Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Landwirte der Region Oschatz haben wenig Hoffnung auf Unterstützung
Region Oschatz Landwirte der Region Oschatz haben wenig Hoffnung auf Unterstützung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:02 12.10.2018
Kein Einzelfall: So wie es hier in Mügeln auf den Feldern brannte, sah es auch andernorts in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit aus. Dort wo es auf den Feldern loderte, konnte überhaupt keine Ernte eingebracht werden. Quelle: Foto: Sven Bartsch
Collm-Region

Eine Entschädigung für Landwirte, die aufgrund der heißen Temperaturen und des geringen Niederschlags so schlechte Erträge erzielt haben, dass ihre Existenz bedroht ist, wird von Bund und Ländern bereitgestellt. Ein super Angebot, wenn es erst in Kraft treten wird. Doch ob auch die Landwirte in der Region Oschatz auf diese Unterstützung zurückgreifen können, ist noch ungewiss.

„Die meisten Landwirte in unserer Region, sind bei der Getreideernte – das heißt Weizen, Gerste und Raps – noch relativ glimpflich davon gekommen. Die Erträge belaufen sich unter dem Durchschnitt, sind aber noch erträglich. Weit schlimmer sieht es hingegen bei den Früchten wie Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben aus. Speziell der Silomais liegt bei unter 100 Dezitonnen pro Hektar in einigen Teilen Nordsachsens – in anderen Jahren betrug dieser etwa 450 – über 500 Dezitonnen. Es gab kaum Kolbenansatz. Beim Raps läge man bei unter 40 Doppelzentner pro Hektar“, zählt Iris Claassen, Geschäftsführerin beim Regionalbauernverband Döbeln-Oschatz, auf. Sie betont, dass die Probleme jedoch erst im Anschluss richtig sichtbar werden. Denn der Futteraufwuchs habe bei der ersten Ernte gerade einmal die Hälfte der Erträge eingebracht, beim zweiten sei es ein Viertel gewesen, alle weiteren sind nicht erntewürdig.

Eigentlich sind die Landwirte nun mit der Herbstaussaat beschäftigt. Doch nach wie vor ist kein ausreichender Niederschlag in Sicht, weshalb flächendeckend bereits auf die Aussaat verzichtet wurde. Das betrifft vor allem die Rapskultur. „Die Entschädigung wird sicher ein Thema bei den Landwirten in unserer Region sein, doch im Moment ist dies noch nicht in Kraft getreten. Alle sitzen in den Startlöchern. Doch die Bedingungen dafür, dass man Anspruch auf die finanziellen Mittel hat, sind relativ hoch und verschiedene Hürden zu überwinden. Die Betriebe müssen ihr Vermögen offen auf den Tisch legen. Dennoch glaube ich, dass viele einen Antrag stellen werden. Es wird eine komplizierte Sache, doch ich kann es jedem nur ans Herz legen, zumindest die Berechnung in der Exceltabelle zu beginnen. Unterstützung finden die Bauern auch in unseren Geschäftsstellen“, so Iris Claassen.

Der Zaußwitzer Landwirt Torsten Kühne musste beim Mais Ertragseinbußen von 54 Prozent hinnehmen. „Im Schnitt ernten wir 50 Tonnen vom Hektar, in diesem Jahr waren es über alle Schläge betrachtet 22 bis 23 Tonnen“, erklärt er. Bei der Gerste liege die Ernte um die 35 Prozent unter jener des Vorjahres. Rund ein Viertel weniger habe man beim Raps geerntet. „Bisher ist klar, dass eine Entschädigung an jene Landwirte gehen soll, die bezogen auf den Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre diesmal 30 Prozent weniger geerntet haben“, schildert Torsten Kühne seinen Kenntnisstand. Richtlinien dazu, wie der Freistaat Sachsen genau mit der Problematik umgehen werde, seien ihm noch nicht bekannt. Er gehe davon aus, dass diese Einbußen bezogen auf einzelner Fruchtarten nachzuweisen seien. Dann käme bei ihm eine Entschädigung für Ausfälle bei Mais, Weizen und Gerste in Frage. Wie genau die Kriterien dafür aussehen sollen, dass diese Ernteeinbußen existenzbedrohend seien, kann er sich noch nicht vorstellen. Er warte auf die Richtlinien des Landes und wolle dann auf jeden Fall eine Entschädigung beantragen.

