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Oschatz Kormorane machen Fischern in Wermsdorf zu schaffen
Region Oschatz Kormorane machen Fischern in Wermsdorf zu schaffen
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09:09 15.07.2016
Der Kormoran sei ein Störenfried, der es vor allem auf Jungfische abgesehen hat, sagt Georg Stähler von der Teichwirtschaft Wermsdorf/Torgau. Quelle: Dirk Hunger
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Wermsdorf, Stör ist international begehrt

Beim Wetter scheiden sich die Geister: Was Urlauber ärgert, das lieben Fischer: „Ein durchwachsener Sommer ist für uns nicht schlecht, aber abgerechnet wird zum Schluss“, sagt Georg Stähler von der Teichwirtschaft Wermsdorf/Torgau, die in den Landkreisen Nordsachsen und Leipziger Land knapp 700 Hektar Teichfläche hat. Dauerhitze ist bisher ausgeblieben, dafür fressen sich Kormorane an den Teichen satt.

Vor allem die Jungfische sind gefährdet. „Die Zahl der Kormorane hat deutlich zugenommen, der Druck auf die Teiche ist enorm“, hat Georg Stähler beobachtet, „das kann man überall sehen, unsere Nachbarn haben ähnliche Probleme.“ Zwar dürften die Vögel sogar bejagt werden, aber dass sei mühselig. Außerdem würden die Tiere immer intelligenter und aggressiver. Vor allem der Große Teich bei Torgau, mit 235 Hektar Wasserfläche der größte in Deutschland, sei ein wahres Buffet für die Vögel. Wird der Fischbestand stark dezimiert, können die Betreiber von Teichen, die nicht bejagt werden dürfen, Ausfallgeld beantragen. „Dabei sind die Schäden aber immer größer als die Entschädigung“, so Stähler.

Otter könnten künftig größere Rolle spielen

Von den Teichwirten in der Lausitz weiß der Wermsdorfer, dass dort zusätzlich zu den Kormoranen die Otter die Fischbestände dezimieren. An den Gewässern der Region sei das aktuell kein Problem – noch nicht. „Der Otter wird aber künftig eine Rolle spielen, die wir nicht verniedlichen dürfen“, ist der Teichwirtschaftschef überzeugt. An kleineren Gewässern wie Forellenteichen schützen sich die Betreiber mit Drahtnetzen über der Wasseroberfläche oder zäunen die Anlagen ein – für die großen Flächen der Teichwirtschaft Wermdorf/Torgau seien das allenfalls Teillösungen. „Eine komplette Einzäunung kann man hier vergessen, die Kosten wären uferlos und das Landschaftsbild total gestört.“

Die Teichwirtschafter müssen damit leben, dass äußere Einflüsse nur sehr begrenzt gesteuert werden können. Doch auch so ist genug zu tun. „Für die Arbeit am Fisch ist der Sommer am wichtigsten, wir müssen den Zuwachs kontrollieren, Besatzmengen regulieren und wenn das Nahrungsangebot im Wasser nicht mehr reicht, mit Getreide zufüttern“, zählt Georg Stähler auf. In den Monaten Mai bis Juli legen Karpfen & Co. am schnellsten zu, wird der Grundstein gelegt für den Ertrag beim Abfischen im Herbst.

Spielraum, diesen zu steigern, gebe es kaum. So finde beim Karpfen – dem Hauptfisch in den Teichen – seit Jahren keine Preissteigerung statt, und für den Besatz mit anderen Arten wie dem Stör seien die Flächen begrenzt. Immerhin ist die Vermarktung hier weitreichender: Während Karpfen vor allem im nahen Umfeld vermarktet wird, ist der Stör international begehrt, bei steigender Nachfrage.

