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Kurt Biedenkopf eröffnet Friedensgespräche im Wermsdorfer Schloss Hubertusburg

Veranstaltung Kurt Biedenkopf eröffnet Friedensgespräche im Wermsdorfer Schloss Hubertusburg

Die 6. Hubertusburger Friedensgespräche finden am 21. und 22. Oktober in Wermsdorf statt. Thema der Veranstaltung ist die Bedeutung der Religionen für den Frieden. Warum sich ein Besuch in Wermsdorf lohnt, darüber spricht Wolfgang Köhler, Vorsitzender des Veranstalter-Vereins Freundeskreis Hubertusburg.

Die Friedensgespräche finden im Wermsdorfer Schloss Hubertusburg statt.

Quelle: Dirk Hunger

Wermsdorf. Das Tagungsprogramm ist gestrafft, der Inhalt vielseitiger und die Riege der Mitwirkenden verjüngt: Nach einer Frischzellenkur finden am 21. und 22. Oktober in Wermsdorf die 6. Hubertusburger Friedensgespräche statt. Den Auftakt dazu bildet die Verleihung des 4. Hubertusburger Jugendfriedenspreises. Was zuvor hinter den Kulissen passiert ist und warum sich ein Besuch lohnt, darüber spricht Wolfgang Köhler, Vorsitzender des Veranstalter-Vereins Freundeskreises Schloss Hubertusburg.

Worum geht es in diesem Jahr bei den Hubertusburger Friedensgesprächen?

Die 6. Friedensgespräche beschäftigen sich mit der Bedeutung der Religionen für den Frieden. Das Thema ist vor dem Hintergrund der scheinbar religiös motivierten Auseinandersetzungen im mittleren Osten und deren Folgen spannend. Dieser Krieg berührt uns direkt und natürlich stellt sich die Frage: Was hat Religion mit Krieg zu tun? Das hat auch in der Geschichte der Christen eine Rolle gespielt, ich erinnere nur an die Kreuzzüge oder die Reformation, die auch nicht ohne Blutvergießen abgelaufen ist. Dass das Thema vor allem junge Menschen sehr beschäftigt, hat die Resonanz auf den Jugendfriedenspreis gezeigt.

Anders als in den Jahren zuvor ist die Beteiligung dieses Mal wirklich groß. Was haben Sie anders gemacht?

Wir haben von Anfang an konsequent jüngere Mitstreiter gesucht und glücklicherweise auch gefunden, sowohl für die Programmkommission als auch bei der Durchführung. Alles ist frischer, jünger und deshalb auch ansprechender für jüngere Menschen. Wir haben die Ausschreibung über die sozialen Netzwerke verbreitet und auch auf persönliche Ansprache gesetzt. Letztlich haben uns 38 Einsendungen erreicht, darunter viele sehr schöne, sehr berührende Arbeiten.

Attraktive Preise gehören zu einem solchen Wettbewerb. War es schwierig, dafür Unterstützung zu finden?

Nein, überhaupt nicht. Wir freuen uns über die Unterstützung vieler regionaler Betriebe und des Rotary Clubs Torgau-Oschatz. Chocolatier Olav Praetsch hat sogar extra einen Hubertusburger Friedens-Schokotaler kreiert, quasi als Trostpreis. Zudem haben wir eine Förderung aus dem Programm „Partnerschaft für Demokratie und Frieden“ erhalten.

Wie haben Sie Kurt Biedenkopf als Schirmherrn für die Friedensgespräche gewonnen?

Ich habe jahrelang mit seiner Frau Ingrid Biedenkopf in der sächsischen Multiple-Sklerose-Gesellschaft zusammengearbeitet und bei der Gelegenheit den Kontakt geknüpft. Herr Professor Biedenkopf hat sofort zugesagt. Er wird am 22. Oktober den Eröffnungsvortrag halten, worauf ich schon sehr gespannt bin. Dass er als Schirmherr tatsächlich selbst nach Wermsdorf kommt und so unsere Arbeit unterstützt, ist eine schöne Anerkennung für den Freundeskreis. Schirmherrin für den Jugendfriedenspreis ist Staatsministerin Brunhild Kurth.

