner betreut

Drei junge Turmfalken schlüpften in diesem Jahr im Dachbereich der Scheune von Wolfgang Lindner. Der 62-Jährige aus Klötitz in der Gemeinde Liebschützberg bietet zudem Schwalben, Igeln und Insekten einen Lebensraum.

Wolfgang Lindner baut nicht nur Vogelhäuser und Igeldomizile, sondern erschuf bereits mehrere Insektenhotels.

Quelle: Wolfgang Lindner

Klötitz. Neugierig blickte Wolfgang Lindner immer wieder durch die kleine Luke, durch die er das Falkenweibchen heimlich beobachten konnte. Sobald sie ihr Nest verließ, zählte er die Eier, auf denen sie brütete. Es waren in diesem Jahr vier an der Zahl. Drei Jungtiere schlüpften im Mai aus ihnen. Diese streckten ihre Köpfchen den Vogeleltern entgegen. „Ein Elternteil brachte eine Maus zum Nest, zerteilte diese und gab sie den Jungvögeln zum Essen. Das Jungtier braucht pro Tag zwei bis vier Mäuse. Weiterhin stehen auf dem Speiseplan Insekten, Eidechsen, Regenwürmer und sicher auch mal ein Spatz. Je mehr Nahrung da ist, umso mehr Eier werden von den Falken gelegt“, berichtet Wolfgang Lindner seine Beobachtungen. Er konnte das Treiben in den Nistkästen in seiner Scheune von seinem Podest aus genau beobachten. Nur wenn die Vogeleltern ausgeflogen und die Jungtiere noch nicht flugfähig waren, konnte er den Vorhang lüften, um einen genauen Blick auf die Tiere werfen zu können. „Beringt wurden die Falkenkinder jedoch nicht. Ein bisschen schade ist es schon, denn es wäre interessant zu wissen, wo sie sich ein neues Revier suchen.“ Im Juni sind die drei Jungvögel schließlich ausgeflogen. „Wenn sie bei den ersten Flugversuchen nicht schnell genug vom Boden wieder weg kommen, werden sie Opfer von Katzen, Mardern oder Waschbären. Der Winter tut das Übrige in der natürlichen Auslese der Tierwelt. Wenn die Jungtiere raus sind, müssen die Nester sauber gemacht werden. Hin und wieder rutschen Eier durch das Stroh durch und können so nicht ausgebrütet werden. Von der Naturschutzwerkstatt Torgau habe ich nun Hobelspäne bekommen, um das zu verhindern.“

Große Lüftungslöcher ermöglichen Falken Einflug

Wolfgang Lindner hofft, dass die Falken auch im kommenden Jahr wieder bei ihm nisten werden. Dass hier überhaupt eine Nistmöglichkeit entstanden ist,

Wolfgang Lindner zeigt das Domizil der Falken

Wolfgang Lindner zeigt das Domizil der Falken.

Quelle: kristin engel

verdankt er seinem Vater. „Früher sind in den Scheunengiebeln zur Luftzirkulation relativ große Lüftungslöcher gebaut worden. Diese sind vom Sportleheim gut einsehbar. Ein Bekannter informierte mich, dass dort reger Vogelflugbetrieb herrsche. Es stimmte. Mein bereits verstorbener Vater hatte dort ein Kippfenster mit Guckloch gebaut, was aber lange leer blieb. Seit etwa fünf Jahren kann man nun die Turmfalken von einem Besucherpodest aus beim Brüten und bei der Aufzucht beobachten. Geplant ist in naher Zukunft, dies mit einer Kamera zu tun.“

Zweites Falkenhaus gebaut

Mittlerweile hat der 62-Jährige bereits ein weiteres „Falkenhaus“ im benachbarten Lüftungsloch errichtet. Er hat die Einflugschneise verkleinert, sodass kein Räuber hinein passt und das Quartier ein wenig größer gestaltet, mit Moos und Sägespäne ausgestattet. Doch hier machte es sich seit zwei Jahren noch kein Falkenpärchen gemütlich. Ebenso wenig wie in den beiden Nistkästen, die nach der Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Klötitz aufgehängt wurden. „Auch diese waren nicht belegt. Aber das dauert nun einmal seine Zeit.“

Viele Besucher hatte Wolfgang Lindner bereits hier oben. „Die Kinder aus der Umgebung sind immer sehr neugierig. Aber ich lasse sie nur unter Aufsicht ihrer Eltern hoch. Der Aufstieg ist durch die vielen Leitern nicht ungefährlich. Olaf Schmidt von der Oschatzer Fachgruppe der Ornithologen des Naturschutzbundes kommt jedes Jahr vorbei, um einen Blick auf die Jungtiere zu werfen. Bürgermeister David Schmidt erfuhr bei der Gründungsveranstaltung der Interessengemeinschaft zur Wiederbelebung für die Liebschützmühle von den Falken in meiner Scheune. Mit Schlips und Kragen kletterte er die Leitern hinauf“, erinnert sich der Klötitzer lachend.

