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Oschatz Kritik an neuen Portalpraxen in Nordsachsen: Oschatz fühlt sich abgehängt
Region Oschatz Kritik an neuen Portalpraxen in Nordsachsen: Oschatz fühlt sich abgehängt
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08:42 15.05.2018
In der Klinik in Delitzsch wird eine Portalpraxis eingerichtet. Quelle: Wolfgang Sens
Nordsachsen

An der Einführung von sogenannten Portalpraxen im Landkreis Nordsachsen gibt es Kritik. Während die Städte Delitzsch, Eilenburg und Torgau jeweils eine solche bekommen, um Patienten besser versorgen zu können, bleiben die Großen Kreisstädte Oschatz, Schkeuditz und Taucha außen vor. Besonders die Oschatzer Region fühlt sich abgehängt.

Im Gesundheits- und Sozialausschuss, der am Mittwochabend in Delitzsch tagte, sagte die Geschäftsführerin der Collm-Klinik, Sabine Trudel, dass ihr Krankenhaus gern eine solche Praxis eingerichtet und dies auch in einem Brief an die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) zum Ausdruck gebracht hätte. Oschatz spielt jedoch in dem ab Juli beginnenden Pilotprojekt in Nordachsen keine Rolle. Dann eröffnen zunächst in Delitzsch und Eilenburg solche Praxen.

Notaufnahmen sollen entlastet werden

Rückendeckung erhielt sie von Medizinern aus der Region. Patienten, die ab Juli das neue System nutzen sollen, damit die Notaufnahmen an den Kliniken im Landkreis entlastet werden, müssten theoretisch in die 35 Kilometer entfernt liegende Portalpraxis nach Torgau fahren, die es aber dort erst spätestens 2020 geben wird. Die von der KVS mit der Reform angedachte Steuerung von Patienten sei laut Trudel „politisch ganz schlecht“. Letztlich würden die Patienten aus der Oschatzer Region weiter die Notaufnahme in Oschatz aufsuchen.

Der KVS-Vorstandsvorsitzende Dr. Klaus Heckemann verteidigte indes die Einführung der Praxen und machte Hoffnung: „Oschatz ist im Gespräch. Aus den Erfahrungen, die wir jetzt mit den Portalpraxen in Nordsachsen sammeln, können wir entscheiden, ob auch Oschatz eine solche bekommt oder nicht.“ Nordsachsen ist eine von drei Pilotregionen in Sachsen, in der das neue System zunächst getestet wird. Eine weitere Praxis, gab Heckemann zu bedenken, würde jedoch auch weitere Kosten verursachen, die am Ende wieder zu Lasten der niedergelassenen Ärzte gingen. Denn Ärzte müssten etwa 2000 Euro ihres Honorars zur Finanzierung der Praxen beitragen. Heckemann räumte im Ausschuss ein, dass die Ärzte das neue System nicht gut finden. Das sieht auch der Delitzscher Arzt Dr. Gerhard Neumann, Mitglied im Gesundheitsausschuss, so: „Warum werden Patienten über die Nummer 116117 nicht direkt in eine Praxis, statt in die Portalpraxis vermittelt?“, fragte er. Den niedergelassenen Ärzten würden mit der neuen Regelung Einnahmen verloren gehen.

Landrat: „Nicht am Geld festmachen“

Nordsachsens Landrat Kai Emanuel (parteilos) hält die Aufteilung der neuen Bereiche in die Regionen Delitzsch/Eilenburg mit zwei Portalpraxen und Torgau/Oschatz mit einer Portalpraxis in Torgau für „ungünstig“. Dies kontakariere das derzeit politische Ziel des Freistaates, den ländlichen Raum zu stärken. Man könne so eine Aufteilung „nicht nur am Geld festmachen. Ich würde mich freuen, wenn wir über den Altkreis Torgau-Oschatz weiter reden“, so der Landrat mit Blick auf die Einrichtung einer Portalpraxis in Oschatz.

