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Oschatz Kriminalistischer Spürsinn bringt uralte Fahne nach Oschatz zurück
Region Oschatz Kriminalistischer Spürsinn bringt uralte Fahne nach Oschatz zurück
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16:06 21.10.2016
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Oschatz

Die Entdeckung der berühmten Himmelsscheibe von Nebra basiert auf einem historischen Zufall und dem kriminalistischen Spürsinn von Geschichtsforschern. Auch in Oschatz waren es der Zufall und der kriminalistische Spürsinn, die Heimatforscher Martin Kühn und Museumsleiterin Dana Bach leiteten und dazu führten, dass Oschatz in seinem Museum eine Kostbarkeit verwahren kann – die alte Oschatzer Schützenfahne aus dem Jahr 1687.

Fünf Oschatzer Fahnen

Bis 1945 befanden sich fünf Fahnen im Vereinsbesitz der Privilegierten Scheibenschützengesellschaft (PSSG) zu Oschatz, die auf eine über 500-jährige Geschichte zurückblicken kann. Dabei stammt die älteste Fahne aus dem Jahr 1604, weitere waren auf die Jahre 1687, 1805, 1807 und 1871 datiert. Die Fahne aus dem Jahr 1871 konnte 2005 vom Oschatzer Museum über ein Privatangebot zurückgekauft werden. Von allen anderen Hoheitszeichen der Oschatzer Schützen fehlt seit 1945 jeglich Spur. Das änderte sich überraschend im August dieses Jahres, als ein Besucher der Museumschefin Dana Bach alte Dokumente der Schützen überließ. Auf Nachfragen fand Dana Bach heraus, dass es sich um den Nachkommen des letzten Platzwartes der Oschatzer Schützen handelte. Er hatte die Unterlagen seines Vater verwahrt. Darunter befanden sich auch zwei Schützenfahnen, die er 2004 an ein Auktionshaus in Plauen verkauft hatte. „Es war einfach irre. Bei den Nachforschungen stellte sich ziemlich schnell heraus, dass eine der beiden Fahnen das Stück aus dem Jahr 1871 war, das wir 2005 gekauft haben und jetzt im Museum ausstellen“, erzählt Dana Bach.

Wo ist die zweite Fahne?

Inzwischen hatte Dana Bach den 2. Vorsitzenden des Oschatzer Schützenvereins Martin Kühn mit ins Boot geholt. Er hatte in der Vergangenheit schon intensiv zur Geschichte der PSSG recherchiert. „Wir haben uns nun gefragt, was aus der zweiten Fahne geworden ist. Und ab diesem Punkt setzte eine detektivische Kleinarbeit an. Wir konnten die Stationen der zweiten Fahne bis zu einem Hamburger Aktionshaus zurückverfolgen“, berichtet Martin Kühn. „Und zu meiner Verblüffung lag die Fahne dort immer noch und wartete auf einen Käufer.“ Für das zweiköpfige Oschatzer Rechercheteam bestand jetzt die Aufgabe herauszufinden, um welche der fehlenden Fahnen es sich handelte und ob sich zweifelsfrei nachweisen lässt, dass sie aus Oschatz stammt. „An Hand der Beschreibung haben wir schnell herausgefunden, dass es sich um die Fahne aus dem Jahr 1687 handeln muss. Von dieser gibt es in alten Unterlagen noch Beschreibungen beziehungsweise ein Foto vom Heimatfest aus dem Jahr 1906. „Für uns war klar, dass es unsere Fahne sein musste. Jetzt stellte sich aber die Frage des Kaufpreises, über den Stillschweigen vereinbart wurde. Da haben wir von Oberbürgermeister Andreas Kretschmar schnelle finanzielle Unterstützung bekommen“, freuen sich Bach und Kühn. „Für mich war es Ehrensache, dass wir die alte Fahne wieder in die Heimat zurückholen“, sagt Kretschmar und rüstet so das Oschatzer Museum mit einer Rarität aus. Denn sächsische Fahnen aus dieser Zeit kann man an einer Hand abzählen. Unterdessen arbeiten Dana Bach und Martin Kühn weiter an der Erforschung des Stoffbanners. „Wir würden uns über Hinweise oder alte Fotos aus der Bevölkerung freuen, mit denen wir die Rekonstruktion der stark beschädigten Rückseite vornehmen können.“

Von Hagen Rösner

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