„Die Anforderungen für eine solche Entschädigungszahlung sind sehr hoch. Die Summe der Jahreserzeugung des landwirtschaftlichen Unternehmens muss mehr als 30 Prozent niedriger als im Durchschnitt der letzten drei Jahre und der Betrieb muss existenzgefährdet sein“, betont Monika Linhart, Vorstand der Agrargenossenschaft Altoschatz-Merkwitz. „Laut Förderrichtlinie für Sachsen ist die Definition der Existenzgefährdung dabei ausschlaggebend. Damit ist für uns klar, dass wir keinen Antrag stellen können.“ Viel mehr kann sie über eine mögliche Entschädigung nicht sagen.

Zum Thema „Hilfen für existenzgefährdete Betriebe aufgrund der Dürre 2018“ findet am Montag eine Informationsveranstaltung im FBZ in Wurzen statt. Dort werden in Kooperation mit dem zuständigen Referat des LfULG Zugangsvoraussetzungen und Verfahrensschritte für die Förderung erläutert. „Dann wird sich entscheiden, ob es vielleicht doch noch eine Möglichkeit gibt, eine Unterstützung zu bekommen.“

Die Wintergerste in der Agrargenossenschaft ist aufgrund der frühen Abreife am besten weggekommen, Winterweizen und Raps blieben deutlich unter den Durchschnittserträgen der Vorjahre. Die Dürreschäden sind aber nicht höher als 30 Prozent. Über die Zuckerrübenernte könne noch nichts genaues gesagt werden, da diese erst auf 50 Prozent der Flächen abgeschlossen sei. Dieses Jahr sei deutlich zu sehen, in welchen Regionen besonders wenig Niederschlag gefallen ist. In der Agrargenossenschaft Altoschatz-Merkwitz ist das der Bereich südlich der B 6 rund um Collm.

Luzerne- und Stilllegungsflächen konnten Tierproduktionsbetrieben zur Futternutzung zur Verfügung gestellt werden. Besonders wird versucht, dem Schäfer in der Region unbürokratisch zu helfen.

„Für uns sind die Auswirkungen der Dürre dieses Jahr nur verhalten zu spüren. Durch unser Getreidelager konnten wir von Januar bis Mai Erträge aus dem Vorjahr verkaufen. Das ganze Ausmaß der Schäden wird sich erst nächstes Jahr zeigen. Vom Grundsatz her finden wir die Hilfe richtig. Es ist wichtig, dass in Not geratene Unternehmen finanziell unterstützt werden.“ Für Monika Linhart wäre es wünschenswert, vonseiten der Politik ein steuergünstiges Modell zu schaffen, als Betrieb in guten Jahren Vorsorge für schlechte Jahre treffen zu können. „Beihilfe ist ein guter Ansatz, wird aber in jedem Fall wieder Ungerechtigkeiten hervorrufen.“

Von Kristin Engel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kaum sind die Sommerferien vorbei, da kommen die ersten Kalender für das nächste Jahr in den Handel. Wobei man oft schon in den Ferien zuschlagen und sich dann die Urlaubserinnerung zum An-die-Wand-Hängen mitnehmen kann. Nun wird die Lage auf dem Kalender-Markt tatsächlich ernst. In immer mehr Buchhandlungen werden die Gänge wegen der zusätzlichen Aufsteller enger.

12.10.2018

Wichtige Formulare der Deutschen Telekom stellt die Stadt Oschatz jetzt den Hauseigentümern zu. Es handelt sich um die Anträge auf Glasfaseranschlüsse für die Breitbandversorgung. Mieter werden separat informiert.

11.10.2018

Am Freitag, 11 Uhr geht es los: das Horstseefischen. Egal, ob man Karpfen mag, mehr auf Fleisch steht oder bei den vorausgesagten Temperaturen lieber Eis essen mag – am Horstseedamm ist für alle Geschmäcker gesorgt.

11.10.2018