Aber warum wird das bisherige System überhaupt über Bord geworfen und was kommt auf Patienten zu? Fakt ist, dass nicht jeder Notfallpatient auch einer ist, die Notaufnahmen in den vergangenen Jahren aber förmlich mit solchen Patienten überrannt wurden. Studien gehen davon aus, dass etwa 30 Prozent der Patienten, die eine Notaufnahme aufsuchen, keine Notfälle sind. Das will die KVS mit dem neuen System besser steuern. Patienten können die neuen Portalpraxen vor allem außerhalb der üblichen Sprechzeiten von Hausärzten aufsuchen, in der Portalpraxis in Delitzsch zum Beispiel Mittwoch und Freitag 14 bis 20 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 9 bis 20 Uhr. In Eilenburg wird die Portalpraxis am Wochenende von 9 bis 13 Uhr geöffnet haben.

Stichwort: Portalpraxen

Patienten, bei denen keine sofortige, dringende Notfall-Behandlung erforderlich ist, wenden sich oftmals an die Notaufnahmen der Krankenhäuser, deren Ressourcen aber in erster Linie für eingelieferte Akut-Kranke und Schwerverletzte benötigt werden. Um das zu unterbinden, will die Kassenärztliche Vereinigung in Sachsen sogenannte Portalpraxen, auch Notdienstpraxen genannt, einrichten. So soll es künftig 23 Bereitschaftsdienstbereiche mit je einer Portalpraxis in Sachsen geben. Nordsachsen ist eine von drei Pilotregionen; hier gibt es die Portalpraxen ab 2. Juli an den Kreiskrankenhäusern Delitzsch, Eilenburg und Torgau. Sie sind für Patienten gedacht, bei denen keine Behandlungsdringlichkeit besteht. Profitieren können besonders Patienten, die am Wochenende mit den Leiden behandelt werden möchten, die sie subjektiv als Notfall empfinden. Da die Praxen in den Krankenhäusern sind, können Ärzte bei Bedarf auch auf die Diagnostik der Kliniken zurückgreifen. Ziel ist es, die Notaufnahmen zu entlasten und die ambulante ärztliche Versorgung zum Wohle der Versicherten auch in sprechstundenfreien Zeiten der Hausärzte anzubieten. Das Vorhaben, Portalpraxen in Sachsen einzuführen, geht auf das Krankenhausstrukturgesetz zurück. Patienten melden sich unter der Telefonnummer 116117. Sind Patienten nicht in der Lage, eine Portalpraxis aufzusuchen, kommt ein Fahrdienst mit einem Bereitschaftsarzt zum Einsatz. Drei Fahrzeuge werden in Nordsachsen (in Delitzsch, Eilenburg und Torgau) eingesetzt.

Mobiler Bereitschaftsarzt

Zudem wird für den Bereitschaftsarzt flächendeckend ein Fahrdienst organisiert, für den Autos geleast sowie Fahrer angestellt werden, die dann zu Patienten nach Hause fahren. Demnach wird es für Delitzsch und Eilenburg jeweils ein Fahrzeug geben. Das für Delitzsch ist Montag, Dienstag und Donnerstag von 19 bis 7 Uhr, Mittwoch und Freitag von 14 bis 7 Uhr und an den Wochenenden rund um die Uhr im Einsatz. Das Eilenburger Fahrzeug kommt an den Wochenenden von 9 bis 21 Uhr zum Einsatz. Die Einsätze machen laut Heckemann jedoch nicht an den Bereichsgrenzen halt.

Hexenschuss oder Herzinfarkt

Patienten, die also kein Notfall sind, sondern Beschwerden haben, für die sie aber dennoch ärztliche Hilfe benötigen, sollen die Rufnummer 116117 wählen und erhalten Hilfe. Wer „nur“ einen Hexenschuss habe, müsse schließlich nicht in die Notaufnahme. Sollte es sich aber um einen Notfall handeln, zum Beispiel Verdacht auf Herzinfarkt, kommt der Rettungsdienst zum Einsatz, infolgedessen eine Notaufnahme an der Klinik.

Ab dem 2. Juli sollen die Portalpraxen, eingerichtet in den Kliniken, den Betrieb aufnehmen. Eine Woche vor dem Start sollen die Ärzte, die die Dienste übernehmen, detaillierte Informationen seitens der KVS erhalten. Die will bis dahin außerdem für das neue System, insbesondere die Nummer 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes werben.

Von Nico Fliegner

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