Die Teichwirtschaft liefert den Edelfisch mittlerweile in ganz Deutschland aus, aber auch in die Schweiz, ins Baltikum, Österreich, nach Frankreich und England. „Unsere Partner dort sind Kaviarverarbeiter, die die Fische in einem bestimmten Reifestadium haben wollen“, erklärt Stähler. In Hälter-anlagen im Erzgebirge kann dieser Prozess mit kaltem Wasser gezielt gesteuert werden. Der Vorteil: Das Zeitfenster zum Handeln ist deutlich größer, die Produzenten können flexibler auf die Nachfrage reagieren.

„Karpfen ist dagegen ein reines Saisonprodukt, das mit dem Abfischen im Herbst mittlerweile auch grätenfrei auf dem Teller landet“, unterstreicht der Fischwirt den Unterschied. „Das hat Charme“, fügt er hinzu und meint: „Ich würde mir nur wünschen, dass die Leute – ähnlich wie beim Spargel – Karpfen auch gezielter konsumieren, die Saison nutzen, um den Fisch im Restaurant zu genießen oder daheim zuzubereiten. Immerhin ist das ein Produkt aus der Region, das natürlich, nachhaltig, fettarm und gesund ist und dazu sehr gut schmeckt.“ In Bayern zum Beispiel sei das ein Renner in den Gasthäusern.

Etwa ein Drittel der Karpfenmenge werde an Großhändler geliefert, außerdem sind Anglervereine und andere Fischzüchter Abnehmer von Besatzfischen. Vor allem für die Feste in der Abfischzeit setzt die Teichwirtschaft auch auf die Direktvermarktung, für die zudem Hälteranlagen in Göttwitz und Torgau in den Monaten mit R zusätzlich zu Verkaufsständen in Torgau sowie Deuben zur Verfügung stehen.

Im Arbeitsalltag kaum Romantik

Von der romantischen Vorstellung des Fischers, der am klaren Herbsttag seine Netze aus dem Wasser zieht, ist im Arbeitsalltag nicht viel übrig geblieben: Wetterschwankungen, Hochwasserschutz und Baumaßnahmen, der Spagat zwischen Produktion und Naturschutz, mangelnde weitere Einkommensmöglichkeiten oder auch Themen wie Betriebsnachfolge beschäftigen die Fischer, weshalb sich Georg Stähler im Landesfischereiverband engagiert.

Doch ihre Lobby sei klein und müsse ständig um Fürsprecher kämpfen: „Auch wenn die Teichwirtschaft in Sachsen seit über 700 Jahren ein Kulturgut ist, schützt uns das nicht. Wenn wir den Absatz nicht steigern oder andere Geschäftsfelder erschließen können, und dazu brauchen wir die Unterstützung der Politik, ist unsere Existenz gefährdet.“ Stähler nutzt deshalb auch das öffentliche Abfischen, um auf die Situation hinzuweisen.

Wichtigstes Fest in der Region und zudem der Paukenschlag für den Auftakt in die Saison ist das Horstseefischen, das dieses Jahr vom 14. bis 16. Oktober stattfinden soll. Dort gibt es dann Karpfen satt und jede Menge anderer Fischspezialitäten. Die sollen in Zukunft auch an einem eigenen Imbiss angeboten werden, denn seit den Arbeiten an der Ortsumgehung gibt es den Stand am Göttwitzsee nicht mehr. Am Kreisel vor Mutzschen plane man einen neuen Stand, kündigt Georg Stähler an.

Neben dem Vertrieb werde es weitere Investitionen auch in der Produktion geben, um auf kleineren Flächen intensiver wirtschaften zu können. Ein bis zwei Millionen Euro will der Firmenchef in den kommenden Jahren investieren. „Wir sind sehr mit der Region verbunden und wollen den traditionellen Fischereistandort weiter entwickeln“, begründet der gebürtige Hesse, der bereits seit 24 Jahren in Wermsdorf lebt. „Ich fühle mich wohl inmitten dieser schönen Landschaft, und als Fischer wollen wir unseren Beitrag mit der Hege und Pflege der Teiche leisten, damit es so bleibt.“

Von Jana Brechlin

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