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Knöllchen-Königin von Mügeln würde gern weiter Strafzettel verteilen

Kommunales Knöllchen-Königin von Mügeln würde gern weiter Strafzettel verteilen

Die 17-jährige Zeit als Ordnungshüterin in Mügeln möchte Gisela Henke nicht vermissen. Doch die Bezeichnung „Knöllchen-Schreck“ empfindet sie als Beleidigung. Die 64-Jährige würde ihren Job am liebsten auch heute nachgehen. Doch sie ging nach eigenen Angaben im Bösen mit der Stadt auseinander.

Auf die richtige Parkuhr kommen es an, meint zumindest Gisela Henke.

Quelle: Sven Bartsch

Mügeln. Sie ist ein Urgestein von Mügeln – Gisela Henke, die immerhin 17 Jahre lang rund um den Markt in Mügeln für strenge Ordnung sorgte und wie sie schätzt, während dieser Zeit immerhin über 1000 Knöllchen verteilte. Ihrem scharfen Blick entging kein Falschparker – und ruckzuck hatte der einen Strafzettel hinter dem Scheibenwischer klemmen. Doch als Knöllchen-Schreck möchte sie keinesfalls bezeichnet werden, wie im „Übrigens“ der OAZ-Ausgabe am 4. Februar. Das empfindet die 64-Jährige, die den Job bereits vor einigen Jahren zähneknirschend an den Nagel hing, als grobe Beleidigung. „Ich hätte diesen Job noch heute sehr gern weiter gemacht, denn es hat mir einfach Spaß gemacht, Knöllchen zu verteilen“, schwärmt die Ex-Politesse über ihren täglichen Einsatz für Recht und Ordnung. Dabei versichert sie, niemanden ärgern zu wollen, sondern die Autofahrer mit einem höflichen Hinweis auf ihre Vergehen aufmerksam zu machen. So geriet Henke zum Beispiel vor Jahren in die Schlagzeilen, als sie einer Glossenerin den Hinweis gab, dass die Größe ihrer Parkuhr von der gesetzlich festgelegten Norm abweicht. „Sie hat einen Merkzettel und nicht mal ein Knöllchen bekommen, dass sie die Uhr wegschmeißen und sich eine neue anschaffen soll“, ärgert sich die Mügelnerin über die für sie unverständliche Reaktion (wir berichteten).

Unter neuem Bürgermeister gekündigt

Als Mügelns Altbürgermeister Gotthard Deuse in den Ruhestand ging und die Geschicke der Stadt plötzlich in den Händen von Volkmar Winkler lagen, sei nichts mehr, wie es war gewesen. Zwischen ihr und dem neuen Stadtoberhaupt knirschte es gewaltig. „Ich habe gekündigt, weil ich mit Herrn Winkler nicht zurecht kam. Er hat mir eine Abmahnung verpasst, für nichts und wieder nichts. Da steht drin, dass ich keine Uniform anhatte, obwohl ich die erst danach erhielt. Dann soll ich während der Krankheit arbeiten gewesen sein – das weiß der doch gar nicht. Ich bin im Bösen mit der Stadt auseinander gegangen“, spricht sie Klartext. Da sie die Annahme der Abmahnung strikt verweigert hatte, flatterte ihr das Schreiben am nächsten Tag in ihren Hausbriefkasten. Die Mügelnerin erinnert sich an wesentlich bessere Zeiten: „Mit Herrn Deuse habe ich sehr gern zusammengearbeitet. Er hat auch mal in die Zeitung geschrieben: Wenn jeder sein Auto ordentlich hinstellt und seine Parkuhr ins Auto legt, braucht keiner Angst zu haben, ein Knöllchen zu kriegen. Und der Meinung war ich bis zum Schluss.“ Aber es habe Leute gegeben, die einfach gemacht haben, was sie wollten.

Gisela Henke sorgt weiter für Ordnung und Sauberkeit

Doch so ganz los lassen von ihrem geliebten Job als Hüterin von Ordnung, Recht und Sauberkeit in der Stadt kann sie auch heute noch nicht. Mit Argusaugen beobachtet sie täglich das geschäftige Treiben auf dem Markt. „Ich ermahne heute noch manchmal die Leute auf der Straße und verweise auf den verkehrsberuhigten Bereich. Hier dürfen sie mit ihrem Auto nicht stehen. Hier auf dem Markt unter den Bäumen ist es ja ganz schlimm, auch auf den Stundenparkplätzen stehen welche den ganzen Tag herum.“ Das habe es zu ihrer Zeit nicht gegeben, ist sie überzeugt und auch ein wenig stolz darauf: „Mir haben damals die Männer, die immer zum Kaffeeklatsch zum Bäcker gehen, jeden Tag gesagt: Mensch Gisela, gehe mal kontrollieren, das sieht ja aus wie bei Schweins in der Stadt.“ Die Verbitterung ist ihrer Stimme anzumerken: „Normal ist hier in Mügeln nichts mehr“, schlussfolgert Gisela Henke.

Von Heinz Großnick

Mügeln 51.2364187 13.045206
Mügeln
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