Haben Sie eine besondere Empfehlung für das Programm?

Der Freitagabend wird für junge Leute sicher sehr interessant, dann findet bei einem „Jahrmarkt der Ideen“ der Austausch von Projektgruppen und Demokratie-Initiativen aus der Region statt. Ansonsten bin ich sehr gespannt auf die „Statio für den Frieden“, den interreligiösen Austausch in der Schlosskapelle als Abschluss der Veranstaltung am Sonnabend. Der zweite Tag behält seinen Tagungscharakter, wird aber aufgelockert, zum Beispiel durch die Vernissage zur Ausstellung der sozialwissenschaftlichen Falkultät der Hochschule Zittau/Görlitz. Die Studierenden haben sich zwei Semester lang auf die Friedensgespräche vorbereitet und extra einen Film für ihre Arbeit in Wermsdorf gedreht. Auch die Vorträge unserer Referenten lohnen sich: Das sind alles Leute, die wirklich was zu sagen haben.

Was ist Ihre Erfahrung: Trifft das Thema Frieden noch auf offene Ohren?

Ich glaube, niemand von uns würde ein durchnässtes, frierendes Kind vor der Tür stehen lassen, wenn es um Hilfe bittet. Wir würden es hinein begleiten, eine warme Milch kochen und es trösten. Ganz einfach, weil wir Menschen sind und ja, weil uns anderen zu helfen auch glücklich macht. Es wäre aus meiner Sicht der falsche Weg, unsere Menschlichkeit aufzugeben, weil plötzlich nicht nur ein, sondern tausende Menschen um unsere Hilfe bitten. Richtig wäre es, vielmehr zu fragen, warum dies so gekommen ist und was wir dagegen tun können. Genau diese Fragen wollen wir diskutieren. Die tausenden Flüchtlingen aus dem mittleren Osten und Nordafrika zeigen, dass wir die Augen nicht einfach zumachen oder uns von dem Problem abschotten können, sondern dass wir uns aktiv um den Frieden hier und in den Heimatländern der Flüchtenden bemühen müssen.

Die Friedensarbeit bleibt also auch für den Freundeskreis eine Hauptaufgabe?

Auf jeden Fall, schließlich wollen wir auch die Geschichte des Schlosses als Friedensort – hier wurde 1763 der Hubertusburger Frieden ratifiziert – pflegen. Außerdem liegt uns weiter die Belebung der Anlage am Herzen.

Sie sind jetzt seit etwa einem Jahr Vorsitzender des Freundeskreises Schloss Hubertusburg. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Viele Menschen nutzen unsere Angebote, sich zu Schlossgeschichte zu informieren, besuchen unsere Ausstellungen und Konzerte. Dank der ehrenamtlichen Mitarbeit vieler Mitglieder sind das Schloss, Wermsdorf und der Freundeskreis weithin bekannt. Eines der Hauptanliegen des Vereins, die Wiederbelebung von Hubertusburg, ist somit ein gutes Stück vorangekommen. Allerdings ist besonders im Hinblick auf eine nachhaltige Nutzung immer noch keine konkrete Lösung in Sicht.

Woran liegt das?

Letztlich hängt viel an den zur Verfügung stehenden Mitteln. Der Freistaat hat bereits erheblich in Hubertusburg investiert, allerdings wäre es aus meiner Sicht wenig weitsichtig, diesen Investitionen keine Nutzung folgen zu lassen. Momentan bin ich verhalten optimistisch, wenngleich wir als Freundeskreis nicht nachlassen dürfen, eine nachhaltige Nutzung immer wieder einzufordern. Gespräche mit Ministerpräsident Tillich, Vertretern der Landesregierung, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und des Sächsischen Immobilien- und Baumanagement sowie regionalen Politikern zeigen, dass ein Konzept, das die besondere geschichtliche Bedeutung des Schlosses berücksichtigt, dringend notwendig ist. Wir setzen uns dafür ein, damit es nicht nur bei den bisherigen Lippenbekenntnissen bleibt und der Erhalt von Hubertusburg gesichert wird.

Jana Brechlin

 

Von Jana Brechlin

Wermsdorf 51.2803708 12.940642
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