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Oschatz Landesämter zeigen Grabungsschätze in Wermsdorf
Region Oschatz Landesämter zeigen Grabungsschätze in Wermsdorf
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15:00 25.06.2016
Ausstellung Ausgrabung Wermsdorf Mutzschen Schloss Hubertusburg Wermsdorf
Wermsdorf

Die Urne ist hinüber. Ein Ackerpflug hat das Gefäß, das vermutlich 3000 Jahre lang unversehrt im Boden gelegen hatte, regelrecht rasiert. Und es wird noch dramatischer: Die dunkle Färbung des Bodens zeigt, dass mit dem Pflügen auch Leichenbrand verteilt nach oben gelangt ist. Passiert ist das Ganze in der Lausitz – und zu sehen ist es jetzt im Wermsdorfer Schloss Hubertusburg. Die sogenannte Blockbergung ist einer der Blickfänge in der Wanderausstellung „Sachsens Geschichte unterm Acker – Landwirte schützen Denkmale“, die am Dienstag offiziell eröffnet und ab dem Wochenende bis Ende August öffentlich gezeigt wird. In zwei Räumen, zahlreichen Vitrinen, Schautafeln und einigen Multimediastationen geht es darum, was sich unter dem Boden verbirgt: Ein Archiv voller Spuren früherer Besiedlung.

Wunsch des Freundeskreises erfüllt

Für Wolfgang Köhler, dem Vorsitzenden des Freundeskreises, geht damit ein Wunsch in Erfüllung. Die Vereinsmitglieder bemühen sich seit Jahren um die Nutzung des Schlosses und sorgen seit der Sonderschau 2013 sehr engagiert dafür, dass weiterhin Besuche und Führungen möglich sind. Vor allem aber wünscht man sich hier eine museale Nutzung. Mit der Wanderausstellung, die von den Landesämtern für Archäologie und Landwirtschaft konzipiert wurde, kann die Beletage des Schlosses wieder zeigen, wie gut die Räume für eine Präsentation geeignet sind. „Der Freundeskreis freut sich außerordentlich darüber“, betont Köhler. Er sei sehr begeistert von der Schau, sagt er: „Inhaltlich passt das wunderbar in unseren ländlichen Raum.“ Es sei ein gemeinsames Anliegen, Leben in das Schloss Hubertusburg zu bringen, sagt Bürgermeister Matthias Müller (CDU). „Deshalb hoffen wir, dass diese Ausstellung auch überregional auf Interesse stößt.“ Er freue sich über die Kooperation mit den Landesämtern, immerhin sei es auch Wermsdorfer Geschichte, die hier gezeigt werde.

Ein ganzer Raum widmet sich den Ausgrabungsergebnissen zwischen Wermsdorf und Mutzschen. Dort war vor dem Straßenbau bis 2013 großflächig der Boden untersucht worden, und dabei förderten die Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie Erstaunliches zutage. Für Aufsehen hatte etwa das „Mutzschener Woodhenge“ gesorgt, eine Kultstätte aus Palisadenringen. Insgesamt fanden die Profis dort Siedlungsreste von 4000 vor Christus bis 400 nach Christus. „Das ist schon immer eine fruchtbare Landschaft gewesen, da waren Funde zu erwarten“, sagt Grabungsleiter Wolfgang Ender. Neben Resten von befestigten Anlagen wurden unzählige Gefäße, Schmuckstücke, Arbeitsgeräte und Opfergaben gefunden. Darunter seien auch immer wieder herausragende Einzelstücke gewesen, verweist Ender auf einen Reitersporn, der auch in der Wermsdorfer Ausstellung zu sehen ist: „Der Besitzer war sicher kein einfacher Bauer, sondern schon einer, der etwas zu sagen hatte.“

Auch Fundstücke aus Staucha zu sehen

Ebenfalls zu finden sind die Ergebnisse der Grabungen bei Staucha. Die einstige Siedlung Ghana wird mit einer Computeranimation ins Heute transportiert. Auf einem Zeitstrahl können sich Besucher zudem die verschiedenen Phasen der Besiedlung anzeigen lassen.

Die Gemeinschaftsausstellung der Landesämter für Archäologie und Landwirtschaft ist noch bis Herbst 2017 im Freistaat unterwegs und soll vor allem für die Schätze unter der Oberfläche sensibilisieren. Man müsse sich Gedanken machen, wie man das Archiv im Boden schützen könne, das durch das Ackern bedroht sei. Immerhin würden immer mehr Landwirte auf pflugloses Arbeiten umsteigen, so Thomas Westphalen vom Landesamt für Archäologie. „Trotzdem ist Gefahr im Verzug.“

Man wolle mit Eigentümern und Pächtern so weit ins Gespräch kommen, dass auf herausragenden Flächen anstelle von Mais und Weizen Grünland angebaut werde – dann müsse natürlich auch über den Ertragsausfall verhandelt werden, räumte er ein. Doch es gebe bereits gute Beispiele wie etwa den Burgberg bei Zschaitz, ein Bodendenkmal mit Grünlandbewirtschaftung.

Von Jana Brechlin

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