Mehrere Insektenhotels auf dem Grundstück

Doch die Falken sind noch längst nicht alles, was den berufstätigen Mann in seiner Freizeit beschäftigt. Denn einfach mal zur Ruhe kommen, fällt ihm schwer. So hat er bereits mehrere riesige Insektenhotels auf seinem Grundstück errichtet. „Eigentlich sollten hier mal Bienen vom Sohn eines Freundes stehen. Hierfür hatte ich schon etwas vorbereitet. Doch dann stellte sich heraus, dass es sich zu nah an der kleinen Straße befindet. Damit die Arbeiten nicht umsonst waren, baute ich hier aus Lehm und anderen Materialien ein Insektenhotel“, erinnert er sich. Und natürlich nicht nur eins. Denn auch Insekten scheinen wählerisch zu sein.

Zudem hat er nun auch stachelige Wegbegleiter. „Beim Versuch, der Schneckenplage Herr zu werden, sollen Igel helfen können. Der Zufall kam zu Hilfe. Walpurga Thieme aus Lampertswalde päppelte vier kleine Igel-Waisenkinder im vorigen Herbst mit Katzenfutter und Rührei bis in den Winterschlaf im Kaninchenstall auf. Als der Frühling kam und sie genug Gramm auf die Waage brachten, wurden sie wieder ausgewildert. Nur ein roter Punkt mit Nagellack auf dem Hinterteil verrät ihre Herkunft.“ So kamen zwei der jungen Igel auf das Grundstück von Wolfgang Lindner. Erstmal in ein selbst gebautes Igelhaus mit „Schlafstube“, „Wohnzimmer“, „Terrasse“ und Garten. „Wir haben sie noch vier Wochen lang gefüttert. Hier konnten sie sich langsam an ihre neue Umgebung gewöhnen.“ Dann wurde die Abzäunung entfernt und die Igel konnten in die Freiheit. „Dass es jetzt weniger Schnecken geworden sind, kann ich zwar nicht behaupten, aber ich freue mich, dass die Igel hier ein neues Heim gefunden haben. Ab und an kann man sie auch noch sehen.“

Feriendomizile für Igel

Und damit es ihnen an nichts fehlt, hat der 62-Jährige den Igeln nicht nur ihr Eingewöhnungshaus, sondern mehrere „Feriendomizile“ überall auf seinem großen Grundstück errichtet. Sie haben zwei Eingänge, sind innen mit Laub und Moos gepolstert und so versteckt, dass Räuber sie nur schwer entdecken können. Andere bestehen aus Obstkisten und wieder andere sind einfach nur große Reisighaufen, in denen Igel gerne überwintern. „Viele Grundstücksbesitzer haben ihre Gärten immer perfekt aufgeräumt. Das mag zwar schön aussehen, bietet aber keinerlei Versteckmöglichkeiten für die Tiere. Jeder sollte eine kleine Dreckecke haben, wo sich die Lebewesen wohl fühlen können.“ Und dass solche Dreckecken auch toll aussehen können, beweist der Klötitzer auf seinem Grundstück.

Leona hilft beim Auswildern der Igel

Leona hilft beim Auswildern der Igel.

Quelle: Wolfgang Lindner

Schaut man sich auf dem 170 Jahre alten Bauerngut mit den großem Grundstück von Wolfgang Lindner genauer um, entdeckt man in jeder Ecke Rückzugsorte, Nistmöglichkeiten und Schutzräume für die unterschiedlichsten Tierarten. Bälle mit Daunen aus alten Federkissen sind überall befestigt. „Mit diesen können die Vögel ihre Nester polstern“, sagt er. Ein echtes Paradies für die haarigen und gefiederten Tiere. Für sein Engagement im Sinne der Natur und ihrer Bewohner bekam der 62-Jährige im vergangenem Jahr die Schwalbenschutzplakette des Naturschutzbundes verliehen. Die Schwalbennester baut der Wolfgang Lindner selbst – aus Lehm.

Mit Schwalbenschutzplakette ausgezeichnet

Mit dem Projekt „Schwalben willkommen“ will der Naturschutzbund (Nabu) in Sachsen auf die Situation der Tiere aufmerksam machen. Menschen, die sich in besonderem Maße für den Schwalbenschutz einsetzen, sollen mit der Plakette ausgezeichnet werden. Das Bundesnaturschutzgesetz regelt im Paragrafen 44 den besonderen Schutz von Rauch-, Mehl- und Uferschwalben. Sie dürfen weder gefangen, verletzt oder getötet, noch darf ihnen nachgestellt werden. Ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten dürfen nicht der Natur entnommen, beschädigt oder zerstört werden. Vor drei Jahren belegte Wolfgang Lindner beim Nordsächsischen Streuobstwiesenwettbewerb den 1. Platz.

Wolfgang Lindner ist mit der Natur verbunden. Wenn er zu Festen eingeladen ist, gibt es keinen Strauß Blumen, sondern einen Nistkasten. Nun ist es ihm wichtig, seine Passion für Schwalben, Eulen, Sperlinge, Insekten, Igel und der gleichen an die nächsten Generationen weiterzugeben. So hat er bereits einen Teil seiner Scheune zu einer Art Lehrzimmer umgebaut, in dem die Kinder einen Ort und die Möglichkeit haben, sich zu informieren, zu malen oder zu basteln. „Wenn die Falken hier sind, brüten und die Jungtiere geschlüpft sind, gibt es kein Halten mehr. Dann ist hier immer rege Betrieb“, freut sich Wolfgang Lindner.

Von Kristin Engel

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