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Landrat Michael Czupalla über die neue Flut und die Konsequenzen

Landrat Michael Czupalla über die neue Flut und die Konsequenzen

Seit über zehn Tagen sind die Menschen im Landkreis Nordsachsen vom Hochwasser gegeißelt. Glücklicherweise konnte an der Elbe gestern die Hochwasserstufe 4 aufgehoben werden.

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Was ist jetzt dringend nötig?: Landrat Michael Czupalla (r.) und Uta Schladitz (l.), die den Wiederaufbaustab im Kreis leitet, erkundigen sich beim von der Flut erneut betroffenen Tischlermeister Stefan Rudolph und Bürgermeisterin Gabriele Hoffmann, welche Unterstützung nach dem Hochwasser in Außig gebraucht wird.

Quelle: Dirk Hunger

Nordsachsen. Kameraden, Soldaten, Polizisten und unzählige Freiwillige sind immer noch damit beschäftigt, die Folgen der Flut in den Griff zu bekommen. Seit zehn Tagen pendelt der Chef des Katastrophenstabes des Landkreises Nordsachsen, Landrat Michael Czupalla (CDU) zwischen Mulde, Elbe und Goitzsche, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Gestern besuchte Czupalla das Hochwasserdorf Außig und stellte sich den Fragen der OAZ.

 

Wie ist die Lage an Mulde und Elbe?

 

Michael Czupalla: Mich begleitet momentan vor allem die Sorge um die verletzten Kameraden der Delitzscher Feuerwehr, die verunglückt sind. Diese Gedanken lassen mich nicht los. Wir haben alle nur den Wunsch, dass sich die Gesundheit stabilisiert. Was das Hochwasser anbelangt, hatte sich bei Beilrode eine Klappe an einem Durchlass geöffnet. Wir mussten evakuieren. Zehn bis 15 Kubikmeter Wasser liefen pro Sekunde ab, das ist eingedämmt. In Torgau ist der Pegel gesunken. Das Problem an der Elbe ist, dass das Wasser lange steht und auf die Deiche drückt. Glaucha, Gruna und Löbnitz bleiben Schwerpunkte.

 

Wie sieht Ihr aktuelles Resümee nach der zweiten Jahrhundertflut innerhalb von elf Jahren aus?

 

Ob Jahrhundert- oder Jahrtausendhochwasser, die Formulierung spielt in diesen Tagen nur eine untergeordnete Rolle. Fakt ist, es ereilt uns derzeit in weiten Teilen des Landes ein Naturereignis, das uns alle - Betroffene, Helfer, Katastrophenschutzkräfte, Freiwillige - in einem Höchstmaß beansprucht. Es ist heute noch nicht die Zeit für ein Resümee, in weiten Bereichen ist die Lage noch sehr kritisch.

 

Und die Schäden sind wieder enorm hoch ...

 

Das Ausmaß der Schäden kann noch gar nicht beziffert, allenfalls erahnt werden. Der jetzt notwendige Aufbaustab für die Zeit danach wird gerade aufgestellt und die Soforthilfen werden bereits ausgezahlt. Eines kann jedoch nicht früh und nicht oft genug gesagt werden: Was in den vergangenen Tagen und Nächten geleistet wurde und permanent weiter geleistet wird, ist ein erneuter Beweis für die Leistungsfähigkeit unserer Katastrophenschutzstrukturen.

 

Die Spendenwelle nach der Katastrophe 2002 war riesig. Wie schätzen Sie das bisher in diesem Juni ein?

 

Auch bei diesem Hochwasser ist eine große Solidarität und Hilfsbereitschaft unter der Bevölkerung zu sehen. Es gibt Hilfsangebote und Spendenbereitschaft in sehr großem Umfang. Ich danke allen Helfern für ihre unermüdlichen und rettenden Einsätze. Manche von ihnen sind auch selbst vom Hochwasser betroffen, setzen sich aber pausenlos für die Rettung von Dämmen, Kirchen, Schulen und vielem anderen ein und konnten so manchen Durchbruch erfolgreich abwenden. Vergessen sollten wir aber auch nicht die vielen Arbeitgeber, die ohne unsere Helfer auskommen müssen: deren Familien aber auch deren Kollegen, die wie selbstverständlich die Arbeit für ihre fehlenden Kollegen miterledigen.

 

Sie sind viel unterwegs, hören zu, muntern auf, motivieren. Was erfahren Sie an den Krisenherden?

 

Das ist unterschiedlich. Ich erlebe schwere Schicksale und viele Emotionen. Wir werden viel aufarbeiten müssen, wollen allen Betroffenen helfen.

 

Als die Goitzsche volllief und Bitterfeld-Wolfen abzusaufen drohte, wurden atmosphärische Störungen zu Sachsen-Anhalt deutlich. Seit über zehn Jahren scheinen beide Bundesländer nicht so richtig auf einen Nenner zu kommen. Was muss nach der Flut geklärt werden?

 

Das ist ein Schwerpunkt für danach. Wir, und dazu stehe ich, haben hier alles richtig gemacht und sind auch standhaft geblieben gegenüber Sachsen-Anhalt. Ohne Minister Kupfer, Polizeipräsident Merbitz, Talsperrenchef Bobbe, THW-Chef Kamprath, Hauptmann Pötzsch von der Bundeswehr, meinem Stabschef Ulrich Fiedler vor Ort und Staatssekretär Wilhelm hätten wir viel mehr verloren. Mit Sachsen-Anhalt muss deutlich geredet werden, es gibt zu viele Schwachpunkte.

 

Sie sollen einer sein, der auf seine Fachleute hört. Stimmt das?

 

Das ist für mich Teamarbeit, dafür habe ich Fachleute, die ihre Arbeit verstehen und auf sehr hohem fachlichen Niveau erledigen. Dahinter stehe ich, weil ich weiß, dass ich ihnen trauen und mich verlassen kann, wenn ich Entscheidungen treffen muss.

 

Im Katastrophenstab arbeiten auch viele Ihrer Mitarbeiter. Wie sehr beeinflusst das die Verwaltungsarbeit?

 

Es ist eine Doppelbelastung. Die Arbeit muss erledigt werden, Vorrang hat die Katastrophe. Viele helfen freiwillig. Ich habe höchsten Respekt auch vor meinen Leuten.

 

Das große Aufräumen hat vielerorts begonnen. Was sind die nächsten Herausforderungen?

 

Die Schadensregulierung. Wir haben noch Katastrophenalarm. Nach wie vor gibt es noch keine hundertprozentige Entwarnung. Wir werden einen Aufbaustab gründen und die Flutfolgen beseitigen. Wir werden ein Sparkassen-Spendenkonto einrichten. Wir müssen viele Gespräche führen, auch mit den Landwirten, die teilweise ihre komplette Ernte verloren haben.

 

Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus dieser Katastrophe mit?

 

Es hat keinen Landkreis in Sachsen so erwischt wie Nordsachsen, wenn ich die Vielfalt der Ereignisse betrachte. Elbe, Mulde, Goitzsche, Schkeuditz, das ist heftig. Vielerorts wurde auch Hochwasserschutz verhindert. Wir müssen sachlich und fachlich darüber reden, welchen Stellenwert die Menschen und die Sachwerte hier haben, bei allem Verständnis für Tiere und den Naturschutz. Die Prioritäten stimmen nicht.Interview: Frank Pfütze

 

© Kommentar/Seite 14

Frank Pfütze

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