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Oschatz Kneipensterben in Oschatz: Jetzt schließt auch „Zum Windhuk“
Region Oschatz Kneipensterben in Oschatz: Jetzt schließt auch „Zum Windhuk“
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06:00 24.06.2017
Wirt Jens Naujoks zapft nur noch bis zum Monatsende Bier. Seine Tochter Annika (l.), sein Vater Klaus und Mutter Brigitte (hinten) sowie die Gäste Stefanie Hennig und Kerstin Schumann (r.) stehen ein letztes Mal zusammen am Tresen. Quelle: Frank Hörügel
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Oschatz

Wieder eine weniger: Zum Monatsende macht die Gaststätte „Zum Windhuk“ am Praschwitzer Weg endgültig dicht. Wirt Jens Naujoks (40), der die Gaststätte mit Kegelbahn vor drei Jahren von seinen Eltern Brigitte (64) und Klaus Naujoks (65) übernommen hat, geht die Puste aus. Der Oschatzer will deshalb künftig wieder in seinem erlernten Beruf als angestellter Maler arbeiten: „Da bekomme ich Tariflohn und habe am Wochenende frei.“

Warum hat es mit der Gaststätte, die zu DDR-Zeiten dem benachbarten volkseigenen Betrieb Waagenfabrik gehörte, nicht geklappt? „Die Gaststätte läuft. Aber die Einnahmen reichen nicht aus, um Personal zu bezahlen“, begründet der Wirt seine Entscheidung. Seine Eltern könnten ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so unterstützen wie in der Anfangszeit. Mit den Einnahmen aus dem Betrieb der Kegelbahn, wo immer weniger Freizeitsportler eine Kugel schieben, könnten gerade so die Betriebskosten gedeckt werden. Und eine Erhöhung der moderaten Preise für Speisen und Getränke sei auch kein Ausweg aus der Misere. „Wenn ich die Preise erhöhen würde, würden keine Gäste mehr kommen“, sagt Jens Naujoks.

Nach ihrer Schließung ist die Gaststätte „Zum Windhuk“ zum Leerstand verurteilt. Eine Umnutzung zum Wohnhaus, wie sie Jens Naujoks vorgeschwebt hat, ist aus baurechtlichen Gründe nicht möglich. Der 40-Jährige bleibt trotzdem optimistisch: „Ich schaue positiv in die Zukunft. Denn nun habe ich mehr Zeit, am Wochenende mit meinen Kindern zu Wettkämpfen zu fahren.“ Sein Sohn und seine Tochter sind erfolgreiche Sportschützen und trainieren bei der Privilegierten Scheibenschützengesellschaft zu Oschatz .

Offenbar ist es schwierig, in einer Stadt in der Größenordnung von Oschatz mit weniger als 15 000 Einwohnern eine kleine Gaststätte wirtschaftlich zu betreiben. Bereits im Vorjahr warf der „Bergschlösschen“-Wirt Gerold Katzsche in der Dresdener Straße hin. Die Bierkneipe Zaspels in der Rosmarinstraße ist bereits seit 2011 zu. Und die Gaststätten „Zur Ecke“ am Miltitzplatz und „Schweizerhaus“ am Dresdener Berg gibt es schon lange nicht mehr.

Oschatz ist jedoch nicht allein vom Kneipensterben betroffen. Sachsenweit sank die Zahl der Schankwirtschaften von 1124 im Jahr 2009 auf 971 im Jahr 2014 – Tendenz fallend. Nur in den sächsischen Großstädten blüht die Gastronomie weiter auf. In Leipzig stieg die Zahl der Schankwirtschaften zwischen 2009 und 2014 von 138 auf 147.

Es gab Zeiten, da konnte Oschatz auf ähnliche Zahlen wie heute in Leipzig verweisen. Heimatforscher Manfred Schollmeyer hat herausgefunden, dass es um 1900 im Oschatzer Stadtgebiet 16 Cafés, elf Hotels und 99 Gaststätten gab. Jetzt sind es nur noch ein Bruchteil davon. Auf der Homepage der Stadt Oschatz werden 17 gastronomische Betriebe aufgelistet – darunter fünf Imbisse und drei Cafés. Ein kleiner Lichtblick ist jedoch in Sicht. Das flügellahme Hotel „Zum Schwan“ wird ab September von einem Hotelier-Ehepaar aus Rochlitz gepachtet. Sonnenschmidts wollen den Schwan wieder in Schwung bringen.

Von Frank hörügel

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