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Knochenmarkspender Marcus Wolter rettet seiner Schwester das Leben

Knochenmarkspender Marcus Wolter rettet seiner Schwester das Leben

Dieser Sonnabendmorgen hat das Leben von Anett Kettner verändert. Als die Riesaerin aufwachte, spürte sie, dass etwas anders war als sonst. Ihr Hals war stark geschwollen.

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Anett Kettner glücklich mit ihrem Spender. Ihr elf Jahre jüngerer Bruder Marcus Wolter rettete der 44-Jährigen das Leben.

Quelle: privat

Oschatz/Riesa. Von CHRISTIAN KUNZE

 

Zunächst dachte Anett Kettner an eine Angina, eine Grippe, oder dass es etwas mit ihrem damaligen Laster, dem Rauchen, zu tun haben könnte. Die spätere Diagnose, akute myeloische Leukämie, traf sie wie ein Schlag. Das war im Februar 2009. "Ich erinnerte mich an eine Bekannte, die zwei Jahre zuvor das gleiche Schicksal ereilt hatte. Sie hatte es geschafft. Das war ein immenser Ansporn für mich. Mit dem Rücken an der Wand geht es nur nach vorne", sagt sie heute.

 

Statistiken der Deutschen Knochenmarkspenderdatei zufolge erkrankt alle 45 Minuten in Deutschland ein Mensch an Leukämie. Über 10 000 Menschen leiden laut Robert-Koch-Institut bundesweit an Blutkrebs. Anett Kettner hat den Kampf gegen die Krankheit gewonnen und lebt seitdem bewusster als vorher. "Ohne Marcus wäre ich heute nicht mehr am Leben", sagt die 44-Jährige. Ihr elf Jahre jüngerer Bruder Marcus Wolter spendete der Riesaerin im Sommer 2009 Stammzellen, nachdem die Typisierung seines Gewebes ergeben hatte, dass er dafür in Frage kommt.

 

Vor vier Wochen erhielt Anett Kettner das Ergebnis der abschließenden Untersuchung. "Es ist alles in Ordnung", sagt die aufgeweckte Frau, die gerade eine Weiterbildung absolviert. Ihr Humor, schon vor der Erkrankung ihre stärkste Waffe, ist nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Leukämie noch um einiges bissiger geworden, schätzt sie selbst ein. "Ich gehe offen mit all dem um und lasse das meine Mitmenschen auch spüren."

 

Ihre Freundin aus Riesa, die inzwischen wieder kerngesund zur Arbeit ging, war es, die Anett Kettner während der Chemotherapie immer wieder Kraft gab. Nach mehreren Chemotherapieblöcken und Ganzkörperbestrahlungen war die 44-Jährige auf 42 Kilogramm abgemagert. Nur noch eine Stammzellenspende konnte helfen. "Ohne meine Familie und den Rückhalt meiner Arbeitskollegen in der Notfallambulanz der Oschatzer Collm-Klinik hätte ich all das nicht geschafft", sagt sie. Damals ahnte Anett Kettner jedoch nicht, dass ihr die größten Strapazen noch bevorstehen würden.

 

Ihr Bruder rettete Anett Kettner das Leben - beinahe in der letzten Minute. Einen besseren Stammzellenspender hätte es nicht geben können, denn alle der insgesamt acht Merkmale seiner Blutzellen, die für eine Transplantation auf Übereinstimmung mit Anett Kettners Blut geprüft wurden, stimmten auch tatsächlich überein. Ihr Bruder, der eigentlich panische Angst vor Nadelstichen hat, überwand diese Phobie und ermöglichte ihr somit das Weiterleben.

 

Es gibt Geheilte, die kennen ihren Spender nicht. Und es gibt Menschen, die nicht überleben, weil ein in Frage kommender Knochenmarkspender kurzfristig abspringt. "Das habe ich selbst während meines Aufenthaltes im Uniklinikum Leipzig bei zwei Erkrankten miterleben müssen", berichtet sie wehmütig. Passende Stammzellen werden weltweit gesucht. Da ist es schon möglich, dass Verbindungen zu Freiwilligen verloren gehen.

 

Wer sich nach einer Typisierung für eine Knochenmarkspende entscheidet, ist in Anett Kettners Augen ein "Held". Der Spender fälle eine lebensrettende Entscheidung und werde dafür, so hat sie es zumindest im Leipziger Krankenhaus erlebt, behandelt "wie ein Gott". Deshalb wirbt sie am Arbeitsplatz und auch sonst, wo sie nur kann, dafür. Spender müssen volljährig sein und dürfen nicht älter als 55 Jahre sein. Wer bereits an Krebs erkrankt war, scheidet als Spender aus.

Christian Kunze

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